Lockerung der Corona-Einschränkungen?

Kinos in der Region setzen auf den April

Jörg Bender leitet das Cinestar Remscheid. Er sagt: „Sie können Heimkino nicht mit der Erlebnisatmosphäre im Kino vergleichen.“ Archivfoto: Roland Keusch
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Jörg Bender leitet das Cinestar Remscheid. Er sagt: „Sie können Heimkino nicht mit der Erlebnisatmosphäre im Kino vergleichen.“ Archivfoto: Roland Keusch
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Die Kinos Cinestar Remscheid, Film-Eck Wermelskirchen und Lumen Solingen hoffen, bald schon wieder öffnen zu können. Sie rechnen aber mit weiteren Einschränkungen – und einem neuen Problem.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Alles neu macht der Frühling – darauf hoffen die Kinos in Bergischen. Die Betreiber von Cinestar Remscheid, Lumen Solingen und Film-Eck Wermelskirchen setzen auf den April. Zu Ostern, wenn neues Leben erwacht, hoffen auch sie auf eine Wiedergeburt nach dem monatelangen Lockdown. Wir haben uns umgehört.

Cinestar Remscheid: „Die Tendenz in Richtung Ostern sieht ganz gut aus“, sagt Jörg Bender, Theaterleiter des Cinestars am Remscheider Hauptbahnhof. „Aber es muss auch hier eine bundesweite Regelung geben, dass der größte Teil der Kinos aufmacht“, fordert er. „Sonst kriegen wir nicht die Filmware, die wir benötigen, um ein attraktives Programm zeigen zu können.“

Remscheid: Kinos freuen sich auf hochkarätige Filme wie James Bond

Selbst wenn die Häuser wieder öffnen dürfen – gibt es denn dann überhaupt Filme, die gezeigt werden können? „Filme gibt es jede Menge“, betont Bender. Zahlreiche Streifen seien 2020 um ein Jahr verschoben worden – und stünden jetzt in den Startlöchern. Zum Beispiel „Godzilla vs. Kong“, „James Bond – Keine Zeit zu sterben“, „Fast & Furious 9“, „Minions 2“, „Top Gun: Maverick“ oder „Suicide Squad 2“. „Alles Hochkaräter“, sagt der Filmexperte.

Hinzu kommen die Low-Budget-Produktionen. „Das Schöne daran ist, dass die großen Studios beziehungsweise die Filmverleiher diese Riesen-Blockbuster extra für einen Start in den Kinos ausgesprochen haben.“ Von daher glaube er nicht, dass sich die Zuschauer daheim nur noch auf Netflix, Amazon Prime und Disney Plus beschränken. „Die tatsächlichen Blockbuster, die ins Netz abgewandert sind, sind überschaubar.“

Kino sei eben viel mehr, als nur im Sessel zu sitzen. „Sie können kein Heimkino mit einer großen Leinwand mit Erlebnisatmosphäre vergleichen.“ Ein Kino-Abend sei ein Event mit allem, was dazugehört: Popcorn, Cola, Riesen-Leinwand, Top-Sound, bequemem Sessel und dem anschließenden Austausch bei einem Bier – und das mache es aus. Bender glaubt: Viele Bürger wollen raus.

Remscheid: Kinos rechnen mit reduzierten Besuchern bei Hygienekonzept

Gleichwohl rechnet er damit, dass nach der Wiedereröffnung und sicher bis Ende des Jahres nur ein Teil der 1074 Plätze in sechs Sälen des Cinestars besetzt werden kann und die gängigen Hygienekonzepte bleiben. „Das Wichtigste ist aber, dass wir wieder Kino präsentieren können.“ Die rund 25 Remscheider Mitarbeiter seien aktuell in Kurzarbeit. „Wir sitzen auf heißen Kohlen. Wir wollen Kino machen.“

Film-Eck Wermelskirchen: Auch wenn die Szene vorsichtig mit April rechne – „Wissen tun wir überhaupt nichts“, sagt Klaus Schiffler vom Film-Eck an der Telegrafenstraße. Gemeinsam mit seiner Frau Christel schmeißt er den Laden. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir im Unruhestand stand sind, dadurch hat uns das nicht ganz so schwer gejuckt wie andere.“

Die Schifflers hoffen, dass sie zumindest mit den reduzierten 72 statt 115 Plätzen wieder an den Start gehen können. Ihr Publikum ist älteren Semesters. „Wir haben zwar ein Stammpublikum, aber auch das wird wahrscheinlich erst mal ausbleiben – aus Angst, sich vielleicht doch anzustecken.“ Auch wenn man selbstverständlich alle Vorschriften einhalte. Was die Filmstarts angeht, ist er skeptisch. „Ich habe gestern noch in unsere Übersicht der Filmstarts geguckt, da war nichts drin.“ Kleine Verleiher seien noch fleißig, große amerikanische böten Filme nun auf Netflix an, dann erst fürs Kino. „So etwas machen wir nicht mit“, betont Schiffler, der glaubt, dass Corona noch lange das alltägliche Leben bestimmen wird.

