Selbstversuch

Inflation: So teuer sind Lebensmittel wirklich geworden

Redakteurin Katharina Birkenbeul hat eingekauft, was auf ihrem Kassenbon von 2021 stand.
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Redakteurin Katharina Birkenbeul hat eingekauft, was auf ihrem Kassenbon von 2021 stand.
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Redakteurin Katharina Birkenbeul kaufte in Remscheid die gleichen Produkte wie 2021 ein. Diese Sachen sind besonders teuer geworden.

Von Katharina Birkenbeul

Remscheid. In allen Lebenslagen fällt es auf: Die Inflation und der Ukraine-Krieg lassen die Preise für Konsumgüter immer weiter steigen. Ich will wissen, welche Produkte teurer geworden sind und wie viel der Einkauf wirklich mehr kostet als vor etwas mehr als einem Jahr. Ich gehe dafür in zwei Supermärkte. Auf den Kassenzetteln stehen die unterschiedlichsten Dinge - von Obst und Gemüse über Brot und Milch bis hin zu Käse und Tortellini.

Was ist Inflation?

Inflation bezeichnet laut dem Bundesfinanzministerium einen Anstieg des Preisniveaus. Heißt: Die Preise für den Verbraucher erhöhen sich über einen längeren Zeitraum. Die Inflationsrate beträgt in Deutschland derzeit rund 8 Prozent. Die Gründe dafür sind unter anderem eine erhöhte Nachfrage für Anschaffungen nach der Corona-Krise oder Rohstoffengpässe in Folge des Krieges in der Ukraine. „Die Vorlaufkosten der Lieferanten steigen ebenso wie Rohstoffe für die Produkte, so dass die Händler dies nur auffangen können, wenn sie entweder Personal entlassen oder die Preise erhöhen. Da Fachkräfte aber dringend gebraucht werden, entscheiden sie sich eher für Letzteres“, erklärte Ralf Engel, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW Rheinland – Region Bergisches Land in einem früheren Gespräch mit der Redaktion. Diese Entwicklung wirkt sich auch aufs Einkaufen aus.

Passend dazu: Prof. Christian Bredemeier von der Uni Wuppertal: „Das Thema Preissteigerung wird uns so schnell nicht wieder verlassen“

Inflation lässt Preise steigen: So viel kostet der Einkauf

Im Supermarkt fällt die Preissteigerung nicht direkt auf. Die beiden von mir aufgesuchten Einkaufsmärkte sind trotz eines Montagsvormittags gut gefüllt - genauso die Einkaufswagen, die sich durch die Gänge schieben. Ich kaufe heute nur bestimmte Lebensmittel. Toast, Milch, Kohlrabi, zweierlei Frischkäse standen auf dem ersten Kassenzettel vom vergangenen Jahr.

Ich bekomme alles, was ich brauche, verzichte aber auf die Kohlrabi: Für ein Stück, das so groß ist wie meine Handinnenfläche, sollen 79 Cent fällig werden. An der Kasse kommt mir der Preis für die anderen vier Lebensmittel nicht sonderlich hoch vor, sondern eher normal: 5,26 Euro stehen dort als Endsumme.

Im zweiten Supermarkt dann dasselbe Spiel. Auf dem Kassenzettel von 2021 stehen Süßkartoffeln, Trauben, Dattelcherrytomaten, Ananas, Salat, geriebener Käse, Mozzarella, Joghurt, Schlagsahne, Tortellini, passierte Tomaten und Brot. Eigentlich steht auch noch ein kalter Cappuccino auf dem Bon - auf den Luxus verzichte ich beim Anblick des Preises allerdings sofort - mehr als einen Euro soll er kosten, statt 69 Cent im vergangenen Jahr. Und auch den geriebenen Käse nehme ich nur unwillig mit, aber ich kann nicht auf alles verzichten. Auch diesmal bin ich an der Kasse von den Preisen nicht geschockt, irgendwie ist es schon Gewohnheit, für wenige Produkte viel Geld auszugeben: 17,84 Euro stehen auf dem Bon.

