Krisenstab will Impfneid vermeiden

Remscheid lehnt Impfmobile für Migranten ab

Serap Güler (r.) bei ihrem Remscheid-Besuch 2019. Die NRW-Staatssekretärin ließ sich von Heike Schwarte, Leiterin der Kindertagesstätte Nordstraße, und Erden Ankay-Nachtwein, Vorsitzende des Integrationsausschusses, die Arbeit für und mit Zuwanderern erläutern. Archivfoto: Roland Keusch
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Serap Güler (r.) bei ihrem Remscheid-Besuch 2019. Die NRW-Staatssekretärin ließ sich von Heike Schwarte, Leiterin der Kindertagesstätte Nordstraße, und Erden Ankay-Nachtwein, Vorsitzende des Integrationsausschusses, die Arbeit für und mit Zuwanderern erläutern.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Landesregierung will mobile Teams in sozial schwache Stadtteile entsenden.

Remscheid. Tierärzte möchten geimpft werden, Friseure, Gehörlose und weitere Gruppen, die noch nicht an der Reihe sind. Bei Thomas Neuhaus (Grüne) gehen derzeit viele Wünsche auf eine bevorzugte Behandlung ein. Doch der Leiter des Corona-Krisenstabes bleibt bei der einmal gefassten Impfreihenfolge nach Alter und Gefährdungsgrad und schließt damit zugleich aus, was NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und dessen Staatssekretärin für Integration, Serap Güler (beide CDU), gemeinsam fordern: besondere Impfangebote für Stadtteile mit hohem Migrationsanteil.

Wie der RGA in der vergangenen Woche berichtete, verbreitet sich das Coronavirus in Remscheid dort besonders leicht, wo Menschen in beengten Verhältnissen wohnen. Bei Menschen, die in Berufen arbeiten, die kein Homeoffice erlauben – wie zum Beispiel im produzierenden Gewerbe, im Dienstleistungsbereich oder im Reinigungsgewerbe. Und bei Menschen, die traditionell in großen Familienverbünden leben. Das gilt insbesondere für die Remscheider Innenstadt, weshalb sie so etwas wie der Hotspot der Pandemie in Remscheid ist.

„Wir müssen den Impfstoff zu den Menschen bringen.“

Serap Güler

Inzwischen belegen Studien, dass das Virus dort besonders wütet, wo die Arbeitslosigkeit und der Migrationsanteil gleichermaßen hoch sind. Serap Güler fordert deshalb die Entsendung von Impfmobilen in solche Stadtteile mit besonders hohen Inzidenzen: „Wir müssen den Impfstoff zu den Menschen bringen.“

Güler, 1980 in Deutschland geboren als Tochter türkischer Einwanderer, kam im August 2019 als NRW-Staatssekretärin nach Remscheid, um sich von den Integrationsangeboten zu überzeugen. Dabei zeigte sie wenig Verständnis dafür, dass selbst noch unter den Enkeln der ersten Einwanderergeneration viele nur bruchstückhaft Deutsch sprechen. Mit Blick darauf fordert sie heute eine „bessere Aufklärungskampagne in der jeweiligen Sprache“.

Die hat es in Remscheid allerdings gegeben. Die Stadt hat Informationen in den verschiedenen Landessprachen vermittelt. Dazu besuchte der Oberbürgermeister die verschiedenen Moscheevereine, um sie im Fastenmonat Ramadan auf die nächtliche Ausgangssperre hinzuweisen.

Der Forderung nach einem Impfmobil, das nun zusätzlich die Stadtteile mit hohen Inzidenzwerten anfährt, weist Thomas Neuhaus für die Stadt Remscheid jedoch zurück. Obwohl Remscheid wohl auch aufgrund eines hohen Infektionsgeschehens unter Migranten und sozial Schwachen mit einer 7-Tage-Inzidenz von 275,5 wieder trauriger Spitzenreiter in NRW ist.

„Wie soll ich den Menschen erklären, dass andere jetzt bevorzugt werden?“, fragt Neuhaus und denkt dabei an jene Senioren, die oft Stunden am Telefon verbracht haben, um einen der raren Impftermine zu ergattern: „Ich höre heute schon die Rufe derer, die sagen, dass jetzt ausgerechnet diejenigen belohnt werden, die sich selbst nicht kümmern.“ Außerdem, sagt Neuhaus: Mit dem gleichen Argument, wie jetzt gefordert werde, die Bevölkerung bestimmter Viertel zu bevorzugen, ließe sich auch fordern, der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen besondere Angebote zu unterbreiten. Die 18- bis 39-Jährigen stecken sich derzeit nämlich am häufigsten an.

Eine Neiddebatte ums Impfen will der Krisenstabsleiter unbedingt verhindern. Und will dazu an der einmal eingeschlagenen Impfreihenfolge festhalten. Zum Nachteil auch von Tierärzten, Friseuren oder Gehörlosen.

Die Liste der Anbieter für Gratis-Schnelltests wird immer länger. Hier finden Sie eine Liste der Schnelltest-Anbieter in Remscheid mit Öffnungszeiten und Buchungsmöglichkeiten. 

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