Vor Gericht

Prozess um bewaffneten Raubüberfall: Angeklagter bestreitet die Tat

Das Landgericht in Wuppertal.
+
Im Landgericht in Wuppertal wird verhandelt.

Der angeklagte Remscheider soll laut Staatsanwaltschaft seine Nachbarin überfallen und Geld gestohlen haben.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Ein angeklagter (42) Remscheider bestreitet einen bewaffneten Raubüberfall auf eine 82 Jahre alte Nachbarin im gemeinsam bewohnten Haus in Lennep. Laut Staatsanwaltschaft soll er die Frau in ihrer Wohnung mit einem Elektroschocker bedroht und ihr ein Geschirrtuch in den Mund gestopft haben. Die Beute habe 110 Euro betragen.

Die Seniorin hatte danach erst eine Verwandte und dann die Polizei angerufen. Den Richterinnen und Richtern im Landgericht Wuppertal sagte sie: Sie hatte Todesangst - und sie leide weiter unter den Folgen des Angriffs. Ein Polizist kommentierte als Zeuge mit sichtlichem Respekt: „Für ihr Alter war die Frau enorm fit.“ Der Angeklagte war im Haus festgenommen geworden.

Sie habe den Nachbarn auf eine versäumte Mietzahlung angesprochen

Der Aussage der 82-Jährigen zufolge hatte sie der Mann bei dem Geschehen vom Sonntagmittag des 16. Januar durch den Flur in die Küche gedrängt: „Ich sah nur diese schrecklichen, starren Augen, und ich wusste: Es geht um Leben und Tod.“ Sie sei in Panik geraten und habe geschrien, als sie ein Abtrockentuch bemerkte, das der Mann gehalten habe. „Der wollte mich ersticken!“, fügte sie hinzu. Sie sei gestürzt und er habe ihr den Mund zugehalten.

Laut der Frau stand sie auf und bot dem Mann zunächst 100 Euro an, nahm aber nur zehn Euro aus ihrer Börse. Er habe darauf „Hundert“ gesagt. Das sei das Erste gewesen, das er während des Geschehens geäußert habe. Sie habe noch zwei Fünfzig-Euro-Scheine dazu gegeben. Damit habe sich der 42-Jährige entfernt. Die Frau hatte eine Verletzung am Mund und Abschürfungen.

Die Seniorin berichtete, sie habe zuvor den Nachbarn auf versäumte Miete angesprochen, die er bei ihrem verstorbenen Bruder offen gehabt hatte, dem früheren Hausbesitzer.

Der Angeklagte erzählt eine andere Version des Geschehens

Der Angeklagte konsumiert Heroin. Er ist verheiratet, lebt getrennt und hat einen Sohn; seit dem Geschehen sitzt er in Untersuchungshaft. Seiner Version zufolge hatte er einen Akkubohrer bei sich, als er bei der Seniorin war. Sie sei auf ihn „losgegangen“. Er habe sie weggeschubst, deshalb sei sie gestürzt.

Aus seiner Sicht habe sie ihm das Geld gegeben, weil er ihr aufgeholfen habe. Der Angeklagte fügte hinzu: „Meine Frau hat gesagt, ich soll alles erzählen, und ich soll mich schämen.“

Das mögliche Tatwerkzeug beschrieb die 82-Jährige, sie habe ein längliches Gerät mit Griff gesehen. Das habe er „angeknipst“ und es sei „eine Flamme“ erschienen, ohne Knistern. Das Wort „Elektroschocker“ habe sie nie gesagt. Solche Geräte kenne sie nicht, und Akkubohrer ebenso wenig.

Zu dem Bohrer sagte der Angeklagte, er habe den in den Hausmüll geworfen: Er habe sein Werkzeug und einen Bekannten mit Einbruchsschäden in Verbindung gebracht. An der Maschine hätten neben den Fingerabdrücken des Unbekannten seine eigenen sein können. Deshalb habe er sie mit einem Tuch abgewischt.

Das Gericht will Freitag, weiter verhandeln.

Lesen Sie auch: Serientäter nimmt Gefängnisstrafe an.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
„Überflieger“: Sperrung wird heute aufgehoben
„Überflieger“: Sperrung wird heute aufgehoben
„Überflieger“: Sperrung wird heute aufgehoben
Galvanik-Betrieb: 640 Lkw-Ladungen verseuchte Erde
Galvanik-Betrieb: 640 Lkw-Ladungen verseuchte Erde
Galvanik-Betrieb: 640 Lkw-Ladungen verseuchte Erde
Müngstener Brückenpark soll belebt werden
Müngstener Brückenpark soll belebt werden
Müngstener Brückenpark soll belebt werden

Kommentare