Tag der Kriminalitätsopfer

Weißer Ring: Häusliche Gewalt steigt

Arbeiten zusammen: Manfred Guth vom Weißen Ring und Nicole Potenza von der Fachberatungsstelle Indigo helfen auf unterschiedlichen Ebenen Opfern weiter. Foto: Doro Siewert
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Arbeiten zusammen: Manfred Guth vom Weißen Ring und Nicole Potenza von der Fachberatungsstelle Indigo helfen auf unterschiedlichen Ebenen Opfern weiter.
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    VonFrank Michalczak
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Am Dienstag, 22. März, ist Tag der Kriminalitätsopfer: Hilfsorganisation unterstützte im vergangenen Jahr 47 Menschen.

Remscheid. Häusliche Gewalt, Sexualdelikte, Körperverletzung – es sind ernste Themen, mit denen Manfred Guth in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit konfrontiert wird. Er spendet Leidtragenden Beistand als Leiter der Remscheider Außenstelle vom Weißen Ring. Zum Tag der Kriminalitätsopfer zieht er Bilanz – auch über Fälle, die ihn 2021 ganz besonders bewegten. „Zum ersten Mal hatte ich es mit Opfern zu tun, die unter Polizeischutz standen. Als ich sie besuchte, standen zwei Beamte vor ihrer Haustür“, blickt er auf das versuchte Tötungsdelikt an der Geibelstraße zurück, bei dem ein 53-jähriger Mann auf seine Ex-Frau und deren Sohn geschossen und schwer verletzte hatte. Auch in diesem Fall konnte der Weiße Ring nach der Tat helfen, wie Guth berichtet.

Ein großer Teil lebte vorübergehend im Frauenhaus.

Manfred Guth über die Opfer häuslicher Gewalt, die er betreute

Psychologische Betreuung oder auch juristischen Rat zu vermitteln – dies zählt zu den Aufgaben der Organisation, die TV-Moderator Eduard Zimmermann („Aktenzeichen XY . . . ungelöst“) im Jahr 1976 ins Leben rief. Deutschlandweit bildet der Weiße Ring ein Netz, um Opfer in einer Extremsituation und seelischer Not zu unterstützen. 47 Fälle zählte die Remscheider Außenstelle im vergangenen Jahr, 2020 waren es 37.

Die Steigerung liegt vor allem am Anstieg der häuslichen Gewalt. 17 Mal half der Weiße Ring. Ein Jahr zuvor zählte Guth elf Opfer, die sich an ihn wandten. „Ein großer Teil lebte vorübergehend im Frauenhaus“, berichtet er. Sie wurden vom Weißen Ring auch finanziell unterstützt. Insgesamt stellte die Initiative 2021 in Remscheid 15 700 Euro bereit, etwa 40 Prozent davon erhielten die Opfer von häuslicher Gewalt, die im Frauenhaus Schutz suchten. „Hierbei handelt es sich meist um dringende Ausgaben, zum Beispiel Kleidung, der Kauf eines anderen Handys bei Bedrohung oder auch Übersetzungskosten“, listet er auf. Die Frauen und ihre Kinder hätten teilweise lange und umfangreiche Gewalterfahrungen, so dass die Gespräche generell im Frauenhaus – in einem geschützten Rahmen – stattfinden.

Das wünschen sich Remscheider Frauen zum Weltfrauentag.

Abgenommen hat im vergangenen Jahr die Zahl der Sexualdelikte, mit denen sich die Berater des Weißen Rings auseinandersetzen mussten. Zehn Fälle waren es 2021, zwei weniger als im Vorjahr. „Ich bin froh, dass wir nun auch Beraterinnen haben. Denn manches lässt sich besser von Frau zu Frau besprechen“, erklärt Manfred Guth über sein Team, das durch Gitta Dicke und Sophie Schötz verstärkt wird.

Sie und ihre Kollegen Rainer Wollstein und Martin Haas sind in Remscheid bestens vernetzt. Unter anderem arbeitet der Weiße Ring mit Einrichtungen des Betreuten Wohnens, mit der Polizei und der Frauenberatungsstelle Indigo an der Theodor-Straße zusammen.

Auffallend sei derzeit der zunehmende Beratungsbedarf von Betroffenen, die vor langer Zeit sexuell missbraucht wurden und jetzt einen Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetz stellen wollen. „Hier ist teilweise die Beweislage sehr schwierig, weil keine Zeugen, polizeiliche Anzeige, Ermittlungsakten oder ärztliche Gutachten vorliegen.“, berichtet Guth.

Hier erhalten Kinder Schutz in der Krise.

Zivilcourage bildet in diesem Jahr den Themenschwerpunkt

Ein weiteres Spektrum für die Hilfsorganisation ist die Vorbeugung. Immer wieder gibt Manfred Guth bei Vorträgen Tipps, wie sich Einbrüche vermeiden lassen, welche Maschen bei Betrügern aktuell angesagt sind. Dabei setzt der Weiße Ring stets neue Themenschwerpunkte. „In diesem Jahr geht es um Zivilcourage“, erklärt er. Broschüren und Infoaktionen sind Teil der deutschlandweiten Kampagne, mit der die Initiative dafür werben will, nicht wegzuschauen – sondern zu handeln. „Es geht darum, einzuschreiten, ohne sich selber in Gefahr zu bringen.“ Darüber will Guth an einem Stand in der Innenstadt informieren – wenn es die Pandemie zulässt. Geplanter Termin ist der Tag der Zivilcourage am 19. September.

In der Zwischenzeit geht den Beratern die Arbeit nicht aus. 2022 habe turbulent angefangen. Das Team befasse sich mit Sexualdelikten, Stalking und auch mit diversen Altfällen, bei denen jetzt neuer Geldbedarf gestillt werden müsse –zum Beispiel Umzugskosten.

Bei dem Geld, das der Weiße Ring zur Verfügung stellt, handelt es sich vor allem um Spenden. „Dabei profitieren wir davon, dass uns so mancher im Testament berücksichtigt“, erklärt Guth. Zudem sind die Mitgliedsbeiträge ein Faktor: Über 40 000 Menschen gehören deutschlandweit dem Verein an, der seinen Hauptsitz in Mainz hat. In der Zentrale fordert Manfred Guth die finanzielle Unterstützung an, wenn sie ein Opfer in Remscheid benötigt. Über Soforthilfen bis zu 300 Euro kann die Außenstelle in Eigenregie entscheiden.

Hintergrund

Zu erreichen ist Manfred Guth telefonisch unter Tel. (01 51) 55 16 47 98. Wer die Kontaktdaten der Außenstelle nicht griffbereit hat, kann auch das bundesweite Opfertelefon Tel. 11 60 06 anrufen. Weitere Informationen über die Arbeit der Organisation gibt es auch hier: remscheid-nrw-rheinland.weisser-ring.de

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