Reichlich Lesestoff

Künstlerin Nadine Sommerauer und ihr Bücherschrank am Gänsemarkt

Vor ihrem Atelier am Haus Gänsemarkt 23 hat Nadine Sommerauer einen Bücherschrank aufgestellt. Foto: Roland Keusch
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Vor ihrem Atelier am Haus Gänsemarkt 23 hat Nadine Sommerauer einen Bücherschrank aufgestellt.

Seit einigen Wochen steht am Gänsemarkt in Lennep ein Bücherschrank.

Von Peter Klohs

Remscheid. Seit einigen Wochen steht am Gänsemarkt in der Lenneper Altstadt unweit des Röntgen-Museums, direkt vor dem Atelier der Künstlerin Nadine Sommerauer, ein Bücherschrank. Auf vier Etagen steht dort Lesestoff bereit. Besucher, Gäste oder einfach nur Menschen, die gerne und viel lesen, können sich dort unentgeltlich Bücher entnehmen und nach der Lektüre auch gerne wieder in den Schrank zurücklegen. Das Angebot reicht von Liebesromanen (Hedwig Courts-Mahler) bis hin zur gehobeneren Unterhaltungsliteratur eines Jeffrey Archer oder eines Stephen King.

Der Bücherschrank ist immer gut gefüllt und in Lennep inzwischen bekannt und beliebt. Nadine Sommerauer hat ihn auf dem Sperrmüll gefunden. Da der Schrank aus sehr viel Glas besteht, hatte sie zunächst Sorge, dass der Schrank die Belastungen durch das bergische Wetter nicht unbeschadet über sich ergehen lassen würde. Aber trotz strengem Frost und Schnee: Der Schrank steht unbeschadet.

„Meine Tochter hatte so viele Bücher, die sie nicht mehr las“, erzählt die 44-jährige Sommerauer. „Und da habe ich gedacht: Dann mache ich einen Bücherschrank. Am Anfang war ich unsicher, ob es Probleme mit dem Ordnungsamt geben könnte, da der Schrank ja im öffentlichen Raum steht. Aber bisher ist alles gut.“

Kaum aufgestellt waren die Bücher der Tochter schnell im Umlauf. „Und Kinderbücher kommen auch sehr zögerlich nach“, weiß die aus dem Münsterland stammende Künstlerin. „Die Leser haben den Inhalt des Bücherschranks verändert. Jetzt gibt es nur noch Bücher für Erwachsene.“

Der Bücherschrank wird regelmäßig von Literaturfreunden aufgesucht. „Manche fahren mit dem Auto vor, legen alte Bücher hinein und nehmen sich zwei Bücher mit. So ist das ja auch richtig. Ich finde es gut, wenn man Sachen mehr als einmal verwendet.“

Sie studiert Kunst an der Bergischen Universität

Gerne gestattet die Künstlerin auch einen Blick in ihr Atelier, das den Namen „Quermalerei“ hat. „Das Atelier heißt seit Jahren so“, berichtet sie, „weit vor den sogenannten Querdenkern, mit denen ich auch gar nichts zu tun haben will.“ Im Atelier kann man ihre eigene Kunst betrachten, zumeist Gemälde. Das Material der Bildnisse, Leinwände oder anderes, macht sie selbst. Auch malt sie gerne auf Holzplatten. In manchen der Kunstwerke kann man ihre berufliche Vergangenheit erkennen: Nadine Sommerauer hat Textilmustergestalterin gelernt und lange als Mode-Designerin in Gronau und in Düsseldorf gearbeitet. Sie hat in einer Fachhochschule in Mönchengladbach Design studiert, weshalb sie sich jetzt Diplom-Designerin Ingenieur Mode nennen darf. „Ingenieur deshalb“, stellt sie klar, „weil die Hochschule sehr technisch geprägt war und wir nicht nur die Textilien designt haben. Wir mussten sie auch herstellen können.“

Zur Zeit studiert sie an der Bergischen Universität in Wuppertal Kunst. „Ich habe jetzt mehr Gelassenheit als vor 25 Jahren im Design-Studium“, verrät die Künstlerin. „Und wenn es länger dauert als die geplanten 6 Semester… ja Gott, dann ist das so. Ich habe keinen Zeitdruck.“

Ihre Bilder sind zumeist in gedeckten, dunklen Farben gehalten und versprühen wenig Fröhlichkeit, eher Melancholie. Quadratische Frauenporträts, Hunde, Käfer, Abstraktes. Nur das großformatige Bildnis mit dem Schwebebahn-Elefanten Tuffi im Mittelpunkt ist heller und farbenfroher. „Sicher kann man hellere Farben benutzen“, ist Nadine Sommerauer sicher. „Aber ich habe keine Lust darauf. Man darf sich nicht verbiegen lassen. Ich suche noch den richtigen Ausdruck in meiner Kunst.“ Sollte sie sich einmal langweilen, steht ihr der Bücherschrank vor dem eigenen Atelier nur theoretisch zur Verfügung. „Ich lese nicht“, sagt Sommerauer. „Ich lese nur, wenn ich muss.“

Hintergrund

Aus dem Kreis Borken stammend ist Nadine Sommerauer vor drei Jahren in die Lenneper Altstadt gezogen. Sie, ihr Mann sowie die 11-jährige Tochter fühlen sich in Remscheid wohl.

Quermalerei.de

Es liegt in der Natur eines Museums, sich ständig zu erneuern. Und aktuell befindet sich das Deutsche Röntgen-Museum in Lennep wieder in solch einer Metamorphose.

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