Wegen Corona und Ukraine-Krieg: Viele Lebensmittel sind zurzeit nicht verfügbar

Laut Guido Rötzel, Betreiber des gleichnamigen Edekas in Lennep und Hasten, ist es aktuell schwierig, alle Produkte zu bekommen: „Viele Lebensmittel sind zurzeit nicht verfügbar, Aktionsware wird nicht angeliefert. Wir freuen uns immer, wenn ein Lkw kommt und Ware für uns hat.“ Die Gründe: Inflation, Ukraine-Krieg und Rohstoffengpass.

Inflation: Kunden kaufen Lebensmittel bewusster ein

Den Ärger der Kunden bekommen die Betreiber der Supermärkte ab. Dementsprechend würden die Kunden allerdings auch bewusster einkaufen. „Was im Angebot und verfügbar ist, wird seit der Inflation häufig in großen Mengen verkauft“, beschreibt Rötzel das Kaufverhalten der Kunden. Wie lange der Warenengpass und die Inflation noch anhalten, kann er nicht absehen.

Der Kassenbonvergleich: Diese Lebensmittel sind teurer geworden

Zu Hause vergleiche ich die Preise auf den Kassenzetteln von heute mit denen vom vergangenen Jahr. Direkt auf den ersten Blick fällt auf, dass besonders bei Milchprodukten die Preise deutlich erhöht sind. Eine Packung geriebener Käse kostete 2021 1,27 Euro, heute waren es 1,99 Euro. Der Preis für Joghurt ist von 1,19 auf 1,69 Euro gestiegen. Damit sind Milchprodukte zwischen 20 und 60 Cent gestiegen. Macht bei meinen sieben Produkten 2,73 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Bei Obst und Gemüse hat sich hingegen nicht viel getan im Preis. Während Trauben um 20 Cent gestiegen sind, sind Dattelcherrytomaten 20 Cent billiger. Nur die Süßkartoffel schlägt aus der Reihe: 50 Cent mehr pro Kilo musste ich hinnehmen.

Der Versuch zeigt also: Einkaufen ist deutlich teurer geworden. 2021 habe ich für dieselben Produkte 4,09 Euro und 14,74 Euro ausgegeben, 2022 waren es 5,26 Euro und 17,84 Euro. Damit habe ich für die gleichen Lebensmittel heute insgesamt rund 4,30 Euro mehr als im Sommer 2021 ausgegeben.

Tipps zum Sparen

  • Grundpreise vergleichen
  • Lebensmittel mit hohem Preisanstieg durch günstige Alternativen ersetzen
  • keine Markenprodukte
  • Leitungswasser statt Mineralwasser
  • Tankstellen meiden
  • Obst und Gemüse der Saison wählen
  • selbst kochen statt auf Fertiggerichte setzen
  • Lebensmittel richtig lagern und auch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum nutzen, sofern noch gut
  • öfter vegetarisch kochen
  • den Weg zum Supermarkt zu Fuß zurücklegen

Standpunkt von Axel Richter: Der Deckel ist voll

axel.richter@rga.de

Der russische Präsident führt Krieg nicht nur gegen die Ukraine. Er führt Krieg gegen Europa. Dabei weiß Wladimir Putin genau, wie er uns Deutsche empfindlich treffen kann: indem er unserer Wirtschaft Schaden zufügt und jeden Einzelnen mehr bezahlen lässt. Nicht nur für Gas, sondern auch für die Waren des täglichen Bedarfs.

Nun hat die Bundesregierung ein drittes Entlastungspaket auf den Weg gebracht. 65 Milliarden Euro will der Staat in Form von Zuschüssen und Pauschalen unter das Volk bringen. Unter zwar auch dort, wo das nicht unbedingt nottut. Doch auch das ist vielen noch zu wenig.

Hat Vater Staat erst die Spendierhosen an, wachsen leicht Begehrlichkeiten. Vergessen wird dabei, dass es unsere Kinder und Enkel sind, die dafür dereinst die Rechnung zahlen. Dabei sollte jede Generation mit den Problemen, die sich ihr stellen, auch selbst fertig werden. Der Deckel, den wir den Generationen nach Corona und Krieg hinterlassen, ist längst voll.

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