Halbseitige Lähmung

Kinderbuch: Lea gibt Kindern mit Handicap neuen Mut

Janina Wisniewski (26) coacht Familien deutschlandweit zum Thema Hemiparese.
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Janina Wisniewski (26) coacht Familien deutschlandweit zum Thema Hemiparese.

Janina Wisniewski (26) hat selbst eine Behinderung, eine rechtsseitige Hemiparese. Neben ihrem Blog „Wie behindert bist du eigentlich?!“ ist nun ein Buch erschienen.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Lea ist 5 Jahre alt. Eigentlich ist sie ein Kind wie jedes andere auch. Ihr bester Freund ist Kuschelhund Bobby. Doch Lea merkt nun immer öfter: Ihr rechter Fuß und ihre rechte Hand sind irgendwie komisch! Sie kann sie nicht so gut bewegen wie ihren linken Arm und Fuß. Denn Lea hat eine rechtsseitige Hemiparese – eine unvollständige Halbseitenlähmung. Nachts trägt sie deshalb ihre Orthese, den sie ihren „Zauberstiefel“ nennt. Außerdem geht sie regelmäßig zu Physio Tom, ihrem Physiotherapeuten. Und gleichzeitig macht Lea genau das Spaß, was alle anderen Kinder auch gerne machen. Zurzeit lernt sie sogar Fahrradfahren!

Wie ihr das gelingt, erfahren die Leser in „Leas Abenteuer mit Hemiparese: Lea lernt Fahrradfahren“, einem Kinderbuch über ein fröhliches, mutiges Mädchen mit einem körperlichen Handicap. Mit dem 36-seitigen Buch samt liebevollen Illustrationen von Gitta Susann Vogel, das sich speziell an vier- bis neunjährige Kinder richtet, will die Autorin Janina Wisniewski (26) nicht nur aufklären. Die Remscheiderin, die nun in Wuppertal lebt, will vor allem eins: Betroffenen Eltern und Kindern Mut machen. Denn sie weiß selbst, wie es sich anfühlt.

Das ist Lea, die Protagonistin des gleichnamigen Buchs.

Als Janina Wisniewski etwa drei oder vier Monate alt war, stellte ihre Mutter fest, dass sie ihre rechte Hand nicht oder nur sehr eingeschränkt bewegte, dass sie sich steif anfühlte. Es folgten zahlreiche Termine bei Ärzten und Physiotherapeuten. Dabei stellte sich heraus, dass sie wohl einen vorgeburtlichen Schlaganfall hatte. Die Konsequenz: eine rechtsseitige Hemiparese. Daher kann die Remscheiderin ihre rechte Hand und das rechte Bein nicht so gezielt bewegen wie andere Menschen. Im Alter von 14 Jahren prophezeiten ihr die Ärzte, sie sei austherapiert, es werde nicht mehr besser. „Da habe ich mich aufgegeben, habe nicht mehr viel geübt.“

Kinder mit Hemiparese können das oftmals auch schaffen, aber brauchen dafür etwas mehr Zeit.

Janina Wisniewski

Alles änderte sich, als die Remscheiderin 21 wurde. Damals lernte sie eine Trainerin kennen, die sie motivierte. „Sie sagte mir: ,Hey, was ist denn, wenn das gar nicht stimmt, was man dir gesagt hat? Lass es uns doch mal probieren‘.“ Und sie probierte. Ihr erstes Ziel: „Mit dem Sektglas in der rechten Hand mit meinen Mädels in der Disco anstoßen.“ Und das tat sie nach einigem mentalen und physischen Coachingterminen dann auch.

Seitdem hat Janina Wisniewski ein Ziel nach dem nächsten erreicht. Sie lernte mit zwei Stöcken Skifahren, rennen, machte sogar einen Autoführerschein auf einem Automatikwagen. Diese positive Energie will sie nun an andere betroffene Familien und Kinder weitergeben. Dabei sollen unter anderem ihr Blog „Wie behindert bist du eigentlich?!“ und die neue Lea-Buchreihe helfen. Denn Leas Abenteuer sollen schon bald weitergehen. „Ich könnte mir vorstellen, dass Lea vielleicht bald schwimmen lernt. Oder wir sie begleiten, wie sie in die Schule kommt. Oder wie sie bastelt. Denn dabei fällt schon mal schnell die Schere aus der Hand“, weiß die Autorin.

Das Alter um die fünf Jahre sei bewusst gewählt. „Weil es ein sehr motorisches Alter ist. Auch Kinder ohne Handicap lernen Fahrrad fahren, treten in den Fußballverein ein.“ Durch die Schule werde Kindern mit Hemiparese aber leider oft Druck aufgebaut, dies alles im selben Zeitraum zu schaffen. „Kinder mit Hemiparese können das oftmals auch schaffen, aber brauchen dafür etwas mehr Zeit.“

Mit Lea an ihrer Seite will die Autorin Kindern mit körperlichem Handicap sagen, dass sich nicht alleine fühlen müssen. „Sie sollen wissen: Hey, da gibt es noch andere wie mich, die auch Fahrrad fahren oder schwimmen lernen. Und wenn ich das will, dann schaffe ich das auch“, erklärt Janina Wisniewski. Wie eben jedes ganz normale Kind.

Eine Hemiparese könne viele Ursachen haben. Häufig, wie auch in Leas Fall, führt ein vorgeburtlicher Schlaganfall aufgrund von Sauerstoffmangel dazu. Auch ein Schädel-Hirn- Trauma oder Tumore können dafür sorgen. Betroffen sind laut Wisniewski etwa 300 bis 400 Kinder pro Jahr in Deutschland. Die Diagnose erfolge oft erst im ersten Lebensjahr. Meist gehen viele Untersuchungen voraus.

Heute coacht die Remscheiderin betroffene Kinder, Eltern von betroffenen Kindern, aber auch Erwachsene. „Für Eltern ist es dabei wichtig zu erfahren: Wie fühlt sich mein Kind eigentlich?“, erzählt die 26-Jährige. Auf diese Frage kann sie selbst gute Antworten liefern. Neben dem Online-Coaching bietet sie auch Ganztagescoachings vor Ort innerhalb Deutschlands an. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus mentalem und physischem Training, wobei der Schwerpunkt auf dem Mentalen liegt. Es geht dabei um Fragen wie: Wie kannst du deine Hand im Alltag einsetzen? Wie kannst du das mit deinem Ziel verknüpfen? Und wie kannst du deinen Alltag zu deinem Trainingsalltag machen? Das Üben könne nämlich auch Spaß machen. Soll es sogar. Dies sei wichtig, um motorisch fit zu bleiben. Kleine Übungen könnten so prima in den Alltag eingebaut werden. So ist es kein Training, sondern irgendwann ganz normal.

So wie auch bei Janina Wisniewski selbst. Ihr Ziel: Schon bald nur mit der rechten Hand den Kaffeebecher halten. So lässt es sich auch sicher besser an Leas Abenteuern schreiben.

Buch + Blog

Buch: „Lea lernt Fahrradfahren“, Din-A4-Kinderbuch mit Drahtheftung, 36 Seiten, mit Illustrationen von Gitta Susann Vogel, 12,90 Euro: www.leasabenteuer.de

Blog: Infos, News und viele Tipps gibt es hier: wie-behindert-bist-du-eigentlich.de

Auch bei Youtube, Facebook und Instagram ist Wisniewski vertreten.

Kontakt: Coaching für Menschen mit körperlichem Handicap und Eltern von Kindern mit Handicap Janina Wisniewski; Tel. (01 70) 2 81 40 67; info@wie-behindert-bist-du-eigentlich.de

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