Kostenintensive Sanierung

Kunstbrunnen am Markt sucht Retter in der Not

Der Kunstbrunnen am Markt im April 2021: Hier sprudelt schon lange nichts mehr. Warum ein Zaun darum steht, weiß niemand. Foto: Roland Keusch
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Der Kunstbrunnen am Markt im April 2021: Hier sprudelt schon lange nichts mehr. Warum ein Zaun darum steht, weiß niemand.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Der Steinmetz Reiner Uhl erschuf 1994 das Objekt am Markt. Niemand hat die Mittel, um den Brunnen weiterzubetreiben.

Remscheid. Dass sein Kunstwerk 27 Jahre nach seiner Errichtung solch ein trostloses Bild abgeben würde, hätte Bildhauer Reiner Uhl (70) wohl niemals gedacht. Als sein Kunstbrunnen aus Naturstein und Stahl 1994 am Markt eingeweiht wurde, sprudelte er fröhlich wie der Eschbach, die einzelnen Elemente strahlten farbenprächtig um die Wette, und die Remscheider nutzten die Mauer gern als Sitzplatz. Heute ist davon nichts mehr übrig: kein Plätschern, kein Strahlen, kein Aufenthalt. Aktuell steht ein Bauzaun um das Objekt in direkter Nähe zu Sparkasse und Stadtkirche.

Der Frankfurter Künstler ist ein wenig traurig, als er vom RGA davon erfährt. „Ich finde das überhaupt nicht gut. Ich finde den Brunnen nach wie vor schön. Er hat eine Geschichte für das Bergische Land.“ Denn der im Durchmesser 6,50 Meter große Kunstbrunnen mit seinem einst bunt gefliesten Boden thematisiert die Elemente des Bergischen Landes – Feuer, Wasser und Wind auf einem zentralen Sandsteinblock, der die Berge und Täler gemeinsam mit dem Wasserspiel widerspiegelt. Auch die bergische Metallindustrie findet in dem Werk ihren Platz. Aber der Steinmetz, Steinbildhauer und Holzbildhauer, der für zahlreiche Städte solche Kunstbrunnen erschaffen hat, ist auch Realist. „Bei uns in Frankfurt ist es genau das Gleiche: Auf der einen Seite wollen sie die Innenstädte retten, auf der anderen Seite tun sie nichts dafür.“

27 Jahre zuvor: Bei seiner Einweihung 1994 plätscherte der Brunnen, die Elemente strahlten, Bürger nutzten die Mauer gern als Sitzplatz.

Das würde der MyViertel-Verein gern ändern – scheiterte aber. Die Mitglieder, die den Bereich rund um die Stadtkirche im Blick haben, hatten sich kurzzeitig dafür interessiert, den Brunnen zu reaktivieren. „Doch die Betriebskosten, ein hoher fünfstelliger Betrag pro Jahr, sind für uns als kleiner Verein einfach nicht zu stemmen“, sagt der Vorsitzende Marvin Schneider. Denn es fallen nicht nur die Wasserkosten, sondern auch Beträge für Wartung und Ersatzteile wie Pumpen an. Ohnehin müsste die ganze Anlage überholt werden. „Wir hätten uns auch gut ein Urban-Gardening-Beet darin vorstellen können, aber da es ein geschütztes Kunstwerk ist, darf man es nicht verändern.“ Was ihn wundert: Das Sanierungsgebiet Alleestraße höre genau an der Busspur, also vor dem Brunnen, auf. „Eine vertane Chance.“

„Es hat sich niemand gefunden, der mit Wumms dahintersteht.“

Peter Heinze, Baudezernent

Wie geht es also weiter mit dem Kunstbrunnen am Markt, Zeugnis bergischer Identität? Das steht völlig in den Sternen. Die Stadtsparkasse Remscheid, die den Brunnen vor rund 30 Jahren anlässlich ihres Jubiläums erschaffen ließ, hat das Objekt laut Pressesprecher Thomas Wingenbach damals bereits der Stadt und ihren Bürgern geschenkt. 2017 stand dann eine kostenintensive Sanierung an. „Diese konnten wir aber leider nicht finanzieren.“ Warum derzeit ein Bauzaun darum stehe, kann auch Wingenbach nicht sagen. So übrigens auch nicht die Technischen Betriebe, auch nicht die Stadt Remscheid. Niemand weiß etwas darüber.

Nun steht der Brunnen vor der traurigen Frage, ob er jemals wieder in Betrieb genommen wird. Laut Baudezernent Peter Heinze muss die ganze Anlage instandgesetzt werden. „Es hat sich niemand gefunden, der mit Wumms dahintersteht“, sagt Heinze. Die Haushaltslage der Stadt Remscheid habe sich zudem nicht gerade verbessert. „Das Engagement müsste also aus der Bürgerschaft heraus kommen.“ Ein edler bergischer Retter ist derzeit jedenfalls nicht am Horizont erkennbar.

Der Erbauer

Reiner Uhl

Reiner Uhl wurde 1950 in Frankfurt/Main geboren. Seine Kindheit verbrachte er in der Holzbildhauerei Hugo Uhl, mit sieben Jahren erhielt er eine eigene Hobelbank. Nach den Lehren als Steinmetz, Steinbildhauer und Holzbildhauer gründete er 1972 seine Steinmetz- und Steinbildhauerwerkstatt in Frankfurt/Main, 1973 legte er die Meisterprüfung als Steinmetz und Steinbildhauer ab. Von 1974 bis 1978 studierte Uhl an der Akademie der bildenden Künste München freie Bildhauerei. 1981 folgte eine Ausbildung zum Restaurator in Venedig. Bis heute gestaltet er Plastiken für den öffentlichen Raum, Firmen und Privatleute. Foto: Uhl

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