Bedarf an Plätzen ist noch enorm

Kitas: Ausbauziel für 2024 angestrebt

Die städtische Kindertagesstätte Am Stadtpark ist momentan in die Kita Hölterfeld ausgelagert. Kommende Woche werden die Container von der ehemaligen Rollschuhbahn auf den Schützenplatz umgesetzt. Die Notbetreuung für die Stadtpark-Kinder läuft derweil in der Unterhölterfelder Straße weiter - auf dem Foto sind der Kita-Leiter Tobias Krüger und seine Stellvertreterin Lisa Fister mit vier Kindern.
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Die städtische Kindertagesstätte Am Stadtpark ist momentan in die Kita Hölterfeld ausgelagert. Kommende Woche werden die Container von der ehemaligen Rollschuhbahn auf den Schützenplatz umgesetzt. Die Notbetreuung für die Stadtpark-Kinder läuft derweil in der Unterhölterfelder Straße weiter - auf dem Foto sind der Kita-Leiter Tobias Krüger und seine Stellvertreterin Lisa Fister mit vier Kindern.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Verzögerung bei der Fertigstellung von zwei neuen Tagesstätten.

Remscheid. 4224 Kinder werden in den 65 Remscheider Kitas zum Stichtag 1. August unterkommen. Immer noch fehlen 600 Plätze. Schritt für Schritt wird das Delta abgebaut. Im Jugendamt läuft die Koordination dafür mit Hochdruck. Neue Einrichtungen müssen her, um Lücken zu schließen. Acht Kitas und Gruppen sind in den letzten Jahren schon in Betrieb genommen, 480 Plätze geschaffen worden. Weitere drei stehen vor der Eröffnung.

Die Fertigstellung der Kindertagesstätten (KTE) Weltkinder an der Sedanstraße (80), Tannenhof II (100) und Grillardor an der Lüttringhauser Straße (80) geht auf die Zielgerade. Im Schlussspurt kämpfen die Investoren jedoch mit den momentan üblichen Verzögerungen: Es mangelt an Handwerkern und Baumaterialien. Ursprünglich für den 1. August geplant, wird der Start an der Sedanstraße und auf dem Tannenhof-Gelände erst in ein paar Monaten sein. „Zum 1. Januar 2023 gehen wir davon aus, 312 Kinder mehr aufnehmen zu können“, kalkuliert Peter Nowack, Abteilungsleiter im Jugendamt mit Kindertagesstätten und der Tagespflege beauftragt.

„Im 8. Jahr haben alle Kitas Überbelegungen zugesagt.“

Peter Nowack, Jugendamt

In der Planung sind die Kitas Flurweg in Lennep (hinter der Jet-Tankstelle, angrenzend an die Firma Oerlikon Barmag), Burger Straße, Rosenstraße und Stauffenbergstraße. Hinzugesellt sich ein spektakulärer Umzug: Die Kita Am Stadtpark, ein Provisorium, das nächste Woche mit seinen Containern für zwei Jahre buchstäblich ins nächste Provisorium auf den Schützenplatz gehievt wird, damit an dem jetzigen Ort, der ehemaligen Rollschuhbahn, eine neue Kita entstehen kann. Diese soll mit 110 Plätzen zumindest die Sechsgruppigkeit des Hastener „Waldkrönchens“ erreichen. „Es könnten auch acht Gruppen werden“, deutet Peter Nowack an.

Der Ausbaubedarf bis 2024/25 ist auf 1123 Plätze festgelegt. Können alle Planungen rechtzeitig umgesetzt werden, kämen sogar 1182 Plätze hinzu. Ob dies reicht, ist allerdings die Frage. Jugendhilfeplaner Til Rebelsky ist dabei, verlässliche Bedarfe zu ermitteln. Im Herbst sollen die Ergebnisse vorliegen. „Es geht eindeutig in Richtung U 3“, erklärt Nowack. Geplant ist Ü 3 mit einer Quote von 98 Prozent, bei den Unter-Dreijährigen startete Remscheid mit 20 Prozent, kletterte auf 35, dann 42 % und ist bei 46 Prozent Versorgungsquote angelangt. Damit liegt Remscheid über dem NRW-Schnitt (39,8 %).

