RGA vor Ort

Die Hauptschule in Hackenberg ist unverzichtbar

Schulleiterin Elke Simon (M.) – hier mit Beratungspoint-Mitarbeiterin Daniela Butte-Reiter (li.) und Lehrerin Regina Wesseling-Hermann – hofft auf den Baustart in 2023.
+
Schulleiterin Elke Simon (M.) – hier mit Beratungspoint-Mitarbeiterin Daniela Butte-Reiter (li.) und Lehrerin Regina Wesseling-Hermann – hofft auf den Baustart in 2023.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
    schließen

Nach langer Wartezeit soll nächstes Jahr Remscheids einzige Hauptschule saniert werden. Obwohl die Anmeldezahlen rückläufig sind, ist die Hauptschule unverzichtbar.

Von Andreas Weber

Remscheid. Schon 2017 wurde Elke Simon versichert, dass Sanierung und Anbau ihrer Hauptschule nahen. Fünf Jahre später ist in Hackenberg immer noch nichts passiert. Zeitplanungen der Stadt für das acht Millionen teure Schulprojekt gehen momentan von 2023 als Starttermin aus. Im Kollegium glauben viele nicht mehr an Ankündigungen und Versprechungen. Elke Simon bleibt freilich Optimistin. Aber auch sie hadert nach Jahren des vergeblichen Wartens: „Eigentlich wären wir vor den Gymnasien dran. Aber deren G9-Umbau wird intensiver diskutiert als unsere Bedürfnisse.“

Alle Folgen der Stadtteilserie

Eigentlich wären wir vor den Gymnasien dran.

Schulleiterin Elke Simon

Gäbe es einen Titel für Remscheids gebeuteltste Schule, er würde in der Hackenberger Straße 105 übergeben. Die Fenster, die sich nicht öffnen ließen, weil dies beim Bau nicht vorgesehen war und in Corona-Zeiten, als Stoßlüften zwingend wurde, für plötzliche Speziallösungen sorgte, ist nur ein groteskes Kapitel aus der Serie der Widrigkeiten, mit denen die Hauptschule kämpft. Einen weiteren Tiefpunkt erfuhr diese, als Schüler und Lehrer nach den Osterferien im Eingangsbereich vor zwei Brandschutzwände liefen, die von der Stadt eingezogen worden waren und das optisch einst großzügige Entree zur Hauptschule zu einem Nadelöhr werden ließen.

Anmeldezahlen der Hauptschule sind schon lange rückläufig

Als Elke Simon 1997 nach Remscheid kam, zählte die Stadt sechs Hauptschulen. Sie waren ein elementarer Bestandteil des dreigliederigen Schulsystems mit Realschule und Gymnasium. Mit der Einführung von Gesamt-, später der Sekundarschule sank der Stern der Hauptschulen. Heute gibt es noch eine in dieser Stadt. Untergebracht ist sie an zwei Standorten, in Hackenberg für die Stufen 5 bis 7, und der Dependance in der ehemaligen Hauptschule Wilhelmstraße für die 8 bis 10.

10,5 Kilometer liegen beide Schulzentren voneinander entfernt, was die Arbeit für das 42-köpfige Kollegium nicht einfacher macht. „Wir sind bemüht, dass die Kollegen und Kolleginnen nicht zu viel pendeln müssen und nur einen Unterrichtsort haben“, sagt Elke Simon.

Die räumliche Distanz ist in Zeiten des Lehrermangels der geringste Nachteil bei der Gewinnung neuer Kräfte. Unsicherheit, was die Zukunft der Schulform betrifft, gar Existenzängste sind mit der Hauptschule verbunden. Deren Anmeldezahlen sind seit Jahren rückläufig, zeigen langsam in den roten Bereich. 410 Schüler sind es zurzeit. Bei der Einschulungsfeier für 2022/23, die vor den Ferien stattfand, wurden zwei fünfte Klassen zu je 18 Schülern begrüßt. Die Mindestzahl hat die Hauptschule gerade geschafft. Unter 35 wird es kritisch.

