200 Wohneinheiten sollen entstehen

Knusthöhe: Grüne sind gegen geplantes Neubaugebiet - SPD und FDP suchen anderen Partner

Hier könnten rund 200 Häuser entstehen. David Schichel (Grüne, kl. Foto l.) ist dagegen, Torben Clever (FDP) dafür.
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Hier könnten rund 200 Häuser entstehen.

Das geplante Neubaugebiet in Lennep bleibt umstritten.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Im ersten Halbjahr 2021 wurden in Remscheid Baugenehmigungen für 61 neue Wohnungen erteilt, hat das Statistische Landesamt herausgefunden. Mehr als die Hälfte davon sollen in Mehrfamilienhäusern entstehen, noch einmal ein Fünftel durch An- und Umbauten. Ein- und Zweifamilienhäuser waren von Januar bis Juni gerade noch 14 Stück dabei. Käme das Neubaugebiet Knusthöhe in Lennep, könnte sich das auf einen Schlag ändern, sehr zur Freude vor allem junger Familien, die Bauland suchen. Rund 200 Wohneinheiten könnten hier entstehen.

Das Gebiet, das im Norden durch die Ring- und im Westen durch die Heinrich-Hertz-Straße eingefasst wird, sei eine der letzten großen Flächen in Remscheid, um ein zusammenhängendes Neubaugebiet zu schaffen, hatte Stadtplanerin Christina Kutschaty im Mai vorigen Jahres in der Bezirksvertretung Lennep erklärt. Die BV hatte daraufhin grünes Licht für konkrete Planungen gegeben. Doch das Projekt, das seit rund drei Jahrzehnten diskutiert wird, bleibt umstritten. Auch innerhalb der Gestaltungsmehrheit aus SPD, Grüne und FDP.

David Schichel (Grüne).

Zuletzt hatte sich der Bauausschuss mit dem Thema beschäftigt. Dorthin hatte der Stadtrat einen Antrag von Bettina Stamm (Echt Remscheid) verwiesen, die gefordert hatte, die Planungen aus Wasserschutzgründen einzustellen. Auch der Fachausschuss kam nicht zu einer Entscheidung, doch dabei wurde die Uneinigkeit in diesem Punkt zwischen den Partnern der Gestaltungsmehrheit deutlich. Bereits im Februar waren sich die Parteien uneins - die Knusthöhe blieb weiterhin Streitpunkt.

SPD ist überzeugt: Es gibt einen Bedarf an Einfamilienhäusern in Remscheid

Man teile zwar Stamms Bedenken in Sachen Wasserschutz nicht komplett, sagte David Schichel, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat, werde aber trotzdem für ein Ende der Planungen stimmen, um weitere Flächenversiegelung zu vermeiden: „Wir sind grundsätzlich gegen das Baugebiet.“ Derweil kündigte Torben Clever (FDP) an, wie die SPD an der Knusthöhe festzuhalten: Man sei überzeugt, dass es Bedarf an weiteren Einfamilienhäusern gebe: „Sonst würden junge Familie nicht nach Hückeswagen und Wermelskirchen ziehen.“

Diesen Bedarf sähen auch die Grünen, betonte Schichel. Allein man wolle ihn anders decken – und verweist dabei auf einen regelmäßig aktualisierten Bericht der Verwaltung zu Potenzialflächen für den Wohnungsbau. Dort würden zahlreiche Baulücken ausgewiesen. Und Brachen, die man recyceln könnte. Ähnlich wie auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses in Lennep.

„Wir sind grundsätzlich gegen das Baugebiet.“

David Schichel, Grüne

Bis die ersten Bagger Richtung Knusthöhe rollen, wird es noch etwas dauern. Die Verwaltung überarbeitet laut dem BV-Beschluss den Bebauungsplan, dazu müssen die beteiligten Stellen gehört werden. Und der Stadtrat muss noch zustimmen.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) hatte mehrfach erklärt, das Neubaugebiet Knusthöhe vorantreiben zu wollen – schließlich würden viele Bürger teils händeringend nach einem Platz fürs Häuschen im Grünen suchen. Im Rat braucht es dafür allerdings eine eigene Mehrheit. Die Ampel aus SPD, Grüne und FDP hatte vereinbart, bei diesem Thema getrennte Wege zu gehen. Doch FDP und SPD, die Partner, die die Knusthöhe wollen, haben zusammen nur 23 Stimmen im Rat.

Torben Clever (FDP).

29 wären nötig, um den Beschluss zusammen mit der Stimme des OB durchzubringen. Auf die drei Stimmen der Linken und die von Bettina Stamm können Sozialdemokraten und Liberale dabei vermutlich nicht bauen, die beiden Stimmen der WiR reichen nicht aus. Bliebe also nur die CDU, die sich in der BV Lennep bereits dafür ausgesprochen hatte. Für die die inzwischen zurückgetretene Rosemarie Stippekohl im Bauausschuss aber noch zusätzlichen Informationsbedarf angekündigt hatte.

Hintergrund

Die ersten Ideen zu einem Neubaugebiet Knusthöhe stammen aus den frühen 1990er-Jahren. Vor etwa 15 Jahren konkretisierten sich die Planungen, damals war von 250 bis 300 Wohnungen, die dort entstehen sollen, die Rede. Zudem wird das Gebiet, das seinen Namen vermutlich von einer dort um 1800 lebenden Familie erhielt, im Flächennutzungsplan als Wohngebiet ausgewiesen.

Standpunkt: Knusthöhe wird kommen

Kommentar von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga.de

Ob Industrie- oder Neubaugebiet, Stadtentwicklung und Naturschutz scheinen regelmäßig zu kollidieren. Doch es gibt auch Unterschiede zwischen Wohnen und Gewerbe. Während die Industriebrachen in Remscheid zum Beispiel bereits sehr gut aufbereitet sind, gibt es bei ungenutzten Wohnimmobilien noch jede Menge Potenzial. Und während Firmen ihre neuen Hallen in der Regel benötigen, um konkurrenzfähig zu bleiben, ist ein frei stehendes Einfamilienhaus wohl eher Luxus als Notwendigkeit.

Doch die Leute wollen so etwas. Und Remscheid kann es sich nicht als einzige Stadt in Region erlauben, keine neuen Flächen dafür auszuweisen – und junge Familien samt ihres Anteils an der Lohnsteuer an die Nachbarn zu verlieren. Deswegen wird die Knusthöhe wohl kommen. Auch und vor allem getragen von den Stimmen von SPD und FDP, die, nur noch mal zur Erinnerung, in ihrer Gestaltungsvereinbarung nach der Kommunalwahl folgenden Satz unterschrieben haben: „Grund und Boden sind unentbehrlich und nicht vermehrbar.“

Im Frühjahr nahm der Sportausschuss Abschied von einem Stadionbau in Hackenberg als Ersatz für das Röntgen-Stadion.

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