Hasensprungmühle

Altenpflege: Akademie verzeichnet große Nachfrage

Mussten in der Pandemie zusammenstehen: die Nachwuchspfleger aus der Gruppe GK 1 der Lenneper Pflegeakademie. Foto: Roland Keusch
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Mussten in der Pandemie zusammenstehen: die Nachwuchspfleger aus der Gruppe GK 1 der Lenneper Pflegeakademie.

Lenneper Schule ist für den Ausbildungsbeginn im Oktober ausgebucht - Nachwuchskräfte sind zum Präsenzunterricht zurückgekehrt

Von Frank Michalczak

Remscheid. Hasensprungmühle – dieser Name steht für die evangelische Pflegeakademie, die sich in den letzten zwei Jahren in Lennep etabliert hat. In einem ehemaligen Bürotrakt der Firma Barmag erhalten Auszubildende aus Seniorenheimen und ambulanten Pflegediensten aus Remscheid und Umgebung die Kenntnisse für ihren Beruf. Und: Allen Unkenrufen zum Trotz erfreut sich dieses Bildungsangebot großer Beliebtheit. „Für den kommenden Ausbildungsbeginn am 1. Oktober können wir aktuell keine Interessenten mehr aufnehmen“, berichtet Schulleiterin Petra Klaas.

Zweimal im Jahr, am 1. April und am 1. Oktober, beginnen jeweils 25 bis 28 Nachwuchs-Pfleger ihre Lehrzeit in der Schule. Sie erleben während der dreijährigen Ausbildung im Wechsel die Tätigkeit bei ihrem Arbeitgeber, diverse Praktika – zum Beispiel im Krankenhaus – und Blockunterricht in der Akademie. Dort stehen für sie 2100 Theoriestunden an, wobei ein zehnköpfiges Dozententeam ein breites Wissensspektrum vermittelt. Am Ende steht die Prüfung zur staatlich anerkannten Pflegefachfrau bzw. -fachmann. Es ist ein neues Berufsbild, das die getrennten Ausbildungen zum Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger seit 2020 vereint. „Unsere Schüler werden Pfleger für Menschen aller Altersstufen“, erklärt Petra Klaas.

„Wir haben uns sehr gut unterstützt“

Kurssprecher Jannis Maagé über Unterricht in Corona-Zeiten

Pioniere sind dafür die Schüler der Unterrichtsgruppe GK 1, die seit April 2020 die Hasensprungmühle besuchen – bzw. besuchen wollten. Denn Corona machte den regulären Unterricht unmöglich. Die Auszubildenden lernten sich virtuell im Internet kennen. „Wir haben uns sehr gut unterstützt“, beschreibt Kurssprecher Jannis Maagé die Zusammenarbeit seiner Klassenkameraden und der Dozenten, die sehr hilfsbereit seien. Sie alle gründeten WhatsApp-Gruppen, schalteten sich via Teams im Internet zusammen. „Am Anfang hatten einige eine gewisse Scham, vor der Kamera zu sitzen. Doch die Angst davor ist geschwunden.“ Auch seine Mitschülerin Ronja Ehlers findet. „Wir haben das gut gedeichselt.“

Möglicherweise trug die Pandemie zu einem besonderen Zusammenhalt der Azubis bei, die sich vor einigen Wochen endlich im Klassenzimmer beim Präsenzunterricht treffen konnten. Dazu zählt auch Dennis Ziermann. Er begann, durch die neue generalisierte Ausbildung umzudenken. „Eigentlich komme ich aus der Altenpflege“, erklärt er: „Jetzt kann ich mir aber auch gut vorstellen, im Krankenhaus zu arbeiten.“

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Den beruflichen Horizont erweitern die Praktika, die Einblicke in den Alltag der unterschiedlichen Einrichtungen vermitteln. „Vorbehalte werden dadurch abgebaut“, bestätigt Dennis Ziermann mit Blick auf die Eindrücke, die er gewonnen hat.

Mit diversen Krankenhäusern in Remscheid und Umgebung arbeitet die Hasensprungmühle zusammen. Davon profitieren alle: Die Azubis aus den Kliniken schwärmen in die 70 Seniorenheime und ambulanten Dienste aus, die für die Pflegeakademie einen Verbund bilden. Deren Nachwuchskräfte lernen den Krankenhausalltag kennen – und das intensiver als bei den bisherigen Ausbildungsgängen. Am Ende werden sie schließlich alle zum Pflegefachmann bzw. -zur fachfrau.

Die Motivation, diesen Weg einzuschlagen, sei ganz unterschiedlich, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Petra Pausewang. „Dahinter steckt aber sicher der gemeinsame Grundgedanke, dass sie eine Tätigkeit in einem sozialen Dienst ergreifen wollen, die ihnen sinnvoll erscheint.“ Einige hätten vor der Berufswahl persönliche Erfahrungen gesammelt, weil der eigene Opa oder die Oma von einem ambulanten Pflegedienst betreut wurde. „Andere kamen durch ein Schulpraktikum auf den Gedanken, sich um eine Ausbildung zu bewerben“, erläutert Petra Pausewang.

Zudem sei die Quote von Seiteneinsteigern nicht zu unterschätzen, die einen ganz anderen beruflichen Hintergrund haben, aber nun in der Pflege tätig sein wollen – zum Beispiel nach einer Elternpause oder nach einer Phase, in der sie selber einen Angehörigen betreut haben. Deshalb drücken auch Auszubildende unterschiedlicher Generationen gemeinsam die Schulbank in der Hasensprungmühle, die bis 2019 auf dem Gelände der Stiftung Tannenhof untergebracht war und unter der Trägerschaft der Rheinischen Gesellschaft für Diakonie steht.

Sonderkurs zum Pflegeassistenten startet am 1. Oktober

Für so manchen könnte daher ein Sonderkurs interessant sein, der am 1. Oktober startet. Dann werden in einer anderthalbjährigen Ausbildungszeit bis zu 25 Teilnehmer in Teilzeit zu Pflegeassistenten ausgebildet. Einige Plätze seien noch frei. Kontakt zur Pflegeakademie, P (02191) / 55491

Serie

Bei unserer Reise durch die Remscheider Ortsteile sind wir nun in Lennep angelangt. Lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe einen Beitrag über Stadtführer Lothar Vieler, der in einem Buch seine Jugenderinnerungen an Lennep in der Nachkriegszeit beschrieben hat.

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