Schwärme am Himmel

Kraniche profitieren vom Klimawandel

Ein Kranichschwarm über dem Hasten in Remscheid. Die Tiere sind auf der Route über Westeuropa auf dem Weg ins Baltikum und nach Polen. Foto: Roland Keusch
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Ein Kranichschwarm über dem Hasten in Remscheid. Die Tiere sind auf der Route über Westeuropa auf dem Weg ins Baltikum und nach Polen.
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Die Vögel fliegen in ihren Schwärmen kürzere Strecken. Die Population ist größer als in den 80er Jahren.

Von Axel Richter

Remscheid. Sie waren schon im Anflug, da ließ der Eisregen über dem Bergischen Land sie noch einmal nach Süden abdrehen. Jetzt aber haben die Kraniche erneut Kurs Richtung Nordosten genommen. Die Chancen, an diesem frühlingshaften Wochenende einen oder gleich mehrere kleinere oder größere Schwärme am Himmel zu sehen, stehen mithin gut.

Die Vögel sind auf Durchreise zu ihren Brutplätzen. Die liegen in großen Sumpf- und Moorlandschaften. In Litauen, Estland, Polen oder Skandinavien. Manche Paare bleiben aber auch innerhalb Deutschlands und ziehen ihren Nachwuchs etwa an den brandenburgischen Seen oder auf der Mecklenburgischen Seenplatte auf.

Auf ihren Reisen legen sie viele Tausend Kilometer zurück. Allerdings fallen die Routen, denen sie ihrem Instinkt nach folgen, im Klimawandel kürzer aus. Und die Tiere machen sich früher auf den Weg.

Remscheid: Vögel haben von Artenschutz-Maßnahmen profitiert

„Statt in Afrika überwintern sie heute vielfach in Südfrankreich oder Spanien“, berichtet Jörg Liesenfeld, Diplom-Biologe und Leiter der Naturschule Grund. Die kürzere Flugzeit kommt den Tieren entgegen. Auch schwächere Tiere können folgen, das Nahrungsangebot ist vergleichsweise gut. Die Verluste sind geringer. Auch deshalb sind heute mehr Vögel auf den beiden Routen über West- und Osteuropa unterwegs als noch in den 80er-Jahren. „Die Population ist stabil“, freut sich Liesenfeld.

Das gilt für einige große Vögel, die noch vor Jahren als gefährdet galten. Selbst der Schwarzstorch ist in einigen Tälern im Bergischen wieder zu sehen. Und auch die Greife haben von den verschiedenen Artenschutz-Maßnahmen profitiert – zum Beispiel vom Verbot des Insektizids DDT.

Vielen kleineren Vogelarten geht des im Vergleich weniger gut. Die Feldlerche etwa, Vogel des Jahres 2019, gilt als akut bedroht. Wie andere Bodenbrüter ist sie vor allem ein Opfer der intensiven Landwirtschaft. „Ich fürchte, wir werden absehbar die ein oder andere Art verlieren“, sagt Liesendahl. Dazu zählt auch der Grünfink.

„Gegen 8 Uhr erklingt die erste Misteldrossel.“

Hans-Georg Müller, Vogelfreund

Den Amseln und Blaumeisen setzte zuletzt ein Bakterium zu. Mit einer gewissen Sorge sehen die Vogelfreunde deshalb den Ergebnissen der nächsten großen Vogelzählung entgegen. Der Nabu ruft dazu erneut auf. Vom 13. bis zum 16. Mai sollen möglichst viele Menschen die Vögel in ihren Gärten beobachten und melden. Dann wird sich zeigen, ob die beiden Arten sich erholt haben.

Die ersten Laute der Gartenbewohner sind unterdessen längst zu vernehmen. Noch nicht in aller Frühe, aber sobald die Temperaturen ein bisschen steigen. „Gegen 8 Uhr erklingt bei uns die erste Misteldrossel“, berichtet der Remscheider Vogelfreund Hans-Georg Müller. Der Frühling ist also im Anmarsch, und seine Boten sind zu hören und zu sehen. Nicht nur in Form der großen Kranichschwärme, sondern auch im heimischen Garten.

Mitmachen

Jedes Jahr am zweiten Maiwochenende sind alle Naturfreunde dazu aufgerufen, die Vögel in ihrem Umfeld zu zählen. Die Ergebnisse geben Aufschluss über ihr Vorkommen. Alle Infos zum Verfahren gibt es unter www.nabu.de

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