Handhabung ist umständlich

Kritik an Tests in Schulen: „Wir sind keine Tester, sondern Lehrer“

Bernd Schaub, schulpolitischer Sprecher der FDP und Lehrer an der Alexander-von-Humboldt Realschule, und seine Kollegin Sabine Yündem mit den Tests. Foto: Doro Siewert
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Bernd Schaub, schulpolitischer Sprecher der FDP und Lehrer an der Alexander-von-Humboldt Realschule, und seine Kollegin Sabine Yündem mit den Tests.

Lehrer kritisiert: Handhabung von Selbsttests in Schulen ist umständlich.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Zweimal wöchentlich müssen alle Schüler, die sich im Präsenzunterricht befinden – beispielsweise Abschlussklassen –, einen Corona-Selbsttest durchführen. Nun wurde Kritik laut an der Handhabung und der Durchführung der Tests. „Die Handhabung ist nicht geeignet für die Hände von Schülern, weil der Test sich aus zu vielen Einzelkomponenten zusammensetzt“, sagt Bernd Schaub, schulpolitischer Sprecher (FDP) und Lehrer an der Alexander-von-Humboldt Realschule.

Denn bei den Tests, die derzeit an den Schulen im Gebrauch sind, müssten die Teströhrchen händisch mit der Testflüssigkeit befüllt werden. Ein zum Testkit gehörender Pappträger, in dem die Röhrchen zum Befüllen aufbewahrt werden könnten, biete Platz für neun Tests. Weil das Fläschchen mit der Flüssigkeit aber nicht herumgereicht werden solle, müsse der Lehrer die Röhrchen selbst befüllen. Denn nicht jeder Schüler sei gleich geschickt, könne stolpern und die Flüssigkeit verschütten, sagt Schaub. „Das ist vom Zeitaufwand her nicht tragbar, in der wenigen Zeit, die wir nur haben.“ Ein jedes Kind müsse sich dann sein Röhrchen vorne am Lehrerpult abholen, oder die Lehrkraft müsse sie verteilen. „Mein Kontakt zu den Schülern ist relativ intensiv“, sagt Bernd Schaub. Denn er als Lehrer müsse auch gewährleisten, dass ein durchgeführter Test wirklich negativ ist und sich im Zweifel die Testkassette zeigen lassen.

Nach der obligatorischen 15-Minuten-Wartezeit müssen dann alle Materialien wieder eingesammelt und entsorgt werden. 20 bis 30 Minuten dauere die gesamte Prozedur, sagt Schaub.

Vor den Osterferien habe es andere Tests gegeben, bei denen die Testflüssigkeit schon in den Röhrchen eingefüllt gewesen sei. Um den gesamten Kurs nun – in reduzierter Klassenstärke – zu testen, müsse er den Vorgang vom Befüllen der Röhrchen bis zum Testen gleich noch einmal wiederholen. Denn ein Testset reiche mit neun Tests nicht für eine Gruppe mit 15 Schülern. „Wir sind keine Tester, sondern Lehrer.“

Als komplizierter als zuvor beschreibt auch Stephan Döring, Schulleiter des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums, die Tests. „Die Gruppen, die hier sind, kennen das mittlerweile aber. Die Tests sind für uns jetzt händelbar.“ Auch Michael Pötters, Direktor der Sophie-Scholl-Gesamtschule, sieht Luft nach oben. „Die Tests sind sicherlich nicht optimal, aber sie funktionieren. Dennoch ginge es besser.“

Remscheid: Verantwortlich für die Beschaffung ist das Innenministerium

Die Kritik an den Tests sei schon bis zur Landesregierung vorgedrungen. „Ich erwarte vom Ministerium, dass man im Blick hat, dass es sich um Kinder und Jugendliche handelt und sich jemand die Tests vorher anguckt, ob sie händelbar sind und der Zeitaufwand stimmt“, sagt Bernd Schaub. Solche Umständlichkeiten, wie es sie momentan gäbe, könnten so im Vorfeld ausgeschlossen werden.

„Wir gehen damit um, als wäre der Test etwas Lapidares, dabei testen wir hier auf Coronaviren“, sagt Schaub. Ältere Schüler könnten den Test händeln, für die Kleineren sei das schwieriger.

Verantwortlich für die Beschaffung der Selbsttests ist das Innenministerium NRW. Mit einer Dringlichkeitsvergabe wurde vertraglich die Beschaffung von 18,6 Millionen Tests vereinbart. „Die Landesregierung musste sich im Rahmen der Dringlichkeitsvergabe für die Beschaffung dieser Tests entscheiden, weil es sich bei dem Angebot der Firma Siemens Healthcare GmbH um das einzige Angebot gehandelt hat, das auch die Belieferung an die rund 6200 Lieferadressen enthielt“, erklärt ein Sprecher des Innenministeriums. „Diese Art der Testvorbereitung wurde bewusst in Kauf genommen, denn die Alternative wäre gewesen, in den Schulen nicht zu testen.“ Welcher Hersteller mit welchem Testsystem sich in der derzeitigen Ausschreibung durchsetzen werde, bleibe abzuwarten.

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Tests

Wie das Innenministerium berichtet, sei die Testflüssigkeit für zehn Einzeltests vorgesehen und muss vor der Anwendung aufgeteilt werden. Dennoch müssen keine übrig gebliebenen Mengen der Kontrollflüssigkeit entsorgt werden, denn die Tests können in der Schule vorbereitet und auch für andere Lern- und Betreuungsgruppen verwendet werden.

Standpunkt: Tests im Vorfeld prüfen

Kommentar von Alexandra Dulinski

alexandra.dulinski@rga.de

Zu viel Unterricht ist bereits ausgefallen seit Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr. Dass die Tests, die derzeit für die Abschlussklassen im Umlauf sind, einen größeren Zeitaufwand beinhalten, ist ärgerlich. Denn so werden noch mehr Minuten der wertvollen und wenigen Unterrichtszeit gestohlen. Bei der Auswahl von Tests sollte das zuständige Innenministerium deshalb auf jeden Fall auf die Handhabung und die damit einhergehende Umsetzbarkeit in Schulklassen beachten. Denn wir dürfen nicht vergessen: Es handelt sich um Kinder, bei denen schnell mal ein Teströhrchen umgekippt ist. Je einfacher der Test zu handhaben ist, desto besser. Und je weniger Kontakt der Lehrer dabei zu seinen Schülern hat, desto geringer ist das Infektionsrisiko. Dennoch gilt: Alles ist besser, als nicht zu testen. Es bleibt zu hoffen, dass die nächste Charge an Testkits für die Schülerinnen und Schüler einfacher zu handhaben ist.

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