EWR bietet Rat und Hilfe

Laien als Ofenbauer: Brandexperten befürchten Todesopfer

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In der Energiekrise versucht sich der eine oder andere Remscheider als Ofenbauer.
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In der Energiekrise versucht sich der eine oder andere Remscheider als Ofenbauer.

Von Axel Richter

Remscheid. Sie hatten das Bad mit Handtüchern luftdicht abgedichtet. Kein Luftzug sollte hineindringen. Allerdings drang danach auch keine Luft mehr hinaus, während die Flamme in der Gastherme weiter brannte. Mit fatalen Folgen. Nach dem Duschen brach die Mutter, danach auch die Tochter zusammen, die nach ihre hatte sehen wollen. Kohlenmonoxid (CO) ist hochgiftig.

An den Fall in seiner aktiven Zeit als Feuerwehrmann erinnert sich Prof. Dr. Roland Goertz noch genau. Der Direktor des Feuerwehrwissenschaftlichen Instituts der Universität Wuppertal hat deshalb schlimme Befürchtungen. „Je kälter der Winter und je teurer das Heizen wird, desto mehr Unfälle und auch Tote werden wir zu beklagen haben.“

Not macht bekanntlich erfinderisch. Deshalb befürchtet nicht nur der Professor, dass die Menschen sich für die kommende Heizsaison allerhand einfallen lassen, bevor sie wegen explodierender Gaspreise und Abschlagszahlungen womöglich im Kalten sitzen. Dafür spricht die gestiegene Nachfrage nach Heizlüftern, über die die Baumärkte berichten. Und dafür sprechen die Erfahrungen, die Remscheids Feuerwehrmänner und -frauen schon in vorangegangenen Wintern haben sammeln dürfen.

Da war der zum Beispiel der Mann, der sich in mühevoller Kleinarbeit einen eigenen Kohleofen zusammengeschweißt und das Ofenrohr aus dem Fenster seiner Mietwohnung geführt hatte. Nachbarn fiel der Rauch auf, sie riefen die Feuerwehr. Möglicherweise verhinderten sie damit Schlimmeres.

„Der Mensch saugt Kohlenmonoxid auf wie ein Schwamm.“

Prof. Dr. Roland Goertz

Katharina Kresse, stellvertretende Amtsleiterin der Feuerwehr Remscheid, geht davon aus, dass ihre Einsatzkräfte es in den nächsten Monaten mit einer Reihe weiterer Selbstbau-Öfen zu tun bekommen. Und nicht nur damit. Es gibt Remscheider, die holten auch schon den Grill ins Wohnzimmer, weil es draußen zu regnen begonnen hatte. Andere stellten sich Heizpilze ins Haus, wie sie die Gastwirte im Biergarten stehen haben. Beides stellt nicht nur eine erhebliche Brandgefahr dar. In geschlossenen Räumen kann beides auch einen leisen, plötzlichen Tod bedeuten.

Kohlenmonoxid entsteht überall dort, wo Gas, Holzkohle oder andere Brennstoffe unter Luftmangel verbrennen. Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos. „Und der Mensch saugt Kohlenmonoxid auf wie ein Schwamm“, sagt Prof. Dr. Roland Goertz. Wenige Atemzüge reichen und der Mensch verliert das Bewusstsein, bevor er erstickt.

Alle Einsatzkräfte der Feuerwehr, auch die auf den Rettungswagen, tragen deshalb standardmäßig einen CO-Warner an ihrer Einsatzkleidung. Schlägt das Gerät Alarm, wissen sie um die Gefahr, der auch sie sich ohne Atemmaske aussetzen.

Nachzahlung? Hilfsanspruch bei hohen Heizkosten

Eine solche Gefahr ist von handelsüblichen Radiatoren nicht zu erwarten. Allerdings lassen sie im günstigen Fall im Haus die Sicherung rausspringen, wenn viele Menschen gleichzeitig das Gerät anwerfen. Im ungünstigsten Fall sorgen sie für einen großflächigen und langfristigen Stromausfall. Bei der Energie und Wasser für Remscheid GmbH ist das eine konkrete Sorge, die die Techniker beschäftigt: Was halten die Netze aus, bevor sie kollabieren?

Vor seiner Unilaufbahn leitete der Wuppertaler Brandexperte Roland Goertz unter anderem die Rettungseinsätze nach den Amokläufen von Leipzig und Winnenden. So wollte es der Zufall. In der aktuellen Energiekrise denkt er an Mutter und Tochter, die ihr Badezimmer luftdicht abgeschlossen hatten, um Energie zu sparen, und dann nur mit Glück überlebten. Trotz aller Sorgen und Ängste vor einem kalten Winter rät er deshalb dringend von allen Extravaganzen und Öfen Marke Eigenbau ab.

EWR GmbH bietet Rat und Hilfe an

Was sollen Menschen tun, die Sorge haben, die Gasrechnung nicht bezahlen zu können? Die EWR GmbH hat mit der Caritas, dem Jobcenter und dem Sozialamt eine Clearingstelle eingerichtet. Dort soll den Menschen geholfen werden. Für kommenden Donnerstag sowie für den 27. Oktober und den 24. November lädt die EWR zudem zur Beratung in ihr Servicecenter im Allee-Center ein. Jeweils von 10 bis 16 Uhr wird nach Einsparmöglichkeiten gesucht. Kontakt unter Tel. (0 80 00) 1 64-1 64.

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