Dürre, Hitze, Borkenkäfer

Klimawandel schädigt Remscheider Wald

In der Nähe der Dörpe-Vorsperre ist der Kahlschlag heftig. Fichten sind im großen Stil abgestorben.
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In der Nähe der Dörpe-Vorsperre ist der Kahlschlag heftig. Fichten sind im großen Stil abgestorben.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Das Fichtensterben geht weiter. Seit über 20 Jahren betreibt das Stadtforstamt einen ökologischen Umbau in Remscheid.

Remscheid. Nach den Fichten trifft es jetzt auch vereinzelt Buchen und Eichen: Das Waldsterben schreitet voran - auch in Remscheid. Markus Wolff, Leiter des Stadtforstamtes, nennt die aktuelle Situation die schlimmste seit vielen Jahrzehnten. „Es handelt sich um eine bislang undenkbare Waldkatastrophe. Der Klimawandel schreitet viel schneller voran, als wir aktuell mit Maßnahmen gegensteuern können.“ Eigentlich betreibt das Stadtforstamt seit über 20 Jahren erfolgreich einen ökologischen Waldumbau, wofür es auch bereits ausgezeichnet wurde. Dabei entsteht ein Mischwald, der für die künftigen Klimaherausforderungen besser gewappnet ist. Doch der Klimawandel ist schneller. Es ist fast ein Kampf gegen Windmühlen. Und das sei nicht nur ein Remscheider, sondern ein bundesweites Problem. „Es gibt darauf keine Patentlösung“, macht Wolff klar.

Die Dürre, die Hitzeperioden der vergangenen Jahre und der Borkenkäfer, der in den letzten Wochen noch einmal ausgeschwärmt sei und nun die letzten grünen Fichten angreife, haben dafür gesorgt, dass im großen Stil Fichten im Remscheider Wald abgestorben seien. Von den 2300 Hektar Remscheider Waldfläche sind bereits etwa 10 Prozent abgestorben, schätzt Wolff. An der Eschbachtalsperre, in Dörpholz, in Westen, im ganzen Stadtgebiet ist es unübersehbar. „Es war nicht überhaupt absehbar, dass wir fast den ganzen Altfichtenbestand durch Trockenheit und Borkenkäfer verlieren würden“, sagt der Leiter des Stadtforstamtes. Eine große Bewässerung sei nicht möglich - wie auch? Welche Kosten bislang auf die Stadt zukommen, kann Markus Wolff noch nicht sagen. Nur so viel: „Es sind enorme auch ökologische Schäden entstanden.“

Markus Wolff, Leiter des Stadtforstamtes.

Auch der Juni war im Schnitt deutlich zu warm, sagt Wolff, hinzu komme ein Wasserdefizit, das seit Jahren bestehe. Und dazu kommen nun auch Buche und Eiche, im Wald und in Parkanlagen: Sie verlieren zum Teil ihr Laub sowie Totäste und Kronenteile. Die Forstwirte müssen dann ausrücken und für die Gefahrenabwehr sorgen, aufräumen.

„Die Wiederbewaldung ist keine Sache von heute auf morgen.“

Markus Wolff

Weiteres Problem: Überall dort, wo diese Bäume Lücken reißen, hat die Sonne zusätzlichen Eingang in die bislang beschatteten Bereiche, so dass die daneben stehenden Bäume auch wieder ein Problem bekommen können - eine Kettenreaktion. „Es ist bekannt, dass Laubbäume sehr viel länger und später auf solche Trockenereignisse wie 2018, 2019 und 2020 reagieren“, sagt Wolff. „Es hat auch nie eine wirkliche Erholung gegeben durch eine lange, kühle und feuchte Phase, wodurch der Wasserspeicher in den Böden hätte aufgefüllt werden können. Ein paar Tage Regen reichen hier nicht aus.“

Um das Totholz zu bergen, arbeitet man im Stadtforstamt laufend an der Schadensbehebung, auch mit einem Harvester und einem Rückepferd. „Wir müssen dabei sowohl tote als auch frisch befallene Bäume im größeren Umfang einschlagen“, erklärt der Leiter des Stadtforstamtes. Denn gerade im Bereich von Straßen könne man nicht mehr standsichere Nadelgehölze nicht einfach stehen lassen - das sei viel zu gefährlich.

Das Fortschreiten des Baumsterbens sei eine extreme Herausforderung für alle Beteiligten. Und es binde Personal, Zeit und Geld - und sorgt dafür, dass andere Dinge liegen bleiben, sagt Markus Wolff. Und dann kommt Corona noch oben drauf. Und die große Frage bleibt: Wie geht es weiter? Bis zu 20 000 Bäume werden pro Jahr im Remscheider Wald neu gepflanzt. „Doch bei dieser Witterung laufen wir Gefahr, dass viele davon vertrocknen“, erklärt Markus Wolff.

Die Wiederbewaldung sei eine Generationenaufgabe, und keine Sache von heute auf morgen, macht Markus Wolff deutlich. Seit Jahren sei man bereits gefühlt rund um die Uhr dabei zu kämpfen. Aber es sei ein Kampf gegen einen übermächtigen Gegner namens Klimawandel.

Der Remscheider Wald

Fläche: 2300 Hektar Fläche umfasst der Remscheider Wald. 60 bis 70 Prozent sind in privater Hand, etwa 40 sind städtisch. Die TBR vermarkten das Holz bestmöglich. Sie verkaufen es an den regionalen Holzhandel, bundesweit und ins Ausland.

Waldbrandgefahr: Es herrscht Waldbrandgefahr, daher gilt zwischen April und Oktober ein striktes Rauchverbot - und zwar überall im Wald.

Standpunkt von Michelle Jünger: Kein leichtes Vorhaben

michelle.juenger@rga.de

Ziemlich licht sind manche Stellen in Remscheid und Umgebung geworden. Das ist schlecht, so ist der Wald doch auch Heimat vieler Tiere und Pflanzen, die unter dessen Sterben ebenfalls leiden. Die Idee der 60er und 70er Jahre die Wälder mit Fichten zu bepflanzen, um regional Holz verfügbar zu machen, erschien mal klug. Doch im Zuge des Klimawandels zahlt unser Wald nun einen hohen Preis. Ein Mischwald muss her, ein Ziel an dem die TBR nun schon lange erfolgreich arbeitet.

Ökologischer Waldumbau ist vielschichtig, wie auch das Konzept der Stadt zeigt. Mehr und robustere Sorten pflanzen, junge Bäume durch Öffnungen im Blätterdach im Wachstum fördern, das anfallende Holz verwerten – Alles wichtige Bestandteile zum Schutz von Remscheids Wäldern. Allerdings ist der Klimawandel ein mächtiger Gegner, der mit harten Bandagen kämpft. Dagegen hat auch das beste Konzept vielleicht keine Chance.

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