Kriminalität

Schuleinbrüche: Stadt testet Alarmsystem

Zwei Maskierte machen sich an einem Fenster zu schaffen.
+
Remscheider Schulen sollen besser vor Einbrechern geschützt werden (Symbolbild).
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
    schließen

Die Polizei verzeichnet in diesem Jahr bereits 15 Einbrüche in Remscheider Schulen. Das Früherkennungssystem an Gebäuden soll verbessert werden.

Von Andreas Weber

Remscheid. In einem Probeprojekt mit einem Dienstleister will die Stadt Remscheid prüfen, ob sich Schulen nicht besser vor Einbrechern schützen lassen. Übernächste Woche wird der Pilot an einer Schule installiert und über ein paar Monate getestet. „Möglicherweise werden wir es auch an zwei Schulen ausprobieren“, erklärt Gebäudemanager Thomas Judt, der von dem Angebot überzeugt ist und hofft, dass der Gebäudeschutz durch die Kombination verschiedener Alarmsysteme verbessert wird, Früherkennung bei Einbrüchen möglich ist und die Polizei schnell zum Tatort kommen kann. Details möchte er nicht verraten, um potenzielle Diebe nicht vorzuwarnen.

Im Schulausschuss wurde das leidige Thema diese Woche angesprochen. Was passiert in den Osterferien, viele Menschen nicht in Urlaub fahren, deshalb statt Eigenheimen und Wohnungen öffentliche Gebäude zum Ziel von Einbrechern werden könnten?, wurde gefragt. „Wer die Unverschämtheit besitzt, in unsere Schulen einzubrechen, wird feststellen, dass dort keine Laptops sind“, erklärte Dezernent Thomas Neuhaus. Aus Gesprächen mit der Polizei wisse man zudem, dass die meisten Schuleinbrecher erwischt würden.

Auch wenn es die Politiker nicht so empfinden würden, versicherte Judt dem RGA, so gäbe es in den letzten Jahren keine Häufung von Schuleinbrüchen. Das große Problem sei der zunehmende Vandalismus, der Schäden verursache, die in der Summe weit über das Erbeutete hinausgehen. In der Alexander-von-Humboldt-Realschule (AvH) wurde in den vergangenen sieben Monaten dreimal eingebrochen. In den Sommerferien 2020 verschwand aus einem Koffer ein mobiler Klassensatz von 16 iPads, der sich in einem verschlossenen Schrank befunden hatte. Viel anfangen konnten die Diebe damit nicht. „Die eignen sich nur für den Schulbetrieb, viele Funktionen sind gesperrt, hochwertig sind sie obendrein nicht. Salopp formuliert ist das für Diebe gehobener Elektroschrott“, sagt Judt.

Remscheid: Stadt hat nur eine Eigenschadenversicherung

Anfang dieses Jahres wurde die AvH zweimal hintereinander heimgesucht. Beim ersten Mal wurde wenig zerstört, bei einem erneuten Einbruch erfolgte massive Zerstörung im Sekretariatsbereich. Die Schäden hatten zur Folge, dass am Sekretariat eine einbruchshemmende Tür eingebaut wurde, Durchgänge zugemauert wurden. Bezahlt wird dies aus dem städtischen Instandhaltungsbudget. Im Moment hat die Stadt nur eine Eigenschadenversicherung. Alles andere gilt als zu teuer. „Man muss abwägen: Sind die Reparaturen höher als die Prämien?“, betont Judt. „Bislang waren die Schäden geringer als der Abschluss einer Versicherung.“ Der Gebäudemanager ist aber dabei mit dem Rechtsamt zu checken, ob es sich lohnen könnte, vor Einbrüchen in Schulen mit einer Versicherung abzusichern.

An einigen Schulen gibt es Alarmanlagen. Auch werden ausgewählte Objekte von Wach- und Sicherheitsdiensten kontrolliert. All dies reicht nicht aus, um oft weitläufige und verwinkelte Schulkomplexe in der schulfreien Zeit vor unliebsamen Gästen abzuschirmen. Allein diese Woche war in der Nacht auf Mittwoch in zwei Kitas und Schulen eingebrochen worden.

Der März zeigte statistisch eine Häufung. Rund 15 Fälle wurden dieses Jahr bei der Polizei Wuppertal insgesamt aus Remscheid registriert. 2020 zählte die Kripo rund 50 Einbrüche in hiesige Kitas und Schulen mit einem Schwerpunkt zwischen Juni und August (ca. 25 Fälle). Verantwortlich für eine Reihe der Einbrüche waren jugendliche Serientäter, die gefasst wurden. Sollte das Angebot des Dienstleisters im Test Wirkung zeigen, wird die Stadt dieses möglicherweise flächendeckend an allen hiesigen Schulen einführen.

Polizei und Stadt befinden sich im engen Austausch über Prävention bei Einbrüchen in Schulen und Kitas. Ein Ausfluss dessen, mehr Sicherheit im materiellen Bereich über technische Systeme eines Dienstleisters, wird nun, über ein halbes Jahr nach der Ankündigung, von der Stadt umgesetzt.

Die Zahl der Einbrüche insgesamt bleibt in Remscheid jedoch niedrig: Das Coronavirus wirkt sich in dieser Hinsicht positiv auf die Arbeit der Polizei aus.

Standpunkt: Einbruchschutz bleibt Rechenexempel

Von Andreas Weber

andreas.weber @rga.de

Der Versuch, Einbrechern in Schulen und Kitas das Handwerk zu legen, kann eine kostspielige Angelegenheit werden. Und nicht nur das. Denn öffentliche Gebäude lassen sich nicht wie Fort Knox verriegeln. Nicht jede Ecke von großen, zum Teil abgelegenen oder schwer einsehbaren Schulen mit riesigen Fensterfronten lässt sich lückenlos überwachen. Deshalb wird der Basisschutz vor Dieben auch in Zukunft ein Rechenexempel bleiben. Nehme ich Schäden in Kauf oder versichere mich rundumsorglos, investiere massiv in Technik.

Was immer die Stadt unternimmt, sie wird das Diktat der Finanzen im Kopf haben müssen. Begleitet von der traurigen Gewissheit, dass die absolute Sicherheit ein Wunschdenken bleiben wird. Ein kleiner Hebel setzt bei den Tatanreizen an. Gibt es so gut wie keine transportablen Wertsachen in Schulen, die Täter problemlos mitgehen lassen können, macht dies Einbrüche unattraktiver. Vor denjenigen, zumeist Jugendlichen, die ein nächtliches Eindringen als Mutprobe sehen und sich dann am Mobiliar austoben, schützen aber auch diese Vorsichtsmaßnahmen nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Führerscheine aus Papier werden schrittweise umgetauscht
Führerscheine aus Papier werden schrittweise umgetauscht
Führerscheine aus Papier werden schrittweise umgetauscht
Gute Nachricht für das Allee-Center: Schuhe Kämpgen kommt
Gute Nachricht für das Allee-Center: Schuhe Kämpgen kommt
Gute Nachricht für das Allee-Center: Schuhe Kämpgen kommt
Corona: Inzidenz steigt auf 71,7 - Temporäres Impfzentrum erhält Nachschub aus Wuppertal
Corona: Inzidenz steigt auf 71,7 - Temporäres Impfzentrum erhält Nachschub aus Wuppertal
Corona: Inzidenz steigt auf 71,7 - Temporäres Impfzentrum erhält Nachschub aus Wuppertal
SPD Remscheid fordert die Legalisierung von Cannabis
SPD Remscheid fordert die Legalisierung von Cannabis
SPD Remscheid fordert die Legalisierung von Cannabis

Kommentare