Lüttringhauser Geflügelhof

Landwirte-Paar Kottsieper setzt auf das regionale Ei

Für Anna (32) und Robin Kottsieper (30) steht das Tierwohl an erster Stelle. „Geht es unseren Hühnern gut, schmecken die Eier umso besser“, sagen sie.
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Für Anna (32) und Robin Kottsieper (30) steht das Tierwohl an erster Stelle. „Geht es unseren Hühnern gut, schmecken die Eier umso besser“, sagen sie.

Anna Kottsieper (32) führt gemeinsam mit ihrem Mann Robin (30) den gleichnamigen Geflügelhof in Lüttringhausen.

Von Melissa Wienzek

Anna und Robin Kottsiepers erstes Invest ist diese neue Produktionsstätte. Hier wird Vollei für regionale Bäckereien hergestellt. 200 Eier ergeben 10 Kilo flüssiges Vollei. Damit sei man in der Region einzigartig.

Remscheid. Als Anna Kottsieper den Stall betritt, beginnt das Konzert: Die Hennen bilden mit ihrem „Gack, gack, gack“ in verschiedenen Tonlagen einen großen Geflügelchor. Liebevoll streichelt die 32-Jährige die glänzenden Federn der Tiere und schaut dabei mit einem Auge, ob die Damen auch genügend Wasser und Futter haben. Alles im grünen Bereich. „Hühner haben 21 unterschiedliche Vokalisationen drauf. So erkennen wir, wie es ihnen geht“, erklärt ihr Mann Robin Kottsieper. Morgens um 5 erreicht das Konzert übrigens seinen ohrenbetäubenden Höhepunkt – beim Eierlegen.

Anna und Robin Kottsieper haben den gleichnamigen Geflügelhof in Obergarschagen am 1. Juli 2019 von Karl-Frieder und Susanne Kottsieper übernommen. Sie sind damit die sechste Generation des familiengeführten Bauernhofs. „Und die siebte schläft gerade im Kinderbett“, sagt Robin Kottsieper. Kennengelernt haben sich die beiden beim Tanzen auf einer Party in Oldenburg. Sie studierte zu dem Zeitpunkt Agrarwissenschaften in Stuttgart, er in Osnabrück.

Anna Kottsieper stammt aus einer traditionsreichen Familie von Landwirten aus dem Dörfchen St. Märgen im Schwarzwald. Den Hof gibt es seit fast 900 Jahren, 21 Generationen lassen sich zurückverfolgen. Anna Kottsieper hat die Landwirtschaft also im Blut. Für sie war es folgerichtig, Agrarwissenschaften zu studieren, setzte ihren Schwerpunkt dabei auf Betriebswirtschaftslehre. „Der Beruf hat nicht nur etwas Natürliches, sondern auch Allumfassendes: Biologie, Chemie, Mathematik, Marketing, Recht“, sagt die 32-Jährige, für die die Landwirtschaft eine Lebensaufgabe ist. Und fügt hinzu: „Ich wollte immer einen Landwirt heiraten.“

Hat geklappt. „Wenn man einen Landwirt heiratet, heiratet man seine Familie und die Tiere gleich mit“, sagt Anna Kottsieper. Die beiden arbeiten den ganzen Tag zusammen, teilen sich ein Büro, in dem auch der Laufstall des Kleinen steht. Während sich Anna um die Vermarktung und den Verkauf der Eier kümmert, ist Robin für den Ackerbau und die Hühner zuständig. Sie arbeiten Hand in Hand. „Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen“, sagt Anna Kottsieper, für die Landwirtschaft eine Lebensaufgabe ist. „Wir sind erst dann erfolgreich, wenn wir den Hof an die nächste Generation übergeben können.“

Stolz ist das junge Landwirte-Paar auf sein erstes großes Invest: eine neue Produktionsstätte. Einmal in der Woche wird hier regionales Vollei für die Bäckereien in der Region produziert. „Verwendet werden Eier, die zu klein sind oder Schönheitsfehler in der Schale aufweisen. Sie würde im Supermarkt niemand haben wollen“, erklärt Robin Kottsieper. 200 Eier ergeben 10 Kilo flüssiges Vollei – gerne verwendet für Teilchen oder Kuchen. An diesem Dienstag werden allein 2000 Kilo hergestellt. Vor allem: So bleibt das Ei in der Region. Denn wer nachhaltig leben will, muss regional denken. „Wir sind der zweite Bauernhof in Deutschland, der das macht“, sagt Robin Kottsieper stolz.

Die Anforderungen ihres Betriebes lägen weit über den gesetzlichen Vorgaben. Diese würden regelmäßig kontrolliert. „Wir denken: Unser Betrieb muss nicht groß sein. Wir wollen es besser machen als so manch anderer“, sagt Robin Kottsieper. 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat der Geflügelhof, von dem die Familie ausschließlich lebt.

„Ich wollte immer einen Landwirt heiraten.“

Anna Kottsieper

Sie setzt auf Regionalität, Nachhaltigkeit und Tierwohl. Das ist den beiden sehr wichtig. So haben die Hennen in moderner Bodenhaltung bei jedem Wetter Zugang zu einem Wintergarten und die Hühner in Freilandhaltung weitläufigen Grünauslauf. Ihre Kämme sind nicht nur schön rot und das Gefieder glänzend, sondern Robin Kottsieper kann sich die Damen auch einfach auf die Schulter setzen – so zutraulich sind sie. Das sympathische Bild ziert das neue Logo des Geflügelhofs.

Die Gerste und den Weizen für das Hühnerfutter bauen die Kottsiepers auf ihren 85 Hektar großen Ackerflächen selbst an – ohne Gentechnik. Das ist für die beiden selbstverständlich. „Das schmeckt man auch. Denn für uns gilt: Geht es den Hühnern gut, schmecken unsere Eier umso besser“, sagt Robin Kottsieper. Die Eier aus Obergarschagen sind in 85 Supermärkten von Solingen und und Remscheid über Leverkusen bis Köln zu finden.

Seit November ist Anna Kottsieper zudem stellvertretende Vorsitzende der Landfrauen, Ortsverband Remscheid. In ihrer Heimat sei der Zusammenschluss fester Bestandteil des Lebens gewesen. Und auch in Remscheid sei der Verband eine gute Möglichkeit, zu netzwerken. Aber nicht nur für weibliche Landwirte, die heute überwiegend studiert seien, sondern für alle, die sich für das Landleben und seine Themen begeisterten. Jede Frau könne mitmachen. „Durch Instagram und Pinterest erlebt das Landleben eine kleine Renaissance“, sagt Anna Kottsieper. Viele zögen wieder von der Stadt aufs Land. Im Einklang mit der Natur – so wie auch Anna Kottsieper auf ihrem Geflügelhof in Lüttringhausen.

www.kottsieper.de

Landfrauen

Landfrauen: Die Landfrauen haben zurzeit 40 Mitglieder. Jede interessierte Frau kann mitmachen, niemand müsse einen Hof führen, betont Anna Kottsieper.

Termine: Am Freitag, 18. März, 15 Uhr, treffen sich die Landfrauen bei der Awo, Mollplatz 3, am 1. April wird gebastelt. Es gilt 2G. Wer mitmachen möchte, melde sich an: Tel. 69 04 90.

Kontakt: Informationen gibt es bei der Vorsitzenden Dela Kirchner: dela.kirchner@magenta.de

Auch interessant: Die Bauernhöfe Kempe und Et Höffken setzen auf kurze Wege

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