Tarifabschluss

Kitas müssen Entlastungstage verkraften

Im März, damals noch bei bitterer Kälte, hatten die Erzieherinnen und Erzieher gestreikt. Inzwischen ist die Einigung da. Ganz klar, was sie für die Stadt heißt, ist es aber noch nicht. Archivfoto: Roland Keusch 
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Im März, damals noch bei bitterer Kälte, hatten die Erzieherinnen und Erzieher gestreikt. Inzwischen ist die Einigung da. Ganz klar, was sie für die Stadt heißt, ist es aber noch nicht.

Tarifabschluss für Erzieher: Mehr Geld und mehr Freizeit.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Rund 375 000 Euro mehr noch in diesem und 750 000 im kommenden Jahr wird der Tarifabschluss für die Beschäftigten im Sozialbereich die Stadt voraussichtlich kosten. Das hat Jörg Biermann, Leiter des Personalamtes, für die rund 390 betroffenen Mitarbeiter, etwa 300 davon in den städtischen Kitas, ausgerechnet. Doch mehr noch als auf das Geld schauen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite seit dem Abschluss der Verhandlungen vor über einer Woche auf die organisatorischen Aspekte der Tarifeinigung.

Denn die sieht neben monatlichen Zulagen zwischen 130 und 180 Euro auch zwei sogenannte Entlastungstage zusätzlich zum eigentlichen Urlaub vor. Und die Möglichkeit, darüber hinaus Teile des Gehalts in weitere freie Tage umzuwandeln. Wie das in der Praxis kompensiert werden soll, sei derzeit noch unklar, sagen Stadt wie Arbeitnehmervertretung - und verweisen darauf, dass der genaue Text der Vereinbarung erst Mitte Juni verfasst werden soll.

Lesen Sie dazu: Kita-Streik - Viele Eltern müssen sich selbst um Alternativen kümmern

Sicher sei aber bereits jetzt, dass die Kitas die zusätzlichen freien Tage irgendwie ausgleichen müssen, betont Judith Prinz, Mitglied im Personalrat der Stadt und selber stellvertretende Leitung eines städtischen Kindergartens. „Vielleicht entwickelt der Dienstherr ja ein Konzept“, sagt sie. Wahrscheinlicher sei aber, dass jede Kita eine passende individuelle Lösung erarbeiten müsse. „Die Einrichtungen sind zum Teil sehr unterschiedlich.“

Und vielen bleibe dann wohl nichts anderes übrig, als die zusätzlichen freien Tage „gut übers Jahr zu verteilen“, sagt Prinz. Über die Leitungsbesprechung könnten zudem Anregungen zwischen den Kitas ausgetauscht werden: „Wir Erzieherinnen sind gut vernetzt.“

Die Verantwortung, dass der Betrieb trotzdem weiterläuft, bleibe am Ende an den Führungsteams der Einrichtungen hängen, befürchtet die Leitung einer anderen Einrichtung: „Wir müssen dann gucken, wie wir das organisatorisch gelöst bekommen, dass alle zufrieden sind, die Kollegen und die Eltern.“ Dass die Stadt zum Beispiel festlegt, dass alle Kitas an Brückentagen schließen, um die Erholungstage abzufeiern, sei sicherlich weder im Sinne aller Eltern, noch des Personals.

Mehr Mitarbeiter wird es als Ausgleich für die Erholungstage wohl nicht geben. Das sehe das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) nicht vor, sagt die Leiterin. Und selbst wenn, gebe es dafür ja gar nicht genug Fachkräfte. Und wohl auch kein Geld.

Standpunkt von Frank Michalczak: Brückentage nutzen

frank.michalczak@rga.de

Es gibt sicher nur ganz wenige, die den Beschäftigten im Sozialsektor der Stadt Remscheid die zusätzlichen Entlastungstage nicht gönnen. Zusätzliche Zeit ist schließlich mehr wert als alles Geld der Welt. Und auf den ersten Blick klingen zwei Tage pro Mitarbeitenden auch nicht allzu viel.

Aber: Bei 300 Kolleginnen und Kollegen in den städtischen Kitas kommen 600 Arbeitstage zusammen, an denen in den Einrichtungen eine Kraft nicht da ist, weil sie sich eine zusätzliche Auszeit nimmt. Die Folge darf nicht sein, dass sich die Arbeit und der Stress in den Betreuungsgruppen weiter verdichten oder dass die Mitarbeitenden das Fehlen ihrer Kolleginnen und Kollegen kompensieren müssen, indem sie Sonderschichten fahren. Denn damit wäre gar nichts gewonnen.

Es gilt, in den Häusern individuelle Lösungen zu finden und zum Beispiel Brückentage zu nutzen, an denen ja auch viele Eltern frei haben. Diese benötigen vor allem eines: Planungssicherheit.

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