Notbetreuung muss begründet werden

Land schränkt Schul- und Kitabetrieb ein

Notbetreuung im Lockdown: Hier spielen Noah (6), Lena (4), Louis (5) in der städtischen Kita Henkelshof in Lennep. Foto: Roland Keusch
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Notbetreuung im Lockdown: Hier spielen Noah (6), Lena (4), Louis (5) in der städtischen Kita Henkelshof in Lennep.

Schulleitungen beraten am Donnerstag über Details zum Homeschooling.

Von Andreas Weber

Remscheid. Kein Präsenzunterricht mehr in Grund- und weiterführenden Schulen, eingeschränkter Pandemiebetrieb in den Kitas bis 31. Januar. Die Nachricht am Mittwoch aus dem Schul- und Familienministerium zum Lockdown nimmt Remscheids Sozialdezernent Thomas Neuhaus mit Verständnis auf: „Ich sehe, wie sich die Pandemie entwickelt, in welchem hohen Rahmen sich die Infektionen bewegen, deshalb halte ich die Einschränkungen in Schulen und Kitas für erforderlich. Sie tragen dazu bei, Kontakte maximal zu reduzieren.“

Ab 11. Januar gilt die Regelung in Schulen. Diese haben organisatorisch bis 13. Januar zwei Tage Puffer, die Umstellung vorzubereiten. Noch sind Ferien. Deshalb gab es am Mittwoch noch keine Stellungnahmen von den Schulen, wie mit der neuen Situation umgegangen wird. Am Donnerstag setzen sich die Leitungsteams zusammen, um für ihre Schule den Distanzunterricht mit Inhalt zu füllen.

„Fehlende soziale Kontakte sind für Schüler Katastrophe.“
Martina Gathen, AES-Leiterin

Martina Gathen, Leiterin der Albert-Einstein-Schule (AES), erreichte der RGA in ihrem Büro vor der Bekanntgabe der Entscheidung in Düsseldorf. „Konsequent wäre es, wenn alle Schulen geschlossen bleiben“, erklärte sie, hinzufügend, dass der Lockdown in Schulen zwiespältige Gefühle in ihr auslöse: „Denn die sozialen Kontakte, das, was Schule neben der Bildung ausmacht, fehlen sehr. Das ist für die Schüler eine Katastrophe.“

Am Homeschooling wurde zwar schon geübt, ausgereift ist es noch lange nicht. Denn die Digitalisierung ist nicht so vorangeschritten wie gewünscht. Die 400 iPads zum Beispiel, die das AES für bedürftige Schüler in einem ersten Schritt erhalten wird, sind zwar kurz vor Weihnachten bei der Stadt an-, aber noch nicht ausgeliefert worden. Über den Jahreswechsel sollten sie aus Sicherheitsgründen nicht in der AES lagern. Die Zeit, mit allen Schülern Nutzungsvereinbarungen zu unterschreiben, war auch noch nicht da. Ebenso wenig Schülern und Lehrern Einweisungen zu geben. „Vieles steckt in dieser Hinsicht in den Anfängen. Manche Schüler haben noch nicht einmal Wlan zu Hause“, sagt Gathen.

Ganz geschlossen bleiben die Schulen aber nicht. Ausnahmen gelten für zwingend zu schreibende Klausuren in der Q1 und Q2 und den Abschlussklassen der Berufskollegs. Außerdem sind für die Klassen 1 bis 6 Notbetreuungen vorgesehen. „Eltern müssen den Nachweis erbringen, warum sie diese in Anspruch nehmen“, erklärt Neuhaus und wartet auf die Ausführungsbestimmungen zur Inanspruchnahme der Notbetreuung, die heute vom Land folgen sollen.

