Verein beklagt Minus bei Spenden

Kinderschutzambulanz nicht im Stich lassen

Setzen sich täglich für vernachlässigte und missbrauchte Kinder ein: (v. l.) Martin Roggenkamp, Dr. Thomas Schliermann und Birgit Köppe-Gaisendrees von der Ärztlichen Kinderschutzambulanz. Foto: Roland Keusch
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Setzen sich täglich für vernachlässigte und missbrauchte Kinder ein: (v. l.) Martin Roggenkamp, Dr. Thomas Schliermann und Birgit Köppe-Gaisendrees von der Ärztlichen Kinderschutzambulanz.

Diskussion im Rat über CDU-Antrag – Jugendhilfeausschuss entscheidet.

Von Andreas Weber

Remscheid. 77 Punkte zählte die Tagesordnung der Ratssitzung. An einer Stelle, wo die Fraktionen grundsätzlich auf einer Linie liegen, entbrannte die längste Diskussion des Abends. Eine halbe Stunde ging es um häusliche Gewalt und die Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisches Land. In einem Antrag wollte die CDU wissen, wie hoch der finanzielle Mehraufwand bei der Ambulanz aufgrund der Pandemie sei und sprach „von dringendem Handlungsbedarf“. Um die Arbeitsfähigkeit im Sinne der Abwehr der Kindeswohlgefährdung zu gewährleisten, regte die CDU weitere städtische Unterstützung an – „die Zeit dränge“. Mathias Heidtmann berichtete von „einer Schieflage, die durch fehlende Spendengelder entstanden sei“.

Dies ist im Grundsatz richtig. Jedes Jahr muss der Verein, der die Ambulanz trägt, um die 200 000 Euro selber aufbringen, um seinen 800 000-Euro-Etat zu sichern. „Unser Ziel ist es immer wieder aufs Neue, in einem Herzschlagfinale mit einer schwarzen Null abzuschließen“, erklärte Vereinsvorsitzender und Kinderarzt Dr. Thomas Schliermann dem RGA im Nachgang zur Ratssitzung.

25 Prozent des Gesamtaufwandes wirbt die Ärztliche Kinderschutzambulanz jedes Jahr selber ein. Klinkenputzen zählt zwangsweise zum Geschäft. Seit 31 Jahren ist diese Zusatzaufgabe, die der Verein neben der fachlichen Arbeit leistet, leidiges Dauerthema.

2020 fehlen, weil Corona die Spendenbereitschaft bremste, 30 000 Euro, um die besagten 200 000 Euro zu erreichen. Weil die Fallzahlen tatsächlich gestiegen sind, das Personal am Limit arbeitet, wird das Ambulanz-Team künftig um 1,5 Stellen aufgestockt. Heißt für kommendes Jahr, dass noch mehr Spenden akquiriert werden müssen: „Wir werden 250 000 Euro an Spenden aufbringen müssen“, kalkuliert Leiterin Birgit Köppe-Gaisendrees. Die RGA-Spendenaktion „Helft uns helfen“ wird dazu mit Sicherheit einen nennenswerten Beitrag leisten.

Die Christdemokraten wollen aber angesichts der Wichtigkeit der Aufgabe und der steigenden Summe, die die Kinderschutzambulanz selbst zu schultern hat, zur Seite springen und die Stadt noch stärker in die Pflicht nehmen.

Sozialdezernent Thomas Neuhaus betonte, dass es ein gutes Einvernehmen mit der Ärztlichen Kinderschutzambulanz gebe und erläuterte den momentan Beitrag: Die Stadt schießt jährlich eine Grundfinanzierung von 30 000 Euro für unterschwellige Angebote zu und übernimmt die Abrechnung der Fachleistungsstunden für die Remscheider Kinder und Jugendlichen, die die Ambulanz betreut. „Diese Fallpauschalen rechnen wir ohne Limit ab“, sagte Neuhaus.

„Diese Diskussion ist des Rates unwürdig.“
Tanja Kreimendahl (CDU)

Die CDU hält die Unterstützung in Zeiten des Lockdowns, da häusliche Gewalt mutmaßlich zunimmt, für ausbaufähig. Entgegen der Polizeistatistik, die in den ersten elf Monaten 2020 keinen spürbaren Anstieg bei häuslicher Gewalt verzeichnete, war sich Mathias Heidtmann sicher: „Niemand, der mit Jugendhilfe beschäftigt ist, glaubt, dass die Zahlen nicht nach oben gegangen sind.“ Sven Wolf (SPD) teilte diese Einschätzung: „In pandemischen Zeiten nehmen die Spannungen bei ganz vielen Familien zu. Das dürfen wir nicht vergessen.“

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) regte an, die Thematik ausgiebig im zuständigen Fachgremium, dem Jugendhilfeausschuss am 10. Februar zu diskutieren. Als Dr. Stefanie Bluth (SPD) einwarf, beim Kindeswohl in Zukunft noch mehr Augenmerk auf die Prävention zu legen, trat Tanja Kreimendahl (CDU) erzürnt ans Saalmikrofon in der AES-Aula: „Ich habe so etwas noch nie gesagt, aber diese Diskussion hier ist eines Rates unwürdig.“

Am Ende verständigten sich die Fraktionen darauf, im Jugendhilfeausschuss über weitere Hilfen für die Kinderschutzambulanz zu sprechen.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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