Pandemie

Lehrer warten händeringend auf die Corona-Tests

Stephan Döring, Schulleiter des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums, und seine Stellvertreterin Stefanie Gehrke warten auf die Selbsttests. Sinnvoller sei das Testen zu Hause, so dass positiv getestete Schüler gar nicht erst in die Schule kommen. Foto: Roland Keusch
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Stephan Döring, Schulleiter des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums, und seine Stellvertreterin Stefanie Gehrke warten auf die Selbsttests. Sinnvoller sei das Testen zu Hause, sodass positiv getestete Schüler gar nicht erst in die Schule kommen.

Die Handreichung der Ministerin ist viele Seiten lang, doch bei den Lehrern lässt sie noch Fragen offen.

Von Alexandra Dulinski und Axel Richter

Remscheid. Das Paket mit den Corona-Selbsttests für seine Schülerinnen und Schüler wurde ihm per E-Mail angekündigt, berichtet Stephan Döring, Leiter des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums. Wann die Test-Kits allerdings ankommen werden und die ersten Kinder und Jugendlichen sich selbst testen können, ist unklar.

Wie berichtet hat das Land 1,8 Millionen Tests für die Schulen „kurzfristig“ beschafft und am Dienstag in die Post gegeben. Dazu versandte das Schulministerium eine achtseitige Schulmail zum Gebrauch. Unter anderem geht es darin um die Frage, was zu tun ist, wenn ein Kind in der Klasse positiv getestet worden sein sollte. Doch wirklich schlau wurden daraus weder Schuldezernent Thomas Neuhaus noch die Verantwortlichen in den Schulen. Im Gegenteil: Für die Praktiker vor Ort lässt das ministerielle Schreiben bis heute viele Fragen offen.

Wie sieht zum Beispiel die altersgerechte Isolierung eines Schülers aus, dessen Test positiv ausgefallen ist? Noch fehlt den Lehrern darauf die Antwort. Genau das aber fordert das Ministerium: „Die betroffene Person muss unverzüglich und in altersgerechter Weise unter Einhaltung der allgemeinen Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen isoliert werden.“

„Wir müssen unbedingt bis Freitag die ersten Kinder testen.“

Michael Pötters, Sophie-Scholl-Gesamtschule

Stephan Döring rätselt: Er müsse das Kind schließlich begleiten, könne die anderen Schüler aber auch nicht allein lassen. „Ich bin empathisch genug, um zu wissen, dass ein Elfjähriger mit einem positiven Test in der Hand nicht glücklich ist“, sagt der Schulleiter.

Für die Kinder stelle das eine große Belastung dar. Den Tests in der Schule stehe er deshalb sehr skeptisch gegenüber und hätte sich eine andere Strategie gewünscht. Um Infektionsketten zu unterbrechen, würde es nicht reichen, ein Mal in 14 Tagen zu testen. Die jetzigen Tests sehe er daher nur als Testlauf.

720 Schnelltests erwartet auch Jörg Bergemann, Rektor der Albert-Schweitzer-Realschule in Lennep. Für jede Schülerin und jeden Schüler einen. Bergemann versucht, die Sendung im Internet nachzuverfolgen. Sobald die Test-Kits da sind, will er loslegen. Das eine Exemplar, das die Landesregierung den Schulen pro Schüler bis zu den Osterferien zugesagt hat, versteht auch er als Übungsmaterial. Nach Ostern hofft er, weit mehr Schnelltests zu bekommen. „Dann muss das Testen vor dem Unterricht zur Routine werden“, sagt er. „So wie es heute die Maske ist.“

Bergemann stellt sich noch eine andere Frage: „Was passiert eigentlich in der Klasse, wenn sich ein Schüler meldet und sagt: Herr Bergemann, mein Test ist aber positiv? Meldet sich der Rest der Klasse dann per Whatsapp bei den Eltern, ist die Panik perfekt.“ Doch der Schulleiter mag „nicht nur motzen“, wie er sagt. Grundsätzlich finde er die Tests nämlich richtig. Wenn es auch Zeit koste, so werde es das Lernklima doch deutlich entspannen.

Bevor es mit den Testungen losgehen kann, müsse aber noch einiges geklärt werden, sagt Michael Pötters, Direktor der Sophie-Scholl-Gesamtschule: Wie ist zum Beispiel zu verfahren, wenn Eltern dem Test nicht zustimmen? Bei 1300 Schülern sei die Gefahr außerdem sehr hoch, dass die Tests ein falsches Ergebnis zeigen. „Wir müssen unbedingt bis Freitag die ersten Kinder testen“, sagt Pötters mit Blick auf den wöchentlichen Wechsel der Unterrichtsgruppen.

An der Alexander-von-Humboldt-Realschule findet der Unterricht dagegen im täglichen Wechsel statt. „Wenn wir erst Donnerstag und Freitag testen, wissen wir, dass wir die Kinder sicher ins Wochenende schicken. Was aber am Wochenende passiert, ist unklar“, sagt Schulleiterin Gundula Krüger

Hintergrund

Mutation: Die Stadt vermeldet aktuell insgesamt 159 bestätigte Fälle mit der britischen Corona-Variante und einen bestätigten Fall der südafrikanischen Variante. Die brasilianische Variante wurde bislang nicht in Remscheid nachgewiesen.

Quarantäne: Vier Kitas sind seit Dienstag von Quarantänemaßnahmen betroffen: die gesamte Städtische Kindertageseinrichtung Kremenholler Straße sowie Gruppen der Katholischen Kindertageseinrichtung St. Marien, der Evangelischen Kindertageseinrichtung Hasten und der Stepke Kindertageseinrichtung Waldkrönchen.

Standpunkt: Regierung hat versagt

alexandra.dulinski@rga.de

Kommentar von Alexandra Dulinski

Dass Schüler vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen und der Öffnung der Schulen am Montag getestet werden, ist richtig und wichtig. Dabei ist eine vernünftige Teststrategie besonders gefragt. Die Tatsache, dass die Tests aber noch immer nicht die Schulen erreicht haben, zeigt, dass die Landesregierung anscheinend einen wichtigen Zeitpunkt verpasst hat. Wieso wurde hier nicht eher geplant? Es war klar, dass die Schulen auch trotz Pandemie früher oder später wieder öffnen müssen. Warum aber nicht vorgesorgt wurde und die Tests nicht schon mit Beginn des Präsenzunterrichts am Montag bereitlagen, ist verwunderlich. Es wurde zu spät gehandelt. Hier hat ganz klar die Landesregierung versagt. Ein Test pro Schüler innerhalb von zwei Wochen ist bei Weitem nicht ausreichend, um Infektionsketten zügig zu unterbrechen. Vor allem nicht, wenn die erste Hälfte der Schüler nach dieser Woche schon wieder in den Distanzunterricht wechselt, wie an der Sophie-Scholl-Gesamtschule. Für die Zeit nach den Osterferien müssen den Schulen ausreichend Tests zur Verfügung stehen. 

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