Praxenschließungen in Remscheid

Kinderarzt sieht Stadt und Sana in der Pflicht

Dr. Thomas Schliermann sieht ein Ärztehaus von Stadt und Sana als Lösung an.Foto: Roland Keusch
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Dr. Thomas Schliermann sieht ein Ärztehaus von Stadt und Sana als Lösung an.

Ohne neue Praxis stehen 1000 Jungen und Mädchen ohne medizinische Versorgung da.

Von Axel Richter

Remscheid braucht mindestens eine neue Kinderarztpraxis. Dafür zu sorgen ist aus Sicht von Dr. Thomas Schliermann „die erste und wichtigste Amtshandlung“ des neuen Oberbürgermeisters oder der neuen Oberbürgermeisterin von Remscheid. Anderenfalls sieht der ehemalige Chef des Sozialpädiatrischen Zentrums am Sana-Klinikum, die Versorgung von bis zu 1000 Kindern in Remscheid nicht mehr als gesichert an: „Dann wird es ganz kritisch.“

Schliermann, der das Remscheider Krankenhaus Anfang September nach 20 Jahren in den Ruhestand verlassen hat, sieht Stadt und Sana als Partner für eine gemeinsame Lösung an. „Stadt und Sana als Träger eines Medizinischen Versorgungszentrums mit angestellten Ärzten, das wäre ein sinnvolles Modell“, erklärt der Kinderarzt im RGA-Interview.

„Sie haben ein Baby und finden keinen Kinderarzt.“ 

Dr. Thomas Schliermann über die verzweifelte Lage mancher Eltern

Möglicherweise gehen die Überlegungen bei der Stadt bereits in diese Richtung. Wie berichtet, hatte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) für Montagabend zum Krisengipfel ins Rathaus eingeladen. Mit dabei: Sana-Geschäftsführerin Svenja Ehlers. Über den Inhalt der Gespräche wurde nichts bekannt.

Den Anlass dafür liefern zwei Praxenschließungen, die zum Jahreswechsel anstehen. Nachfolger sind nicht in Sicht. Die Zahl der in Remscheid praktizierenden Kinderärzte schrumpft damit auf sechs, wovon vier bereits jenseits des 60. Lebensjahres sind. Mit anderen Worten: Das Problem wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. In der vergangenen Woche schrieben die verbliebenen Kinderärzte deshalb einen Brandbrief ans Rathaus. Wenn jetzt nichts geschehe, breche die ärztliche Versorgung im neuen Jahr zusammen.

Schliermann kennt die Ursachen. „Die Kinderheilkunde ist weiblich“, sagt er. Doch nicht einmal die Hälfte aller neuen Kinderärztinnen wollen nach der Approbation eine eigene Praxis übernehmen. Zu hoch das unternehmerische Risiko, zu ausufernd die Arbeitszeiten. Deshalb lassen die meisten sich anstellen.

Auch jene Ärztinnen, die als Angestellte in den zwei Praxen arbeiten, die zum Jahreswechsel schließen, möchten nicht in die Selbstständigkeit wechseln. „Es muss deshalb darum gehen, sie einzusammeln und unter einer neuen Trägerschaft weiterarbeiten zu lassen“, sagt Schliermann.

Die Stadt Neuenrade im Sauerland erprobt ein solches Modell gerade. Sie hat ein Versorgungszentrum eröffnet und tritt als Arbeitgeber von Kinderärzten auf. Um so etwas müsse es auch in Remscheid gehen, sagt Dr. Thomas Schliermann. „Denn versetzen sie sich mal in die Rolle der Eltern: Sie haben ein frischgebackenes Baby und finden keinen Kinderarzt.“

Lesen Sie das ganze Interview mit Dr. Thomas Schliermann demnächst im RGA

Der Krisengipfel zur Kinderarzt-Versorgung in Remscheid endete am Montagnachmittag mit der Absichtserklärung der Beteiligten, eine gemeinsame Lösung erarbeiten zu wollen. 

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