Kino gibt es nur im Kino.

Meinolf Thies, Lumen Solingen

Lumen Solingen: Bei Meinolf Thies und seinem Team „stirbt die Hoffnung jeden Monat aufs Neue zuletzt“. Man müsse abwarten, was die nächste Berliner Elefantenrunde am 3. März ergebe – dann könne geplant werden. Theoretisch sei der nächste denkbare Wiedereröffnungstermin Mitte März. „An den glaubt realistisch aber keiner“, sagt Thies und appelliert: „Es wäre toll, wenn die Politik ein Erbarmen mit der Kultur hätte – wie es Herr Laschet auch versprochen hat.“ Dies müsse aber auch mit Bedingungen einhergehen, die ein Betreiber brauche. „Wenn die Zuschauer überall Maske tragen müssen und kein Verzehr möglich ist, machen wir die Bude nicht auf. Es ist einfach nicht wirtschaftlich.“ Mit angezogener Handbremse Kino zu machen – das mache wohl niemand mit.

Studien und Gutachten hätten ergeben, dass keine einzige Infektion auf einen Kinobesuch zurückzuführen sei, sagt Thies. Das Hygienekonzept zwischen Lockdown 1 und 2 sei dem Lumen gut gelungen. Auch Thies rechnet mit weiteren Einschränkungen. „Das Konzept wird dasselbe sein wie vorher – solange es nicht jede dritte Reihe sein muss.“

Solingen: Streaminganbieter werden zum Problem für Kinos – vielleicht

Das Solinger Lumen verfügt über acht Säle mit mehr als 1150 Plätzen. Die Filme seien indes nicht das Problem. „Die Ware ist da.“ Streaminganbieter könnten aber eventuell zum Problem geworden sein. „Es gibt Stimmen, die sagen, es haben nun so viele Leute Streaming-Abos abgeschlossen, dass es das Kino schwer haben wird. Es gibt aber auch Stimmen, die sagen: Wenn ihr endlich wieder geöffnet habt, ist es egal, was ihr spielt, die Leute werden kommen, weil sie raus wollen.“ Der Mensch sei ein Herdentier und könne dies nur ausleben, wenn er andere Menschen treffe. Wie im Kino.

Dieses habe einen entscheidenden Vorteil: den Eventcharakter. „Kino gibt es nur im Kino“, betont der Lumen-Geschäftsführer. „Sie können zu Hause nicht so laut wie wir und Sie haben zu Hause auch nicht so eine tolle Sicht wie wir.“

Seit 2. November des Vorjahres flimmert in den Lichtspielhäusern der Region nichts mehr über die Leinwand – abermals. Neben den Kinos bleiben im Lockdown bislang auch Theater, Kleinkunstbühnen, Opern, Museen, Konzerthäuser, Freizeitparks, Spaßbäder, Fitnessstudios und Messen dicht.

Standpunkt: Das Warten lohnt sich

Meinung von Sven Schlickowey

sven.schlickowey@rga-online.de

Es wirkt ein wenig wie das Pfeifen im Walde, wenn Kinobetreiber nicht müde werden, zu betonen, wie einzigartig der Filmgenuss in den großen Lichtspielhäusern ist – während halb Deutschland zeitgleich zu Hause vor der Flimmerkiste mit Streamingdienst sitzt. Am Ende droht den Kinos ein ähnliches Schicksal wie dem Einzelhandel: Alle finden ihn irgendwie töffte, aber das Geld tragen viele woanders hin. Einen Unterschied gibt es allerdings: Während der Pulli, den ich im Center kaufe, der gleiche ist, den ich auch online bekomme, gibt es die ganz großen Filme eigentlich erst mal nur im Kino.

Eigentlich, den angesichts des Lockdowns findet inzwischen der eine oder andere Blockbuster nun doch zuerst den Weg ins Wohnzimmer. Das ist aus Sicht der Studios verständlich, schließlich wollen sie Geld verdienen. Wir Konsumenten müssen uns aber überlegen, ob wir das wirklich wollen. Wenn nicht, kann man seine Meinung leicht zum Ausdruck bringen – indem man den Fernseher auslässt. Auf richtig großes Kino kann man auch bis nach dem Lockdown warten.

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