Remscheid hat gewählt

Jens Nettekoven gewinnt den Wahlkreis

Jens Nettekoven (links) hat die meisten Stimmen in Remscheid und Rade geholt, wobei sich die kleinere Nachbarstadt erneut als seine Hochburg erwies. Sven Wolf (neben ihm) kann sich aber vermutlich auch freuen.
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Jens Nettekoven (links) hat die meisten Stimmen in Remscheid und Rade geholt, wobei sich die kleinere Nachbarstadt erneut als seine Hochburg erwies. Sven Wolf (neben ihm) kann sich aber vermutlich auch freuen.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Der CDU-Mann erzielt die meisten Stimmen in Remscheid und Rade. Sven Wolf (SPD) kann sich dennoch freuen.

Remscheid. Jens Nettekoven (CDU) hat es erneut geschafft: Er gewann nach 2017 wieder die meisten Stimmen in Remscheid und Radevormwald und zieht damit als direkt gewählter Abgeordneter in den NRW-Landtag ein. Er lag mit 36,8 Prozent vorne, SPD-Mitbewerber Sven Wolf sammelte 35,7 Prozent der Erststimmen. Er erreicht aber nach letzten Informationen über die Landesliste seiner Partei einen Sitz im Parlament - so wie vor fünf Jahren.

Landtagswahl NRW 2022 Erststimmen Wahlkreis Remscheid - Oberbergischer Kreis III

Nettekoven wurde mit großem Jubel seiner Parteifreunde im Ämterhaus empfangen, wo die Stadt Remscheid die Ergebnisse veröffentlichte. Immer wieder erklangen „Nettekoven, Nettekoven“-Rufe, ehe er sich an seine Zuhörer wenden konnte. Er sei „schon stolz“ nach acht Wochen harter Arbeit im Wahlkampf, wie er bekundete.

„Ich habe in den letzten Jahren viele graue Haare bekommen.“

Jens Nettekoven

Begleitet wurde er von seiner Frau Barbara und seiner Tochter, die offenbar beobachten mussten, wie sich seine Friseur in den letzten Jahren verändert hatte. „Ich habe viele graue Haare bekommen“, blickte er auf seine Tätigkeit als Abgeordneter zurück, die er in den nächsten fünf Jahren fortsetzen kann. Dabei merkte er an, „dass es erstmals einem CDU-Kandidaten gelungen sei, den Wahlkreis Remscheid zweimal in Folge zu gewinnen.“

Ergebnisse der Landtagswahl vom 15. Mai 2022 in Remscheid

So wie er lobte auch Sven Wolf das faire Miteinander der Kandidaten. Dabei bezogen die beiden Torben Clever (FDP), David Schichel (Grüne) und Peter Lange (Linke) ein. „Wir haben am Schluss gemeinsam ein Eis gegessen“, erklärte Wolf über den Wahlkampfabschluss. In den Genuss der Gaumenfreude sei nur der Kandidat der AfD nicht gekommen, führte Wolf aus. Er zieht höchstwahrscheinlich zum vierten Mal in den Landtag ein. 2010 und 2013 hatte Sven Wolf das Direktmandat in Remscheid geholt und kann in der gestrigen Niederlage einen Achtungserfolg verbuchen. Immerhin lag er mit seinem Erstimmen-Ergebnis um rund sechs Prozentpunkte über dem Resultat der SPD in Rade und Remscheid, die gut 29 Prozent erreichte. Die CDU lag auch bei den Zweitstimmen vorne deutlich mit 35,8 Prozent.

Hier geht es zum Wahl-Ticker für Remscheid

Bei der Frage, wie es im NRW-Landtag nun weitergehen soll, hielt sich SPD-Mann bedeckt. „Wir hatten uns natürlich ein anderen Ergebnis erhofft“, erklärte Wolf, der noch nicht über eine künftige Koalition spekulieren wollte. Ausdrücklich schloss er aber auch für Düsseldorf ein Ampelbündnis nach Berliner Vorbild nicht aus. SPD-Spitzenkandidat Thomas Kutschaty sei bereit, eine „Koalition des Fortschritts“ zu bilden. „Und ein Wahlziel haben wir ja bei all dem erreicht: Schwarz-Gelb ist abgewählt.“

Aus Sicht von Bundestagsabgeordneten Jürgen Hardt (CDU) steht ein anderer Sachverhalt im Vordergrund. „Die CDU ist Wahlsiegerin, wir haben zwei Prozentpunkte mehr als 2017. Die SPD hat hingegen verloren.“ Wenn Hendrik Wüst (CDU) nicht Ministerpräsident bliebe, wäre dies eine Missachtung des Wählerwillens, merkte er am Rande der CDU-Wahlparty an. Klar sei, dass die FDP zu den Verlierern des Abends zählte, die fünf Jahre lang mit der CDU über eine hochdünne Mehrheit von einer Stimme im Landtag verfügt hatte. Das Ergebnis für die Liberalen sei unverdient, merkte Jens Nettekoven an. Bereits bei den Podiumsdebatten habe er aber den Gegenwind gespürt, dem sein Mitbewerber Torben Clever begegnet war, blickte Nettekoven zurück, der seit 2013 im Landtag vertreten ist.

Dieser Montag beginnt für ihn und Wolf mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. „Ich freue mich auf einen Ausflug mit meiner Tochter ins Fantasialand.“ Wolf sieht derweil den nächsten Sitzungen in Düsseldorf entgegen, wie er berichtete.

76.080 Remscheiderinnen und Remscheider waren zur Wahl aufgerufen. Lediglich 49,4 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Die geringe Beteiligung zeichnete sich bereits am Nachmittag ab. Bis 16 Uhr hatten 47 Prozent gewählt. Bei der Landtagswahl 2017 waren es zu diesem Zeitpunkt bereits 58 Prozent. 18.659 Wähler machten von der Briefwahl Gebrauch. Das sind 24,52 Prozent. 480 ehrenamtliche Wahlhelfer sorgten unter anderem für die Auszählung der Stimmen.

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axel.richter@rga.de

Es bleibt bei maximal zwei Abgeordneten aus Remscheid. Für David Schichel als drittem Remscheider mit Sitz im Düsseldorfer Landtag hat es trotz des guten Abschneidens der Grünen nicht gereicht. Das ist, losgelöst von allen Parteipräferenzen, schade. Denn Landtagsabgeordnete sind zuallererst Lobbyarbeiter und davon können Remscheid und Radevormwald gar nicht genug haben.

Die beiden Städte werden in Düsseldorf nicht gerade als erste wahrgenommen, wenn es darum geht, Fördermittel auf die NRW-Regionen zu verteilen. Im Kampf um einen Platz an den Fleischtöpfen braucht es Verbündete, denn allein ist vor allem gegen das von der SPD gepamperte Ruhrgebiet nur schwer ankommen. Abgeordnete aus dem Bergischen und aus Südwestfalen suchen deshalb den Schulterschluss. Das parteiübergreifende Bündnis will, dass ihre Regionen in Düsseldorf an Gewicht gewinnen. Drei Remscheider wären dazu besser gewesen. Nun müssen Jens Nettekoven und Sven Wolf es allein richten.

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