Neue Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Krankmeldung wird digital: „Gelber Schein“ auf Papier ist (fast) Geschichte

Die Krankmeldung wird digital – beim Arbeitgeber aber erst im Sommer des kommenden Jahres. Foto: Verbraucherzentrale NRW
+
Die Krankmeldung wird digital – beim Arbeitgeber aber erst im Sommer des kommenden Jahres.

Seit dem 1. Oktober gibt es die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Der „gelbe Schein“ wird digital. Zumindest ein bisschen. Am 1. Oktober wurde die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz eAU, eingeführt. Damit entfällt die Pflicht, eine Durchschrift der Krankmeldung an die eigene Krankenkasse zu schicken. Die Vorlage der Bescheinigung beim Arbeitgeber bleibt aber noch einige Monate.

Rund 77 Millionen Mal pro Jahr wird in Deutschland ein Arbeitnehmer krank geschrieben, das heißt, dass ein Arzt eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit feststellt. „Gesetzlich Versicherte haben die Pflicht, ihrer Krankenkasse die Krankschreibung rechtzeitig zu melden, um nicht später einen möglichen Krankengeldanspruch zu verlieren“, sagt die Verbraucherzentrale. Selbst wenn die Bescheinigung nur für wenige Tage gilt, sollte man sie an die Kasse weiterleiten – wird aus einer anfangs harmlos erscheinenden Krankheit nämlich etwas Ernsteres, gibt es sonst eine Lücke in der Dokumentation. Und die könnte, wenn die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers nach sechs Wochen endet, unter Umständen teuer werden.

Dieses Risiko entfalle nun durch den direkten Kommunikationsweg der eAU zwischen Arztpraxen und Krankenkassen, so die Verbraucherzentrale: „Versicherte müssen den altbekannten gelben Ausdruck ab 1. Oktober 2021 nicht mehr selbstständig an ihre Krankenkasse schicken, sondern können sich auf die digitale Übertragung über die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI) verlassen.“ Allerdings, raten die Verbraucherschützer, sollte man zur Sicherheit nachfragen, ob die Praxis bereits über die notwendigen technischen Voraussetzungen verfügt. Zumal einige Mediziner zum Start der neuen Technik über Schwierigkeiten damit klagten.

Beim Arbeitgeber bleibe es aber vorerst beim „gelben Schein“, betont die Verbraucherzentrale. Dass Firmen die eAU bei der Krankenkasse ihres Beschäftigen abrufen können, sei erst für den 1. Juli des kommenden Jahres geplant. Deswegen gelte: „Die Bescheinigung muss von den Beschäftigten zunächst weiter als Papierausdruck vorgelegt werden.“ Und das spätestens am dritten Arbeitstag, wie die Verbraucherschützer sagen: „Wer länger als drei Tage arbeitsunfähig ist, muss grundsätzlich eine ärztliche Bescheinigung beim Arbeitgeber vorlegen, sofern dieser nicht schon früher ein Attest verlangt.“

Und selbst ab Juli 2022 wird Papier nicht ganz überflüssig. Drei der bisher vier Ausdrucke, für den ausstellenden Arzt, den Arbeitgeber und die Krankenkasse, würden durch eine digitale Lösung ersetzt, erklärt die Verbraucherzentrale: „Dies soll Anspruchsverluste durch verspätete Weiterleitung der AU-Bescheinigung verhindern, Bürokratie und Kosten für den Papierversand einsparen und eine lückenlose Dokumentation von AU-Zeiten bei den Krankenkassen sicherstellen.“ Der Versicherte selber erhalte aber weiterhin ein ausgedrucktes Exemplar für seine persönlichen Unterlagen.

Die eAU ist Teil der Digitalisierung des Gesundheitswesens

Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist Teil einer groß angelegten Initiative des Bundesgesundheitsministeriums unter dem Titel „E-Health – Digitalisierung im Gesundheitswesen“, die bereits mit dem Start der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) 2015, die damals die bisherige Krankenversichertenkarte als Versicherungsnachweis ablöste, ihren Anfang nahm.

„Ziel ist es, die Chancen der Digitalisierung für die Gesundheitsversorgung zu nutzen und schneller nutzbringende Anwendungen zu ermöglichen“, heißt es dazu aus dem Ministerium von Jens Spahn. Dazu gehören auch die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) und des elektronischen Rezeptes (E-Rezept), außerdem das Voranbringen der Telemedizin oder auch die Etablierung eines Forschungsdatenzentrums.

Hintergrund

Den digitalen Austausch zwischen Ärzten, Versicherern und anderen Akteuren des Gesundheitswesens ermöglicht die eigens dafür geschaffene Telematikinfrastruktur (TI), wobei Telematik ein Kofferwort aus Telekommunikation und Informatik ist. „Der sichere Austausch von Informationen soll durch ein geschlossenes Netz, zu dem nur registrierte Nutzer Zugang erhalten, gewährleistet werden“, sagt die Verbraucherzentrale. Das System werde seit 2017 ausgerollt, sagt das Bundesgesundheitsministerium: „Nachdem nunmehr bereits die meisten Arzt- und Zahnarztpraxen flächendeckend an die TI angeschlossen sind, werden auch die Krankenhäuser und Apotheken an die TI angeschlossen.“

Auch das rät die Verbraucherzentrale: Verbraucher sollten bei Corona-Tests Preise vergleichen

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Remscheid bereitet sich auf 2G vor - Feuerwerkshersteller befürchten „Todesstoß“
Remscheid bereitet sich auf 2G vor - Feuerwerkshersteller befürchten „Todesstoß“
Remscheid bereitet sich auf 2G vor - Feuerwerkshersteller befürchten „Todesstoß“
Eltern sammeln mehr als 22.000 Euro für ein neues Klettergerüst
Eltern sammeln mehr als 22.000 Euro für ein neues Klettergerüst
Eltern sammeln mehr als 22.000 Euro für ein neues Klettergerüst
Ruhestätte Begräbniswald? Jäger hat so seine Zweifel
Ruhestätte Begräbniswald? Jäger hat so seine Zweifel
Ruhestätte Begräbniswald? Jäger hat so seine Zweifel
Auffällig aussehendes Duo raubt Obdachlosen in Remscheid aus
Auffällig aussehendes Duo raubt Obdachlosen in Remscheid aus
Auffällig aussehendes Duo raubt Obdachlosen in Remscheid aus

Kommentare