450-Quadratmeter-Kleingarten

Jennis und Daniels Garten ist eine Streetwork-Erfolgsgeschichte

Jennifer Lendt (23) und Daniel Moritz (25) wollen aus dem verwilderten Kleingarten in Kremenholl einen Rückzugsort machen. Foto: Roland Keusch
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Jennifer Lendt (23) und Daniel Moritz (25) wollen aus dem verwilderten Kleingarten in Kremenholl einen Rückzugsort machen.

Amelie Sophie Preyss und Marcel Gratza vermittelten den Remscheidern einen Kleingarten. Die Nachbarn haben sie freundlich in der Gemeinschaft aufgenommen.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Der Wildwuchs hat sich gelichtet und unter dem ehemaligen Müllberg lugt nun eine Terrasse hervor: Jennifer Lendt (23) und Daniel Moritz (25) haben derzeit in ihrem 450-Quadratmeter-Kleingarten alle Hände voll zu tun. Vergangene Woche häckselten sie sechs Stunden am Stück alle Zweige, die ihnen vor die Nase kamen. Denn die Parzelle des Kleingartenvereins am Kremenholl gleicht eher einer Wildnis statt einem Erholungsort. Noch. Denn die beiden besten Freude haben ein Ziel: Ihre kleine Oase soll im Sommer fertig sein. „Oder zumindest Grund drin sein, so dass wir die Terrasse nutzen und chillen können“, sagt Jennifer, die derzeit jeden Tag mit dem Bus zum Kremenholl fährt. Weil sie momentan auf Jobsuche ist, hat die 23-Jährige Zeit, sich um das Projekt Garten zu kümmern. Daniel macht derzeit eine Ausbildung zum Verkäufer bei einem Tierfachgeschäft in Solingen und stößt nach der Arbeit dazu.

Gemeinsam haben die beiden schon viel erreicht: Das Gerümpel, das der Vormieter hinterlassen hat, stapelt sich nun auf einem Haufen. „Das war alles in der Hütte“, sagt Daniel. Einen Weg haben die beiden aus bereits vorhandenen Steinen selbst angelegt. Alles wurde freigeschnitten. Unterstützt werden die beiden jungen Gärtner von Sascha Hilten, der Geräte stellt und den Schutt abtransportiert. „Das könnten wir ja gar nicht allein“, sagt Lendt.

„Die Ruhe ist das Schönste hier.“

Daniel Moritz (25)

117 Euro im Jahr kostet der Garten, die beiden teilen sich die Miete. Geplant sind eine Feuerstelle und Teiche. Daniel möchte Salat anpflanzen. „Es soll einfach ein Rückzugsort werden“, sagt Jennifer. „Die Ruhe ist das Schöne hier“, ergänzt Daniel. Kennengelernt haben sich die beiden bei einer Maßnahme bei Grone 2019. Seitdem sind sie beste Freunde.

Den Kleingarten haben sie über die städtischen Streetworker Amelie Sophie Preyss und Marcel Gratza vermittelt bekommen. „Die Nachbarn grüßen uns alle, helfen uns mit Material oder laden uns zum Grillen ein“, erzählt Jennifer.

Und das freut die Streetworker besonders. Das Gartenprojekt ist eine Erfolgsgeschichte. „Man sieht daran, dass viele Erwachsene gar nicht so negativ behaftet gegenüber jungen Leuten sind“, sagt Amelie Sophie Preyss. „Jenni und Daniel wurden von Anfang an gut aufgenommen in der Gemeinschaft.“ Preyss und Gratza schauen selbst regelmäßig in Kremenholl vorbei. „Das Schöne ist: Man sieht immer wieder, dass Spaziergänger am Zaun stehen bleiben und Kontakt zu den beiden suchen.“ Zudem sei bei jedem Besuch ein Fortschritt erkennbar. „Die beiden können stolz darauf sein, was sie geschafft haben.“

Aber: Gerade fehlender Zuspruch sowie vielfältige Ängste prägen derzeit die Beratungen der Streetworker. Sechs junge Leute kommen regelmäßig ins Büro, zudem haben die Streetworker Kontakt zu Gruppen, die sich draußen treffen. Preyss und Gratza vermitteln und begleiten, hören zu. Denn die psychischen Probleme haben in der Pandemie auch bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zugenommen, merkt Amelie Sophie Preyss.

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