Nach Hochwasser

Kräwi: Badegäste müssen weiter bangen

Umweltalarm wurde im Juli 2021 ausgelöst: Ob der Freizeitpark Kräwi öffnet, soll sich in den nächsten Wochen entscheiden. Foto: Frank Michalczak
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Umweltalarm wurde im Juli 2021 ausgelöst: Ob der Freizeitpark Kräwi öffnet, soll sich in den nächsten Wochen entscheiden.

Der Betreiber der Freizeitanlage bereitet sich auf Saison vor. Der Wupperverband will nach Umweltkatastrophe allerdings noch die Wasseranalysen abwarten.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Die Betreiber der Freizeitanlage Kräwi bereiten sich nach der Umweltkatastrophe vom Juli 2021 auf eine normale Saison vor. Ein achtköpfiges Team aus langzeitarbeitslosen Menschen kümmert sich im Auftrag von Arbeit Remscheid um das Ausflugsziel an der Wupper-Talsperre. Die Mitarbeiter halten weiterhin die Grünflächen in Schuss, beseitigen Müll und sorgen für einen frischen Anstrich – wo es die Betriebsgebäude nötig haben. „Jetzt warten wir noch auf grünes Licht vom Wupperverband“, sagt Geschäftsführer Ralf Barsties, der um die Bedeutung der Freizeitanlage mit Badebetrieb für die Bevölkerung weiß. Wenn alles gut gehe, könnte der Betrieb im April aufgenommen werden.

Susanne Fischer, Sprecherin vom Wupperverband, kann die Erlaubnis für den Sprung ins Wasser jedoch noch nicht signalisieren. Schließlich war das Hochwasser im vergangenen Jahr für die Wupper-Talsperre folgenschwer. Mitte Juli erreichten durch die Überschwemmung von Betrieben und Haushalten oberhalb der Talsperre rund 150 000 Liter „Substanzen“ das Gewässer. Nach Angaben des Verbands handelte es sich vorrangig um Härteöle und weitere Betriebsmittel.

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Nachdem die Reinigung der überspülten Uferbereiche Ende 2021 abgeschlossen worden sei, blieb die Wupper-Talsperre für Freizeitaktivitäten gesperrt. „Es wurde eine weitere Probenentnahme durchgeführt“, berichtet Susanne Fischer. Nach Bewertung der Analyseergebnisse würden sich unterschiedliche Behörden über die mögliche Gefahrenlage und das weitere Vorgehen abstimmen – unter anderem das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW und die Bezirksregierungen.

Dies werde voraussichtlich noch im Februar geschehen. Die Auswertung der Messergebnisse laufe derzeit noch. Wenn sie vorliegt, gebe es eine Empfehlung vom Landesamt, wie es mit der Freizeitnutzung weitergeht.

Langzeitarbeitslose werden an die Berufswelt herangeführt

Unsichere Aussichten also für Arbeit Remscheid, die durch unterschiedliche Programme, Schulungen und Arbeitsgelegenheiten Menschen wieder ans Berufsleben führen will. Als Sorgenkind entpuppte sich zuletzt nicht nur die Kräwi, auch das Sozialkaufhaus, das im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen „extreme Umsatzeinbußen“ verzeichnete, wie Barsties bilanziert. „Allein beim Weihnachtsgeschäft waren es 30 Prozent weniger.“ Dies sei ein wirtschaftliches Problem für die gemeinnützige GmbH, die von den Einnahmen ihrer Betriebe und öffentlich geförderten Beschäftigungsmaßnahmen finanziert wird und über 30 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt. Sie ermutigen momentan rund 120 Menschen, wieder einer Tätigkeit nachzugehen. Neben der Freizeitanlage an der Kräwi und dem Sozialkaufhaus finden sie auch in der Serviceagentur ein Betätigungsfeld. Diese habe auch während der Corona-Pandemie volle Auftragsbücher verzeichnet. „Unter anderem durch Wohnungsauflösungen, für die wir beauftragt wurden“, erklärt Barsties, der der Hoffnung nicht vorschnell aufgeben will, dass die Kräwi mit seinen Leuten an den Start gehen kann.

Nicht nur die Umweltkatastrophe belastete seit 2020 den Betrieb – auch die Coronaschutzmaßnahmen. Zeitweise war der Badespaß nur durch Einlasskontrollen – für die Adressnachverfolgung bei Infektionsfällen – und durch die Begrenzung der Besucherzahl möglich. Für den Sommer sieht er den Betrieb aber eher wegen der Naturbelastung und weniger wegen der Pandemie in Gefahr. „Wir warten daher nun auf die Nachricht vom Wupperverband.“ Die soll es offenbar bald geben: „Es ist uns bewusst, dass sie für die Anrainerkommunen, für die Betreiber der Freizeitanlage und für alle Freizeitgäste eine wichtige Fragestellung ist“, erklärt Susanne Fischer.

Talsperren

Aktuell ist die Hauptsperre der Wupper-Talsperre zu 67 Prozent gefüllt. Rund 16,5 Millionen Kubikmeter Wasser sind derzeit in der Hauptsperre gespeichert, ihr Fassungsvermögen liegt bei 24,78 Millionen Kubikmeter. Der Wupperverband hält aktuell für den Hochwasserschutz somit rund acht 8 Millionen Kubikmeter Stauraum frei. Nach dem Extrem-Hochwasser und der Einleitung giftiger Substanzen wurde im Juli 2021 Umweltalarm ausgelöst.

Standpunkt: Gesundheit geht vor

Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak @rga.de

Es wäre jammerschade, wenn die Badesaison an der Wupper-Talsperre erneut ins Wasser fallen würde. Schließlich besteht die berechtigte Hoffnung, dass bis zum Sommer die Pandemie so weit abflaut, dass insbesondere Jugendliche nach einem langen, tristen Corona-Winter endlich wieder unbeschwert Spaß haben können. Und: Wo könnte das besser gelingen als an der Kräwi? Das Feld dafür wird jedenfalls bestellt: Das Team von Arbeit Remscheid will der Anlage vor dem Startschuss letzten Schliff verleihen – und hofft darauf, um Ostern herum den Badebetrieb zu starten, wenn es das Wetter zulässt. Aber: Von zu großer Vorfreude ist abzuraten. Denn: Noch müssen die Ergebnisse von Wasserproben abgewartet werden, die anzeigen, ob die Belastung durch die Umweltkatastrophe vom Sommer 2021 zu groß sind, um Gefährdungen auszuschließen. 150 000 Liter „Substanzen“ sind in die Talsperre geflossen. Jeder Regen, der seither gefallen ist, dürfte dem Gewässer gutgetan haben. Ob der Niederschlag aber reichte, werden die Analysen des Wupperverbands erweisen. Dabei gilt: Gesundheit muss vorgehen – so wichtig auch ein Lichtblick im Sommer wäre.

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