Facetten der Energiekrise

Krisenstab will durch den Winter helfen

Die Zahl der Wohngeldanträge ist zuletzt stark gestiegen.
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Die Zahl der Wohngeldanträge ist zuletzt stark gestiegen.

Zahl der Wohngeldberechtigten steigt um das Dreifache: Stadt, Stadtwerke und Co. kommen zusammen.

Von Frank Michalczak und Michelle Jünger

Remscheid. Mit den vielfältigen Facetten der Energiekrise beschäftigt sich nun ein neuer Krisenstab der Stadt, in dem Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) die Leitung übernommen hat. Es geht dabei unter anderem um die Frage, wie die Menschen einen mehrtägigen Stromausfall überstehen können, wenn es zu einem flächendeckenden Blackout kommen sollte.

„Zum Beispiel überlegen wir, Wärmestuben in den einzelnen Stadtteilen einzurichten“, berichtet der Oberbürgermeister. Außerdem gelte es, Vorräte anzulegen – mit Energie- und Kraftstoffen, Medikamenten und sonstigem Material, das im Notfall zum Einsatz kommt.

Für all das und viele weitere Problemstellungen wurden innerhalb des Krisenstabs vier Arbeitsgruppen formiert, die ihre Tätigkeit aufgenommen haben. „Wir müssen uns für große Herausforderungen wappnen“, betont der OB, der im Krisenstab auch die sozialen und finanziellen Folgen der Krise in den Blick nimmt.

Wodurch lässt sich schnelle Hilfe für jene organisieren, die durch die steigenden Kosten unverschuldet vor dem Ruin stehen? Wie können Verbraucher noch stärker motiviert werden, Strom und Wärme zu sparen?

„Heizung auf fünf und dann Fenster auf – das darf es nicht mehr geben.“

OB Burkhard Mast-Weisz

Sozialdezernent Thomas Neuhaus (Grüne) und Fachdienstleiterin Sabine Raeck haben die damit verbundene Kommunikation übernommen. Das von der Bundesregierung beschlossene Hilfspaket über 200 Milliarden Euro enthalte unter anderem das „Wohngeld Plus“ ab dem 1. Januar. Damit sollen höhere Zuschüsse für die Haushalte und ein größerer Personenkreis verbunden sein, der diese Leistung beziehen kann.

Die Stadt rechnet deshalb mit einer Verdreifachung der Wohngeldbezüge, weshalb sie mehr Raum, Personal und technische Ausstattung benötigt. Zudem beschäftigt sich die Verwaltung mit einer zentralen Kommunikationsstelle, damit alle Bürgerinnen und Bürger über ihre Ansprüche informiert und dazu beraten werden können. Stadtwerke, Sozialamt, Schuldnerberatung, Jobcenter – alle solle zentral erreichbar sein.

Auch die Wirtschaft in Remscheid ächzt unter Energiepreisen

Beim Wohngeld handelt es sich um einen Zuschuss zur Miete. Aber auch Wohnungseigentümer können finanzielle Hilfe als sogenannten Lastenzuschuss beantragen. Ob Wohngeld für sie oder ihn in Frage kommt, kann jeder bereits mit Hilfe eines Wohngeldrechners im Internet prüfen.

Sabine Raeck steht derweil in Kontakt mit den großen Wohnungsgenossenschaften, die 40 Prozent der Remscheider Mieter ein Dach über den Kopf geben. Sie alle vom Energiesparen zu überzeugen, sei das Gebot der Stunde. Das soll auf mehreren Ebenen geschehen. „Durch gezielte Beratung, aber auch durch Informationskampagnen“, erklärt Sabine Raeck. Dabei gilt es auch jene vom Energiesparen zu überzeugen, die für das Heizen nicht zahlen müssen, weil ihre Rechnung von Vater Staat übernommen wird.

Der OB hofft, dass ein Umdenken einsetzt. „Heizung auf fünf und dann Fenster auf – das darf es nicht mehr geben“, betont er mit Blick auf das Ziel, den allgemeinen Energieverbrauch um zwanzig Prozent zu senken und damit zur Versorgungssicherheit in Remscheid beizutragen. Den Wohngeld-Proberechner gibt es hier: wohngeldrechner.nrw.de

Krisenstab

Zu den ständigen Mitgliedern des Krisenstabs gehören neben diversen Mitarbeitenden der Verwaltung, Vertreter der Technischen Betriebe, der Stadtwerke, von EWR und Kreispolizeibehörde Wuppertal. Je nach Aufgabenstellung kommen weitere hinzu, etwa von der Psychologische Beratungsstelle oder vom Kreisverbindungskommando der Bundeswehr.

Standpunkt von Axel Richter: Klickklick in der Krise

axel.richter@rga.de

Dort geht es per Mouseklick zum Wohngeld-Proberechner mit Online-Beratung und hier zum Antrag auf nur Wohngeld. Es sei denn, Sie klicken hier, denn nur Wohngeld gibt es auch dort. Hier wiederum klickt sich der Antragsteller zu den Antragsformularen zum Ausfüllen am PC und Versand per Post. Gleiche Unterlagen lassen sich aber auch unter der E-Mail-Adresse dort anfordern oder unter dieser Telefonnummer hier.

Alles klar? Die Informationen der Stadt Remscheid zur Beantragung von Wohngeld im Internet sind aktuell eher dazu geeignet, Verwirrung statt Klarheit zu stiften. Das gilt erst recht für ältere und wenig computeraffine Menschen. Wie berichtet, haben die heute schon ihre liebe Mühe und Not, einen Arzttermin zu vereinbaren. Gut und richtig ist es deshalb, dass die Stadt ihnen in den kommenden Wochen richtige Menschen als Ansprechpartner anbieten will. Anderenfalls würde mancher alte Remscheider in der Krise ohne Finanzhilfe bleiben.

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