Kultur

Kunst am Bau soll in den Blickpunkt rücken

Nur ein Beispiel für Kunst am Bau in Remscheid: Das Werk von Gustav Kramer ist an der Straße Zur Böckerswiese am Abzweig zur Schützenstraße zu entdecken. Foto: Roland Keusch
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Nur ein Beispiel für Kunst am Bau in Remscheid: Das Werk von Gustav Kramer ist an der Straße Zur Böckerswiese am Abzweig zur Schützenstraße zu entdecken.
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    VonFrank Michalczak
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Kulturausschuss diskutierte über ein Verzeichnis der Werke an Gebäuden

Remscheid. Hier eine Plastik, dort Malerei oder eine kleine Skulptur – die Liste von Kunstwerken ist lang, die an ganz unterschiedlichen Gebäuden zu besichtigen sind. Es handelt sich um „Kunst am Bau“, die auch in Remscheid eine lange Tradition hat. Fritz Beinersdorf (Linkspartei) forderte bei der letzten Sitzung des Kulturausschusses eine systematische Erfassung und eine Broschüre, die eine Übersicht über Künstler und ihre Werke gibt. Diese solle dazu beitragen, dass zukünftige Generationen die Möglichkeit haben, sich damit auseinanderzusetzen.

Beinersdorf erinnerte daran, dass „beim Wiederaufbau unserer Stadt Künstlerinnen und Künstler auf und in vielen neu errichteten Gebäuden im öffentlichen Raum Kunstwerke geschaffen haben, die heute noch sichtbar sind.“ Ein Beispiel seien Werke von Gustav Kramer. Die aus Stahl gebogenen Plastiken befinden sich an zwei Gebäuden in der Straße Zur Böckerswiese am Abzweig zur Schützenstraße. Zu den Standorten für Kramers Kunst zählt auch die Geschäftsstelle der Linkspartei. „Wir sind immer wieder darauf angesprochen worden, was sich dahinter verbirgt. Und auch deswegen sind wir auf das Thema aufmerksam geworden“, erklärt Beinersdorf auf RGA-Anfrage über auf die Kunstwerke Kramers, die den Titel „Familie“ und „Bäumchen pflanzen“ tragen.

Beinersdorf will Informationen für die Nachwelt erhalten

Der Remscheider Gustav Kramer (1911-1972) durfte erst in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wieder als Künstler in Erscheinung treten, nachdem er als Widerstandskämpfer im Dritten Reich von den Nationalsozialisten verfolgt wurde und erst ins KZ Kemna und dann ins KZ Börgermoor im Emsland deportiert worden war. Er machte sich später einen Namen als Bildhauer und fand auch als Maler Anerkennung, wie es in einem Buch über ihn heißt. Seine und viele weitere Kulturgüter an Gebäuden legen aus Sicht des Linken-Politikers Fritz Beinersdorf unter anderem Zeugnis ab „vom Aufbauwillen“ der Nachkriegsgeneration. Informationen über Kunst und Künstler müssten der Nachwelt erhalten bleiben. „Und das sollte ja auch keine große Nachforschungsarbeit mit sich bringen“, meinte Beinersdorf.

Stadtdirektor Sven Wiertz (SPD) zeigte sich in diesem Punkt weniger optimistisch: „Es gibt kein generelles Verzeichnis. Da müssten Bauakten studiert werden, die es vor 1990 nur in analoger Form gibt.“ Es wäre eine Aufgabe für einen Historiker, der sich damit beschäftigen und seine Ergebnisse dokumentieren müsste. „Da befinden wir uns de facto bei einem Werksvertrag“, spielte Wiertz auf den finanziellen Aufwand an, den die Aufgabe mit sich bringen würde, Kunst am Bau in Remscheid zu erforschen.

Idee: Künstler-Wettbewerb für neue Stützmauer am Hauptbahnhof

Dennoch stieß der Vorstoß zunächst einmal auf Wohlwollen. Sowohl Nadine Gaede (SPD) als auch Mathias Heidtmann (CDU) signalisierten ihre Zustimmung, zunächst einmal einen Prüfauftrag an die Stadtverwaltung zu richten. Mit einer Kostenschätzung könne sich im Anschluss der Haupt- und Finanzausschuss auseinandersetzen, schlug Nadine Gaede vor.

Fritz Beinersdorf ging aber beim Thema einen Schritt weiter. Er will einen Impuls dafür setzen, dass „Kunst am Bau“ wiederbelebt wird – für private Bauherren, die in der Vergangenheit Zuschüsse erhielten, aber auch für Projekte der öffentlichen Hand. Nach seinen Vorstellungen könnte es in einem ersten Schritt einen Wettbewerb geben, wie die 110 Meter lange Stützmauer am neuen Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung in der Nachbarschaft zum Hauptbahnhof gestaltet werden kann – zum Beispiel mit Graffiti.

Es wäre dann ein Kunstwerk, das nachfolgende Generationen mit Remscheid verbinden. Denn: „Kunst am Bau“ trage zur Identifikation der Menschen mit ihrer Stadt oder ihrem Wohnquartier bei, wie der Kulturausschussvorsitzende Karl Heinz Humpert (CDU) bestätigte.

Hintergrund

Laut Antrag soll die Stadt Remscheid das Programm „Kunst am Bau“ neu auflegen. Sie könne somit Aufträge für heimische Künstlerinnen und Künstler schaffen, Gebäude aufwerten und damit auch einen „Beitrag für eine identitätsstiftende Stadtentwicklung“ leisten, finden die Antragsteller.

Der Kulturausschuss beriet zuletzt über einen Notfallfonds für die Kulturszene. Künstler können sich bis zum 31. Juli bewerben.

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