Dieser harrt auch Peter Nowack, städtischer Kita-Koordinator. Vor den Weihnachtsferien hatten 40 Prozent der Eltern die Notbetreuung genutzt. Diese war vom Land nicht näher definiert worden, dies müsse nun dringend erfolgen. Denn: Das Land erneuert auch bei eingeschränktem Pandemiebetrieb den Appell an Eltern, die Betreuung in der Kita nicht zu nutzen und Kinder daheim zu lassen. „Hierzu verweist das Land auf zusätzliche zehn Kinderkranktage beziehungsweise 20 Tage bei Alleinerziehenden“, erläutert Nowack in einer E-Mail an alle 61 Kitas in Remscheid, die AG Kita, Jugendamtselternbeirat und Elternbeiräte.

Wer glaubhaft machen kann, dass er die Betreuung benötigt, erhält sie bis 31. Januar, je nach Kita-Betreuungsvertrag (45, 35, 25 Stunden) reduziert um je zehn Stunden wöchentlich. Hierdurch soll wieder eine gruppenscharfe Trennung der Kinder ermöglicht werden. „Bezüglich Reduzierung oder Erstattung von Elternbeiträgen werden Gespräche geführt“, teilt Nowack mit.

Dass es in Schulen und Kitas nicht so weitergehen könne, kritisieren die Remscheider Grünen. Dort sei die Lage unübersichtlich, es gebe weder klare Regeln noch Planbarkeit, heißt es in einer Presseerklärung von Petra Velte und Ilka Brehmer. Letztere beobachtet als familienpolitische Sprecherin der Grünen: „Offenbar gibt es in den Ministerien keine Kenntnisse über die realen Situationen in den Familien. Homeoffice kann zur Belastung werden und es sind einmal mehr die Mütter, die jedwede Idee ausbaden müssen.“

Unter der extremen Situation würden insbesondere die Kinder und Familien leiden, die aus einkommensschwachen Familien stammen. Besonders Migrationsfamilien seien stark betroffen. 

Sechs PCR-Tests für Mitarbeiter

Auf Kosten des Landes wird es in diesem Jahr erneut die Möglichkeit geben, dass sich Mitarbeiter in Schulen und Kindertageseinrichtungen auf Corona testen lassen. Bis zum 29. März und dem Beginn der Osterferien sind sechs freiwillige Corona-PCR-Tests gestattet. „Ein Konzept zum Einsatz von Schnell-Selbst-Tests in Kitas wird in NRW nicht weiter verfolgt“, hat Peter Nowack aus den Entscheidungen in Düsseldorf mitgenommen. Der Kita-Koordinator betont, dass es noch keine Klarheit gebe, wie die zusätzlichen Kinderkranktage zu verstehen sind, die es Eltern erlauben, 20 statt zehn Tage daheim zu bleiben.

Standpunkt: Notdürftig zu Ende bringen

Von Andreas Weber

Nach den Sommerferien 2020 wurde voll auf Präsenz in Schulen und Kitas gesetzt. Das hörte sich vernünftig, weil nach einem Stück ersehnter Normalität, an. Doch die gab es nicht, stattdessen zog die zweite Corona-Welle auf.

andreas.weber@rga-online.de

Vor Weihnachten zeichnete sich deshalb die Rolle rückwärts ab, die nun fortgesetzt wird. Jetzt heißt die Devise für Kinder und Jugendliche: Bleibt alle zu Hause. Die Langzeitkrise hätte nach einer Langzeitstrategie für die Bildungseinrichtungen verlangt. Die hat es aber nie gegeben. 

Die Verantwortlichen in Land und Bund sind stets auf kurze Sicht gefahren. Dass in dieser düsteren Infektionslage jetzt konsequent gehandelt werden muss, steht außer Frage, gleichwohl hätte Weitblick von Anfang an gutgetan. Mit Konzepten, die abrupte Vollbremsungen vielleicht überflüssig gemacht hätten. Mittlerweile sind Eltern, Kinder, Schüler, Lehr- und Kita-Personal am Ende. Augen zu und durch. Irgendwie. Das ist die Prämisse für den Rest eines weiteren weitgehend verlorenen Schuljahres, das gerade von den Abschlussjahrgängen nur noch notdürftig zu Ende gebracht werden wird.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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