RGA vor Ort in Lüttringhausen

Kinderarztpraxis Lüttringhausen hat sich eingelebt

Marta Wiczling, Sandra Kunz und Clarissa Geusa haben sich inzwischen in den neuen Praxisräumen eingelebt. Nun fehlen nur noch die neuen Möbel. Foto: Doro Siewert
+
Marta Wiczling, Sandra Kunz und Clarissa Geusa haben sich inzwischen in den neuen Praxisräumen eingelebt. Nun fehlen nur noch die neuen Möbel.

Der Umzug ist erledigt, jetzt stehen weitere Veränderungen an.

Von Sven Schlickowey

-

Remscheid. Drei Monate nach dem Umzug an die Gertenbachstraße hat sich das Team der Lüttringhauser Kinderarztpraxis in den neuen Räumen eingelebt. „Alles ist größer, moderner heller“, schildert Clarissa Geusa, die als Medizinische Fachangestellte bereits am alten Standort an der Richthofenstraße dabei war, ihre Eindrücke. Sie ist nicht nur froh, dass es grundsätzlich weitergeht mit der Praxis, sie freut sich auch, dass der Betrieb zukünftig ganz in Regie der Stadt laufen wird.

Derzeit beschaffe die Verwaltung die neue Einrichtung, berichtet Geusa. Neben Möbeln auch neue Geräte. „Wir bekommen definitiv ein Ultraschall-Gerät.“ Das brauche man unter anderem für die Vorsorgeuntersuchung U3 bei Säuglingen. „Bisher mussten wir die Eltern immer an andere Praxen verweisen.“ Außerdem sei ein EKG- und ein Gerät für Lungenfunktionstests in der Planung. „Damit können wir unser Leistungsspektrum deutlich erweitern.“

Auch das Praxisteam habe sich inzwischen vergrößert. „Früher waren wir meistens nur zwei Vollzeitkräfte und eine Ärztin“, erinnert sich Clarissa Geusa. Inzwischen gebe es mit ihr vier Fachangestellte, eine weitere fange im Oktober an, eine Auszubildende bereits im August. Zudem habe eine zweite Ärztin angeheuert, eine dritte komme bald dazu. „Die Stadt hat sich wirklich gut gekümmert.“

„Wir machen das vernünftig, gerade weil wir die Stadt sind.“

Philipp Weber

Seit klar war, dass die Stadt die Praxis übernehmen würde, hatte Sozialdezernent Thomas Neuhaus angekündigt, ein konkurrenzfähiges Angebot schaffen zu wollen. „Es ist der Mindestanspruch der Stadt, die ärztliche Versorgung in den Stadtteilen sicher zu stellen“, sagt Philipp Weber, der das Projekt bei der Verwaltung begleitet. Gerade bei der kinderärztlichen Versorgung seien kurze Wege wichtig. Doch Ziel sei es nicht nur, die Praxis weiterzubetreiben, sondern auch zu verbessern. „Wir machen das vernünftig, gerade weil wir die Stadt sind.“

Vor etwa einem Jahr wurde bekannt, dass die Diakonie Bethanien die Lüttringhauser Kinderarztpraxis aufgeben wollte, aus wirtschaftlichen Gründen, wie es hieß. Weil gleichzeitig auch eine pädiatrische Praxis in der Innenstadt vor dem Aus stand und für beide keine Nachfolger gefunden werden konnte, war die Versorgung von rund 3000 Kindern und Jugendliche gefährdet. Also sprang die Stadt ein. Derzeit noch zusammen mit Partnern, in der City mit dem Sana Klinikum, in Lüttringhausen mit dem bisherigen Betreiber, im Herbst wechseln beide Praxen dann ganz in die Verantwortung der Stadt.

Geplant sei ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit Hauptsitz in der Innenstadt und Zweigstelle in Lüttringhausen, erklärt Philipp Weber, organisiert als städtischer Regiebetrieb, also quasi als Abteilung des Gesundheitsamtes. Los gehen soll es zum 1. Oktober, der Start zum Quartalswechsel vereinfacht die Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Die notwendigen Unterlagen seien bei der KV eingereicht, der Zulassung stehe nichts mehr im Wege, sagt Weber: „Bisher sieht es gut aus, dass es zum 1. Oktober klappt.“

Dass Kommunen Arztpraxen betreiben, sei bisher überaus selten, so Weber. Weil sich aber gerade auf dem Land immer schwieriger Nachfolger für niedergelassene Ärzte fänden, könne das in Zukunft häufiger vorkommen. Dabei könnte das Remscheider Modell durchaus als Vorbild dienen, meint Philipp Weber: „Wir nehmen eine Vorreiterrolle für andere Städte ein.“

Dass das Modell für die Mitarbeiter durchaus interessant ist, zeigt, wie schnell man zusätzliches Personal für die Lüttringhauser Praxis gefunden hat. „Das Gesamtprojekt ist sicherlich attraktiv für Mediziner und Fachangestellte“, sagt Philipp Weber. So biete die Stadt zum Beispiel sicherere Arbeitsplätze.

Aber auch die Patienten und deren Eltern nehmen die neue Organisationsform offenbar gut an. Nach Umzug und Umbau seien nahezu alle Patienten wiedergekommen, berichtet Clarissa Geusa. „Und wir haben auch viele neue dazugewonnen.“ Dabei hätten noch gar nicht alle mitbekommen, dass die Praxis wieder in Betrieb ist: „Letzte Woche hatte ich noch jemanden am Telefon, der ganz verblüfft war, dass hier jemand dranging.“

Die Eltern waren es auch, die sich für den Erhalt der Praxis stark gemacht hatten – und damit vor rund einem Jahr den Stein ins Rollen gebracht hatten. „Wir sind unseren Patienten so dankbar, dass sie sich für uns eingesetzt haben“, sagt Clarissa Geusa heute rückblickend. „Das zeigt, dass wir doch vieles richtig gemacht haben.“

Hintergrund

Seit Ende April ist die Lüttringhauser Kinderarztpraxis in der Gertenbachstraße 35, im dritten Geschoss der Gertenbachpassage, zu Hause. Trotz ihres Umzuges hat sie die seit vielen Jahren bekannte Telefonnummer behalten: Tel. (02191) 57 25. Betreut werden dort Kinder vom ersten Lebenstag an und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr.

Alle Teile der RGA-Stadtteilserie finden Sie hier. 

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Mord im Pizzeria-Keller: Straße erlangte schaurige Bekanntheit
Mord im Pizzeria-Keller: Straße erlangte schaurige Bekanntheit
Mord im Pizzeria-Keller: Straße erlangte schaurige Bekanntheit
Wermelskirchener Straße nach Unfall für mehrere Stunden gesperrt
Wermelskirchener Straße nach Unfall für mehrere Stunden gesperrt
Wermelskirchener Straße nach Unfall für mehrere Stunden gesperrt
Feuerwerk steigt über der Kirmes auf
Feuerwerk steigt über der Kirmes auf
Feuerwerk steigt über der Kirmes auf
Schneller Ermittlungserfolg nach Messerstecherei in Remscheid
Schneller Ermittlungserfolg nach Messerstecherei in Remscheid
Schneller Ermittlungserfolg nach Messerstecherei in Remscheid

Kommentare