Städtebauliche Entwicklung der Alleestraße

Remscheid könnte Geschichte schreiben

Auch die Pavillons sollen angekauft und abgerissen werden, sie werden sogenannten Vorplätzen weichen.
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Auch die Pavillons sollen angekauft und abgerissen werden, sie werden sogenannten Vorplätzen weichen.

Am Montag entscheidet der Rat über die Sanierungssatzung Alleestraße. Damit soll die Haupteinkaufsstraße in Remscheid attraktiver werden. Das Ganze ist allerdings nicht billig.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Alleestraße soll zum Sanierungsgebiet werden. Was schon länger politischer Konsens in Remscheid ist, soll kommende Woche endgültig beschlossen werden. Nach Vorberatungen in der Bezirksvertretung Alt-Remscheid am heutigen Dienstag und tags drauf im Bauausschuss steht die „Satzung über die förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes Alleestraße“ bei der Sitzung des Stadtrates kommenden Montag auf der Tagesordnung.

Stimmt die Politik dem Entwurf zu, was zu erwarten ist, erhält die Verwaltung für mindestens zehn Jahre erweiterte Einflussmöglichkeiten auf die städtebauliche Entwicklung der Haupteinkaufsstraße. Vorgesehen sind unter anderem Erwerb, Abriss und Umnutzung bestehender Gebäude durch die Stadt. So könnte das ehemalige Kino einem neuen Durchgang zum Friedrich-Ebert-Platz weichen und die Sinn-Ruine zum „Dritten Ort“ umgebaut werden.

Aber auch die Immobilien in Privatbesitz sollen sich in das neue Konzept einfügen, insbesondere indem Art und Umfang der Nutzung angepasst werden. Man werde versuchen, einvernehmliche Lösungen mit den Besitzern zu finden, hatte Stadtplanerin Christina Kutschaty schon vor mehr als einem Jahr betont. Insbesondere bei Verkäufen oder bei Anträgen auf Nutzungsänderungen werde man auf die Eigentümer einwirken. Denen winken im Gegenzug Fördermittel, zum Beispiel für notwendige Umbauten.

So viele Millionen Euro sollen in das Sanierungsgebiet investiert werden

Konkret definiert ist das Sanierungsgebiet als „die Alleestraße mit den Hausnummern 2 bis 98 sowie die unmittelbar angrenzende Bebauung zwischen dem Markt im Osten und der Hochstraße im Westen“. Hier sollen nach derzeitiger Planung insgesamt mehr als 81 Millionen Euro investiert werden. Mehr als die Hälfte von Dritten - Investoren, Immobilienbesitzer oder auch die Stadtwerke - knapp 6,5 Millionen Euro sind als städtischer Eigenanteil vorgesehen. Der Rest sollen Fördermittel, insbesondere des Landes, sein.
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Ziel einer solchen Sanierungssatzung ist es immer, einen „städtebaulichen Missstand“ zu beheben, zum Beispiel wenn ein Gebiet seine eigentlich zugedachte Funktion nicht mehr erfüllt. In diesem Fall als „Magnet“ im Herzen der Stadt. Angedacht ist deswegen eine schon länger diskutierte Dreiteilung der Allee: Auf dem oberen Drittel soll sich zukünftig der Einzelhandel konzentrieren, die Mitte vornehmlich dem Wohnen dienen und im unteren Bereich das Thema Freizeit dominieren.

Obwohl das Verfahren als solches seit Jahrzehnten bekannt ist, könnte Remscheid mit seiner Art der Umsetzung Geschichte schreiben. Sanierungssatzungen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem genutzt, um Kriegsschäden zu beseitigen, nach der Wende fanden sie unter anderen in ostdeutschen Plattenbausiedlungen Anwendungen. Damit dem Funktionsverlust einer Einkaufsstraße zu begegnen, ist dagegen bisher eher ungewöhnlich.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Eigentum verpflichtet

sven.schlickowey@rga.de

Jede Medaille hat zwei Seiten, weiß der Volksmund. Und so dürfte es dann auch mit der Sanierungssatzung für die Immobilienbesitzer entlang der Alleestraße sein. Verabschiedet die Politik die Satzung kommende Woche, kann die Stadt den Eigentümern zukünftig ganz schön reinreden in Nutzung und Gestaltung ihrer Gebäude. Dafür gibt es unter Umständen aber auch Fördermittel.

Der Punkt ist aber eigentlich ein anderer: Nicht jedem Immobilieneigentümer wird der städtische Eingriff gefallen, zumal oft ja auch eigenes Geld investiert werden muss. Der Schritt als solches ist im Sinne der Allgemeinheit aber unerlässlich. Und auch gut begründbar. Insbesondere mit der Sozialpflichtigkeit des Eigentums, die es von der stoischen Philosophie der Antike bis in unsere Verfassung geschafft hat, wie in Artikel 14 des Grundgesetzes zu lesen ist: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

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