Gasträume mit Luftfilteranlagen ausgerüstet

Küchenchefs versprechen saubere Luft

Markus Kärst (l.) und Tobias Riemann mit einem der neuen Filter. Die Geräte, die sie in ihren Gasträumen installiert haben, steuern sich selbst und reinigen die Atemluft nach Herstellerangaben zu 99,7 Prozent auf Corona- und andere Viren. Foto: Doro Siewert
+
Markus Kärst (l.) und Tobias Riemann mit einem der neuen Filter. Die Geräte, die sie in ihren Gasträumen installiert haben, steuern sich selbst und reinigen die Atemluft nach Herstellerangaben zu 99,7 Prozent auf Corona- und andere Viren.

Markus Kärst und Tobias Riemann sind sich sicher: Wir brauchen keine neuen Vorschriften, sondern Lösungen.

Von Axel Richter

Remscheid. Sie haben investiert und sich ein Stück weit neu erfunden: Tische wurden verschoben, mit Spuckschutzwänden versehen, am Eingang gab es Desinfektionsmittel und alle Gerichte „to go“. Jetzt investieren Markus Kärst, Chef des Lüttringhauser Hotels und Restaurants Kromberg und Tobias Riemann von Riemanns Küche in Lennep erneut: Die beiden Gastronomen haben ihre Gasträume mit Luftfilteranlagen ausgerüstet.

Die reinigen die Atemluft laut Herstellerangaben zu 99,7 Prozent von Corona- und anderen Viren. „Wir wollen unsere Gäste davor schützen und hoffen, ihnen ein besseres Gefühl zu geben“, sagen die beiden Küchenchefs. Für die jüngsten Anti-Corona-Maßnahmen der Stadt Remscheid haben sie dagegen kein Verständnis.

Das gilt insbesondere für die Sperrstunde ab 23 Uhr und das De-facto-Rauchverbot, dem die Remscheider seit Mittwoch in der Remscheider Innenstadt unterliegen. Kärst, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Remscheid, legte gestern in einer Videokonferenz mit der Ordnungsbehörden Protest dagegen ein.

„Die Leute sitzen dann künftig wieder im Partykeller.“
Tobias Riemann skizziert Folgen von Sperrstunde und Rauchverbot

Wie berichtet, gilt seit gestern in der Remscheider Innenstadt Maskenpflicht. Wohl darf die Nasen-Mund-Bedeckung zur Nahrungsaufnahme abgesetzt werden, nicht aber zum Rauchen. Damit ist es auch den Kneipengästen verboten, sich wie bisher vor der Tür eine Zigarette anzuzünden.

Beides - Sperrstunde und Rauchverbot - sei im mehrfachen Sinne kontraproduktiv, schätzen Kärst und Riemann. Die Gäste blieben ihrer Kneipe fern, insbesondere die Raucher unter ihnen. Dem Gastronomen beschere das neue Umsatzeinbrüche und gegen Corona helfe beides nicht. „Die Leute sitzen dann eben künftig im privaten Partykeller“, prognostiziert Tobias Riemann: „Dort gibt es keinen Schutz vor einer Ansteckung und vom Ordnungsamt sind sie dort auch nicht kontrollierbar.“

Bereits die erste Corona-Welle hat sowohl dem Haus Kromberg als auch Riemanns Küche zugesetzt. Das Catering für Veranstaltungen macht einen großen Teil ihres Umsatzes aus. Doch von 15 Weihnachtsfeiern mit mehr als 200 Personen, die Kärst im März in seinem Auftragsbuch hatte, ist keine einzige geblieben: „Firmenfeiern gibt es nicht mehr, Tagungen gibt es nicht mehr. Alles ist tot.“

Immerhin: Im Sommer kamen die Gäste wieder zum Essen, ein paar Hochzeiten fanden ebenfalls statt. Das Wetter war schön, die Menschen konnten draußen sitzen. Doch damit ist es nun vorbei. Um die Menschen im Herbst und Winter wieder in die Lokale kommen zu lassen, erweitern die beiden Gastwirte ihr Hygienekonzept nun um saubere Luft.

Pro Raum stehen oder hängen zwei Luftfilter, wie sie normalerweise in OP-Sälen oder auch beim Zahnarzt zum Einsatz kommen. Ein Laser misst die Partikel in der Raumluft und regelt den Betrieb danach selbst. Betreten mehr Menschen den Gastraum, schaltet sie sich hoch. Drei Filter übernehmen die Reinigung.

Dass die jeweils bis zu 2500 Euro teuren Geräte funktionieren, hat ein Praxistest bewiesen. Kärst und Riemann füllten die Gasträume mit einer Nebelmaschine. Innerhalb von zehn Minuten war der Nebel verschwunden.

Markus Kärst und Tobias Riemann zählen sich zu den ersten Gastronomen, die auf die neuen Filter setzen. Zwar will die Landesregierung die Anschaffung der Geräte möglicherweise fördern. Doch auf eine Entscheidung mochten die beiden Remscheider nicht warten. „Wir brauchen nicht immer neue Vorschriften, sondern praktische Lösungen“, sagen sie. Damit die Gäste ansteckungsfrei bleiben und in die Restaurants zurückkehren.

Lüften

Die meisten Menschen verbringen den weitaus größten Teil ihrer Zeit in geschlossenen Räumen. Die Luft, die sie dort einatmen, gilt als bis zu fünf Mal verschmutzter als die Luft im Freien.

Dass das Coronavirus auch über die Luft übertragen wird, gilt unter Experten als hinreichend wahrscheinlich. Die Menschen sollen deshalb nicht nur Abstand halten, das Händeschütteln vermeiden und Atemmaske tragen, sondern auch regelmäßig lüften.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Führerscheine gibt es nur nach Priorität
Führerscheine gibt es nur nach Priorität
Führerscheine gibt es nur nach Priorität
„Vereinigte Hüttenwerke“ verschwinden am Remscheider Rathaus
„Vereinigte Hüttenwerke“ verschwinden am Remscheider Rathaus
„Vereinigte Hüttenwerke“ verschwinden am Remscheider Rathaus
Elektroschrott für Schulen zu gefährlich
Elektroschrott für Schulen zu gefährlich
Elektroschrott für Schulen zu gefährlich
Zweitimpftermine für Remscheider der Sonderimpfaktion am 18. Mai
Zweitimpftermine für Remscheider der Sonderimpfaktion am 18. Mai
Zweitimpftermine für Remscheider der Sonderimpfaktion am 18. Mai

Kommentare