Das Jugendamt dreht an allen Schrauben, um Rechtsansprüchen, Notfällen und Flüchtlingen gerecht zu werden. „Im achten Jahr haben alle städtischen Einrichtungen, konfessionelle und freie Träger Überbelegungen zugesagt“, lobt Nowack die ungebrochene Bereitschaft, das Problem zu begrenzen. Die Regelgruppenstärke von 20 um zwei zu erhöhen, ist möglich. „Was darüber hinausgeht, müssen wir dem Landesjugendamt genau begründen.“ Peter Nowack nennt die 72 ukrainischen Kinder, die zusätzlich in die Kitas integriert wurden. „Das ist eine enorme Zahl für die Kürze der Zeit“, zollt Nowack auch dafür den Erzieherteams Respekt. Beantragt beim Land ist die Finanzierung von Brückenprojekten, die in den städtischen Kitas Sedanstraße, Hölterfeld und Hasenberg nach den Ferien beginnen sollen. Über Spielgruppen sollen dabei Flüchtlinge integriert werden. Gesucht wird dafür Personal. Nowack denkt an pensionierte Erzieher(innen).

Um auch im Normalbetrieb der Nachfrage gerecht zu werden, bedarf es zusätzlicher Fachkräfte. 400 sind in den 20 städtischen Kitas beschäftigt. Gesucht wird ständig. „Es gibt immer zwischen fünf bis zehn Stellen, die wir nachbesetzen können“, sagt Nowack. Personalgewinnung und Qualifizierung sind essenziell. Mund-zu-Mund-Propaganda und ein guter Ruf der Stadt als Arbeitgeber würden helfen, Nachwuchs zu rekrutieren, stellt Nowack fest. Jedes Jahr werden acht PIA-Absolventen (praxisintegrierte Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher; drei Jahre) und acht Berufspraktikanten (zwei Jahre Schule plus ein Anerkennungsjahr) fertig.  Das Jugendamt begrüßt, dass die Landesregierung eine Fachkräfteoffensive ankündigt, verbunden mit der Stärkung von Berufskollegs, die Erzieher ausbilden wie das KKB, der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, mehr Angeboten in Randzeiten und Entlastung von Kita-Leitungen durch Verwaltungsassistenten.

Kita-Bestand in Schuss halten

Ganz wichtig sei, betont Nowack den Bestand in Schuss zu halten. Nicht nur in Beine, auch in Steine zu investieren. Abgeschlossen sind Sanierungen in Vieringhausen und Eisernstein, Dicke Eiche steht vor der Fertigstellung. In Rosenhügel, Sedanstraße und Hölterfeld laufen Maßnahmen, weitere sind 2023 geplant in der Lüttringhauser Straße, Hasenberg und Henkelshof. 8,2 Millionen Euro wendet die Stadt dafür auf.

Passend zum Thema: Remscheiderin sucht verzweifelt einen Kita-Platz für ihren Sohn

Standpunkt von Andreas Weber: Mit einem langen Atem

andreas.weber@rga.de

Was denn los sei mit den beiden Kita-Neubauten in der Burger- und Sedanstraße, wollte die Bezirksvertretung Süd vom Jugendamt wissen. Die Missstimmung über zwei noch nicht fertiggestellte Bauprojekte ist zwar nachvollziehbar, aber am Ende nicht gerechtfertigt. Ärgern ist erlaubt, an den faktischen Gegebenheiten kommt niemand vorbei. Lieferengpässe und Rohstoffmangel lassen Wirtschaft und Handwerk lahmen, mithin müssen Eröffnungen bei dringend benötigten neuen Kitas über den Haufen geworfen werden. Das Kita-Geschäft benötigt einen langen Atem.

Investoren und Träger müssen gefunden werden, was in der Regel das geringste Problem ist. Bürokratische Hürden aus dem Weg zu räumen, Auflagen bei Grundstücken zu erfüllen, ist dagegen ein zäher Prozess. Die nun auftauchenden zusätzlichen Schwierigkeiten kann das Jugendamt nur zur Kenntnis nehmen. Es befindet sich auf einem guten Weg, die Rechtsansprüche zu erfüllen, wenngleich dieser bis 2024 noch dornig bleiben wird.

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