Impfpflicht-Gegner zogen wieder durch Remscheid

Trio versperrt 450 Impfgegnern den Weg

Gelassen mit Kaffee in der Hand, aber überzeugt im Auftritt: Marvin Schneider (M.) und seine Mitstreiter vor ihrem Straßenzug.
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Gelassen mit Kaffee in der Hand, aber überzeugt im Auftritt: Marvin Schneider (M.) und seine Mitstreiter vor ihrem Straßenzug.

„Liebe, Toleranz, Weltoffenheit“: Unter diesem Titel versammelten sich Marvin Schneider und seine Mitstreiter an der Alten Bismarckstraße.

Von Timo Lemmer

Diesmal nicht: So lautete die Devise, die Marvin Schneider mit Blick auf die jüngsten Protestzüge von Gegnern der Schutzmaßnahmen gegen Corona durch sein Viertel in Alt-Remscheid ausgegeben hatte. „Diesmal nicht“ sollte dabei bedeuten, dass die inzwischen wöchentlich am Schützenplatz startende Demo mit einigen Hundert Mitstreitern nicht mehr ohne Widerspruch der Anwohner ertragen werden sollte – und diesmal auch nicht ungehindert die Alte Bismarckstraße passieren sollte.

Das ist am Donnerstagabend geglückt: Schneider hatte unter dem Titel „Liebe, Toleranz, Weltoffenheit“ eine Versammlung mit maximal zehn Teilnehmern angemeldet, woraufhin die ursprüngliche Protestroute geändert worden sei, wie ihm berichtet wurde.

Unser Statement ist auch: Es ist aktuell nicht clever, in großen Massen umherzuziehen.

Marvin Schneider, Organisator des Gegenprotests

Die unliebsamen Besucher waren gegen 20 Uhr nur auf ein paar Hundert Meter Entfernung zu erahnen. Die echte Konfrontation, die keineswegs hätte körperlich, sondern abermals kreativ erfolgen und den Protestmarsch an der Ecke Kirchhofstraße/Alte Bismarckstraße umlenken sollen, blieb also aus. Der friedliche Gegenprotest hatte schon im Vorfeld gewonnen. „Unser Ziel, diese Leute hier rauszuhalten, ist erreicht worden. Wir sind glücklich und zufrieden, dass wir zeigen konnten, dass durch Engagement maßgeblich dazu beigetragen werden kann, dass Querdenker hier nicht langlaufen können“, bilanzierte Schneider.

Er hatte „die kleinste Versammlung der Welt, ganz bewusst mit dem Charakter eines Kaffeekränzchens“ angemeldet. Drei Personen waren ab 18 Uhr vor Ort, hielten in wechselnder Besetzung die Stellung. Alles Mitglieder von Schneiders Verein „MyViertel“ oder sonstige Anwohner des Straßenzugs.

Vor einer Woche hatten sich die Anwohner der Alten Bismarckstraße und umliegender Straßenzüge noch geärgert: Etwa 500 Gegner von Impfpflicht und Schutzmaßnahmen waren unwidersprochen durchs Viertel gezogen. Da müsse man doch Gegenprotest organisieren, befand Marvin Schneider. Doch diesmal war der Widerstand gegen den vermeintlichen Widerstand vorbereitet. Schneider, Vorsitzender des Vereins „MyViertel“, hatte ab 18 Uhr eine dreistündige Versammlung angemeldet, die damit genau den Zeitpunkt abpassen sollte, an dem der große Protestzug abermals durch das kleine Kneipenviertel ziehen sollte. Diesmal aber streifte der Protest das Viertel nur. Angemeldet hatte Schneider bewusst nur eine kleine Versammlung: „Unser Statement ist auch: Es ist aktuell eben nicht clever, in großen Menschenmassen umherzuziehen.“

Polizei: 450 friedliche Teilnehmer, vereinzelt Ärger um Maskenpflicht

450 waren diesmal zum Schützenplatz gekommen, wie die Polizei dem RGA am Freitag auf Anfrage mitteilte. Die Teilnehmer waren dann ab 19.10 Uhr über Martin-Luther-Straße, Parkstraße, Hindenburgstraße und Wilhelmstraße gen Innenstadt gezogen. Vor Beginn des Marsches hatte einer der Organisatoren eindringlich per Lautsprecher darauf aufmerksam gemacht, dass die neuerlich geltende Maskenpflicht im Freien unbedingt einzuhalten sei: Die meisten Teilnehmer setzten daraufhin eine Maske auf, eine Hand voll zeigte beim Ordnungsamt Atteste zur Maskenbefreiung vor. Wenige Demonstranten kamen der Ansage nicht nach. Drei Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstoßes gegen die Maskenpflicht wurden eingeleitet. Die Polizei sprach von einer friedlichen Demo.

Schneider und seine Mitstreiter haben ihr Ziel jedenfalls erreicht: „Uns geht es nicht darum, zur Eskalation beizutragen. Wir freuen uns, dass dieser Zug nicht durch das Viertel verlief. Bleibt zu hoffen, dass es nicht nötig ist, in der Zukunft weitere dieser Versammlungen anzumelden.“

Hintergrund

Die Inzidenz in Remscheid liegt über dem Schnitt im Land (441,6). Eine Infektion hat inzwischen insgesamt 10 736 Remscheider ereilt. Omikron wurde bislang in 232 Fällen nachgewiesen. Zwei der Krankenhauspatienten sind intensivpflichtig. eine Person wird beatmet.

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