Für Grundschulen wird es ein anstrengendes Schuljahr 22/23

Hauptschule ist unverzichtbar

Thorsten Schmalt, benachbarter Leiter der Albert-Schweitzer-Realschule, lässt aber keinen Zweifel, dass die Hauptschule unverzichtbar ist. „Kippt sie, kippen wir irgendwann auch“, hat er dem RGA gegenüber geäußert. Denn für die Schüler, die nach der Erprobungsstufe in der 6 die Realschule verlassen, muss es eine Alternative geben. „Wir brauchen eine Schulform für Kinder, die praktisch veranlagt sind“, betont Elke Simon.

Starres Festhalten an Lernplänen ist bei Hauptschulpädagogen nicht gefragt. „Für unsere Tätigkeit ist wichtig, dass wir immer wieder hinterfragen, bei jedem Schüler individuell ausleuchten, wo es bei ihm hapert“, fordert Elke Simon. Und das geht nur mit Hilfe der Eltern. In einem kleinen System mit 410 Schülern ist dies möglich. Flexibilität ist alles. „Wir sind Allrounder, alle kleine Sozialarbeiter“, erklärt Daniela Butte-Reiter.

Die gelernte Friseurmeisterin, die vor Jahren in den Schulbetrieb wechselte, ist mit Sylvia Murasch (Kolping-Bildungswerk) und Susanne Kuhstoß (Jugendberufsagentur) eine der drei Fachkräfte im Beratungspoint an der Wilhelmstraße. Die Türen stehen ständig offen. „Niederschwellig“ bezeichnet Elke Simon das Angebot, das sich als Erfolg entpuppte.

Beruf und Ausbildung stehen im Fokus

Dort wird vermittelt, was die Hauptschule so stark macht: der Fokus auf Beruf und Ausbildung. In der Klasse 10a sind Langzeitpraktika vorgesehen. Von Schuljahresbeginn bis Ostern geht es jede Woche einen Tag in Betriebe. Die Hauptschule hält daran jedoch nicht starr fest. „Wer schulmüde ist, kann schon ab Klasse 8 Praktika wählen.“ Längst sei widerlegt, dass selbst Abgänger in der Stufe 9 nur schlecht bezahlte Jobs finden. „Am Ende wird abgerechnet. Nicht der Schulabschluss zählt, sondern was ich aus meinem Leben mache“, weiß Butte-Reiter.

In vielen Köpfen von Eltern stecke aber die Einstellung der 80er-/90er-Jahre drin: Meine Kinder sollen einen besseren Abschluss machen. Und da gäbe es viele, die nach dem Hauptschulabschluss 9 oder 10a und 10b Angst vor der eigenen Courage haben. „Viele wählen nicht die Ausbildung, sondern zum Beispiel an Kollegs den vermeintlich sicheren Hafen“, beobachtet Butte-Reiter. Wenn Lehre, dann standen früher Zerspanungsmechaniker und Kfz-Meachatroniker bei den Jungs hoch im Kurs, bei den Mädchen war es Erzieherin oder eine kaufmännische Ausbildung. Heute sind es Sozialassistenten oder Kinderpfleger, bei Jungs ist auch der Erzieher nachgefragt.

Arbeiten in Lennep: Gemischte Industrie bietet viele Möglichkeiten

Die Zusammenarbeit mit der Realschule über die Bildungslandschaft Lennep hinaus zu intensivieren, kann sich Elke Simon gut vorstellen. Vielleicht werden die Nachbarn auch eingebunden in ein Projekt, das die Hauptschule etablieren möchte: eine In-House-Ausbildungsmesse. Schließlich ist es Thorsten Schmalts erklärtes Ziel: „Wir müssen mehr Jugendliche in Ausbildung bekommen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Weinfest: Tausende huldigen den edlen Tropfen
Weinfest: Tausende huldigen den edlen Tropfen
Weinfest: Tausende huldigen den edlen Tropfen
17-Jähriger sticht mehrfach auf 21-Jährigen ein- Tatverdächtiger festgenommen
17-Jähriger sticht mehrfach auf 21-Jährigen ein- Tatverdächtiger festgenommen
17-Jähriger sticht mehrfach auf 21-Jährigen ein- Tatverdächtiger festgenommen
Fort Blücher ist wieder geöffnet
Fort Blücher ist wieder geöffnet
Fort Blücher ist wieder geöffnet
Stadt stellt Spender für Tampons und Binden auf
Stadt stellt Spender für Tampons und Binden auf
Stadt stellt Spender für Tampons und Binden auf

Kommentare