Wald und Erlebnis am neuen Standort

Kran hievt Kita auf den Schützenplatz

Von der ehemaligen Rollschuhbahn am Stadtpark zum Schützenplatz: die Kita-Leitung Lisa Pfister und Tobias Krüger.
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Von der ehemaligen Rollschuhbahn am Stadtpark zum Schützenplatz: die Kita-Leitung Lisa Pfister und Tobias Krüger.
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Die Container-Tagesstätte Am Stadtpark zieht für zwei Jahre um. Die neue Heimat liegt 400 Meter weiter westlich.

Von Andreas Weber

Remscheid. Es gehört zu den einmaligen Erlebnissen im Leben einer Kita-Leitung, zuzuschauen, wie die eigene Einrichtung binnen zwei Tagen an einen anderen Standort verlegt wird. Tobias Krüger und seine Stellvertreterin Lisa Pfister hatten am Bauzaun einen Logenplatz, als ihre Kita Am Stadtpark 400 Meter weiter westlich wanderte. 30 Container mitsamt der Kücheneinrichtungen wurden Anfang der Woche erst mit zwei Lastern transportiert, dann mit einem 60-Tonnen-Autokran an ihren Bestimmungsort gehievt.

Am Rand des Schützenplatzes entsteht momentan aus einem Provisorium ein weiteres Provisorium. Die dreigruppige, städtische Einrichtung bekommt kein neues Zuhause, aber ein anderes Umfeld. Weil am alten Standort, der ehemaligen Rollschuhbahn zwischen Stadtbad und Grundschule neu gebaut werden wird für die wahrscheinlich größte Kita Remscheids, ziehen zwölf Erzieher(innen), Hauswirtschaftskraft und die Kinder für zwei Jahre um. Mehrere Lösungen hatte die Stadt angedacht.

„Hobbit-Wagen“ waren überlegt worden, Tiny Houses wurden sehr konkret geplant, bis deren Kosten durch die Decke schossen und nicht mehr finanzierbar waren. Am Ende bleibt es bei den mittlerweile sieben Jahre alten Containern, die in Höhe des Schützenhauses neben dem Toilettenhäuschen auf mit Beton gefüllten Hohlblocksteinen verankert werden. Die aufgrund der Platzschräge unterschiedlichen hohen Steinfundamente sind verklebt.

In der Kita kommen weniger Kinder als vorher unter

Am 8. August soll die Kita Am Stadtpark die Tür öffnen. 20 Kinder wechseln in die Grundschule, vier Neue kommen. Statt 65 Kinder werden es nur noch 50 sein, den Umständen Rechnung tragend. Offiziell ist die Kita Am Stadtpark keine integrative Einrichtung, fünf Kinder mit Behinderungen sind aber dort untergebracht – ohne U3. Mehr als bisher werden die Erzieher(innen) den Standortvorteil nutzen und Erlebnis- und Waldpädagogik in den Vordergrund rücken. Die Lage unmittelbar am Stadtpark bietet sich dafür an. Tobias Krüger ist erleichtert: „Die Planungsgespräche wurden seit 2017 geführt, wir sind froh, dass es endlich losgeht.“

In den Remscheider Kitas fehlen 600 Plätze

Dass der Umzug erst kurz vor den Sommerferien an Dynamik gewann und alles schnell ging, nimmt das Kita-Team an. 300 Kartons mussten gepackt werden und werden an anderer Stelle wieder ausgeräumt. Sobald die Versorgungsleitungen liegen, kann es auf dem Stadtpark-Gelände im August räumlich wie gewohnt weitergehen. Nachdem die Einrichtung bis zum 8. Juli eine Notbetreuung in der Kita Hölterfeld angeboten hatte, ist sie nun drei Wochen geschlossen. Danach erhält Am Stadtpark für eine Woche in der Kita Holscheidsberg „Asyl“, die zu der Zeit im Urlaub ist.

Hitze wie Kälte sind ein Problem.

Tobias Krüger, Kita-Leiter

Tobias Krüger kennt die Vorzüge eines soliden Gebäudes wie der Kita Lüttringhauser Straße, in der er vorher gearbeitet hat, redet aber auch das Provisorium Container nicht schlecht. „Natürlich wirkt es auf den ersten Eindruck optisch kühl, aber drinnen ist es wie jede andere Kita.“ Der Vorteil der Baustein-Lösung sei die Ebenerdigkeit. „Von einem Gang in der Mitte gehen alle Räume ab. Das ist ungeheuer praktisch.“ Der große Nachteil zeigt sich bei extremem Wetter: „Hitze wie Kälte sind ein Problem. Das geht bis zu Leitungen, die schon mal einfrieren.“ Auch die Raumakustik ist eher bescheiden, für die Sprachförderung ein Nachteil.

Nach all den Jahren zeigen sich Altersschwächen: „Die Feuchtigkeit nimmt zu“, beobachten Krüger und Pfister. Durchhalten ist angesagt. „Mehr als zwei Jahre sollten es aber nicht sein.“ Ein Stückchen Wiese, die eingezäunt werden soll, erhält die Kita auch. Mit schattenspendenden Bäumen, die sie am vorherigen Standort nicht hatte.

Kinder können Natur und Events erleben

Die Zwischenlösung birgt neben Wald- und Erlebnispädagogik jede Menge Action. Denn unmittelbar nebenan erwacht der Schützenplatz immer wieder zu pulsierendem Leben. Wenn eine Kirmes stattfindet, wenn der Zirkus vorbeischaut und – aktuell – wenn der elftägige Open-Air-Eventgarten seine Pforten öffnet. Bei den Konzerten abends sind die Kids nicht mehr am Start, den Soundcheck von Künstlern und Bands werden sie aber mitbekommen.

Die erste akustische Nagelprobe gibt es am 11. August bei Michael Schulte. Lisa Pfitzer denkt an Reggae-Sänger Gentleman im vergangenen Jahr, der nachmittags ihren ehemaligen Standort gut hörbar einstimmte auf dass, was sie abends live als Konzertbesucherin miterlebte. Vorübergehend wird die Einrichtung Am Stadtpark, um die ein drei Meter breiter Schutzzaun gezogen wird, so zur „Event-Kita“.

„Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, dass wir hinter die Kulissen gucken dürfen und mit unseren 50 Kindern mal auf der großen Bühne stehen“, hoffen Krüger und Pfister auf ein Entgegenkommen von Festivalveranstalter Neomove und einen netten pädagogischen Ansatz, der ihren Schützlingen erste Einblicke ins Musikbusiness gewährt.

Passend dazu: So entsteht die neue Kita Sedanstraße

Hintergrund

Die Geschichte beginnt am 4. Mai 2015, als die vom Schimmel befallene städtische Kita Eberhardstraße leergezogen und in Containern auf der ehemaligen Rollschuhbahn untergebracht werden musste. Einen festen Standpunkt erhielt die Kita schließlich am Holscheidsberg, wo die dreigruppige Einrichtung im Oktober 2017 einen Neubau bezog. Der Containerpark Am Stadtpark blieb indes erhalten. Dort wurde angesichts der Kita-Platznot eine neue Kita aufgemacht, die bis heute Bestand hat.

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