Honsberg

Foodsaving: Obst und Gemüse gibt es für jeden

Ralf Noll vom Neuen Lindenhof und Foodsaver-Aktivistin, Mirjam Starke packen die Lebensmittel aus, die von Remscheider Geschäften aussortiert wurden und nicht in der Mülltonne landen sollen. Dienstags können die Lebensmittel an der neuen Ausgabestelle abgeholt werden. Foto: Roland Keusch
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Ralf Noll vom Neuen Lindenhof und Foodsaver-Aktivistin, Mirjam Starke packen die Lebensmittel aus, die von Remscheider Geschäften aussortiert wurden und nicht in der Mülltonne landen sollen. Dienstags können die Lebensmittel an der neuen Ausgabestelle abgeholt werden.

Foodsaver und Neuer Lindenhof eröffnen eine neue Lebensmittelausgabestelle.

Von Sabine Naber

Remscheid. Premiere vor dem Neuen Lindenhof im Stadtteil Honsberg: Auf dem Parkplatz ist ein weißes Zelt aufgebaut worden, auf dem darin stehenden Tisch liegen Brot, Brötchen und Kuchen. Es gibt Salat und Gemüse, Obst und Kartoffeln. Sogar Sträuße noch nicht aufgeblühter Osterglocken warten auf neue Besitzer. Die Auswahl an Lebensmitteln ist enorm groß, bezahlen musste am Dienstagmittag dafür hier aber niemand.

Normalerweise waren all diese appetitlich aussehenden Waren für die Mülltonne bestimmt. Das aber haben die Foodsaver, die Lebensmittelretter um Mirjam Starke, und das Team des Lindenhofes um Ralf Noll verhindert. „Wir sind hier ein Fair-Trade-Standort. Der Kaffee, den wir ausschenken, ist ein Teil davon. Wir haben dann überlegt, wie wir das weiter ausbauen und dem Anspruch, eine Foodsharing-Stadt zu sein, noch besser gerecht werden können“, sagt Noll, Geschäftsführer des Stadtteil-Vereins. Es freue ihn sehr, dass der Honsberg ab jetzt noch nachhaltiger würde.

Schon bei der Nacht der Kultur hatten Ehrenamtler von Foodsharing im Lindenhof ein Büffet aufgebaut. Das sei bei den Gästen sehr gut angekommen. Da kam es zur rechten Zeit, dass die Lebensmittelretter weitere Stellen gesucht haben, wo sich die von den Geschäftsleuten aussortierten Lebensmittel verteilen lassen. Unabhängig vom sozialen Status an alle, durchaus nicht nur an bedürftige Menschen. Denn das Hauptaugenmerk liegt darauf mitzuhelfen, dass keine genießbaren Lebensmittel in der Tonne landen.

Remscheid: Eine Superaktion, findet Annelore Jonas

„Wir haben sonst nur sogenannte Bring-Stellen wie das Jugendcafé „Five-Seven“ an der Nordstraße, oder private Verteiler. Wir freuen uns und sind stolz auf die neue Kooperation mit dem Stadtteil-Verein. Und darauf, dass wir jetzt regelmäßig Lebensmittel zum Lindenhof bringen können“, fasst es Mirjam Starke, die Foodsharing-Botschafterin für Remscheid, zusammen.

Sie hatte im Vorfeld schon Reklame für den neuen Verteilerplatz gemacht. Denn ein weiteres Ziel der Aktion ist es, den Stadtteil aufzuwerten und einen Austausch von Besuchern des Gemeinschaftshauses zu erreichen. So will man gemeinsam ein konstruktives Miteinander der verschiedenen Kulturen und Religionen fördern und dabei die vielen Bewohnern des Viertels einbeziehen.

Auch Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz guckten sich am Dienstag die Foodsharing-Aktion an. „Ich bin froh, dass in dieser Beziehung jetzt auch auf dem Honsberg was läuft. Und bedanke mich bei den Ehrenamtlichen, die sich hier einbringen. Es wäre ja eine Katastrophe, wenn all diese Lebensmittel im Müll landen würden“, war er sich mit der Rechtsdezernentin einig.

„Eine Superaktion. Ich wollte mir im Lindenhof eigentlich nur ein Rezept abholen. Und jetzt stehe ich hier mit zwei vollen Einkaufstaschen“, zeigte sich Annelore Jonas begeistert. „Den krausen Salat mache ich mir gleich heute Mittag. Und nächste Woche bin ich wieder hier“, verspricht sie.

„Wo kann ich mich bedanken“, will Ingrid Weihrauch wissen. Auch sie nimmt das neue Angebot gerne wahr: „Ganz toll ist das. Für mich habe ich Steckrüben mitgenommen. Die kriegt man im Geschäft so selten, und ich mag sie so gerne. Für meine Tochter habe ich auch eine Tasche vollgepackt“, erzählt sie. Im Kleiderladen, wo sie regelmäßig aktiv ist, habe sie von der Aktion erfahren. „Früher habe ich hier bei der Awo gearbeitet. Seitdem nehme ich an vielen Festen und Aktionen teil, zu denen der Lindenhof einlädt.“

Seit 2016 sind die Lebensmittelretter in Remscheid aktiv. Inzwischen sind 125 Ehrenamtler um Liz Erbe und Mirjam Stracke dabei, haben bereits mehr als 519 000 Kilo Lebensmittel gerettet. Remscheid ist zur Foodsharing-Stadt geworden. Inhabergeführte Geschäfte, aber auch Discounter wie Kaufland, werden angefahren. Bei jeder Abholung werden zwischen 20 bis 50 Kilo Lebensmittel vor dem Müll gerettet.

Hintergrund

Zukünftig werden auf dem Parkplatz am Neuen Lindenhof im Wohnquartier Honsberg an jedem Dienstag zwischen 12 und 13.30 Uhr Lebensmittel verschenkt. Kommen kann jeder, der nicht möchte, dass noch genießbare Lebensmittel in der Mülltonne landen. Foodsharing wird dazu die Lebensmittel anliefern, die anschließend von Ehrenamtlichen des Stadtteil-Vereins an alle Interessierten, abgegeben werden. Foodsharing ist seit Oktober 2016 in Remscheid aktiv. Elisabeth (Liz) Erbe rief den Verein ins Leben.

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