Pandemie

Kfz-Werkstätten spüren das Homeoffice

Elvan Sahin hat in seiner Werkstatt noch etwa 30 Paar eingelagerte Winterreifen liegen. Foto: Roland Keusch
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Elvan Sahin hat in seiner Werkstatt noch etwa 30 Paar eingelagerte Winterreifen liegen.

Viele Menschen lassen derzeit ihr Auto stehen - Es gibt Einbußen, aber auch ein entspannteres Arbeiten.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Etwa 30 Paar Winterreifen liegen noch in seinem Lager, sagt Elvan Sahin, Inhaber der EGE Kfz-Werkstatt Meisterbetieb. Seit 14 Jahren arbeitet er am Neuenteich, die Auswirkungen der Corona-Pandemie bekommt er deutlich zu spüren. Die Aufträge seien zurückgegangen.

„Wenn die Leute im Homeoffice sitzen, dann steht der Wagen.“ Das Thema Kurzarbeit spiele eine noch größere Rolle. „Wenn die Leute kein Geld haben, können sie Reparaturen nicht bezahlen. Haben sie Schwierigkeiten, haben wir automatisch auch welche“, sagt Sahin.

Nicht Notwendiges, wie Inspektionen, werde aufgeschoben. Etwa ein Drittel weniger sei zu tun. So kommt es, dass auch noch immer die Winterreifen im Lager stehen: „Vielleicht fahren die Leute nicht oder sie haben kein Geld für neue Reifen.“ Umso stärker gefragt seien dafür Batterien, weil die nach der langen Zeit des Stehens nicht mehr funktionieren. Habe Sahin sonst im Winter etwa 30 Batterien verkauft, seien es jetzt an die 100.

Das Fahrzeug rückt an die zweite Stelle. Man kann ja nirgends mehr hinfahren

Reinhard Zipperling

Auch Reinhard Zipperling, Inhaber der Kfz-Technik Rainer Henze e. K., spürt die Auswirkungen des Lockdowns. „Das Fahrzeug rückt an die zweite Stelle. Man kann ja nirgends mehr hinfahren.“ Mehr als 50 Prozent Einbußen habe er zu Beginn der Pandemie gehabt, Termine wurden abgesagt.

Jetzt lägen die Einbußen in dem Familienbetrieb noch bei 35 bis 40 Prozent. Habe es früher einen Vorlauf gegeben von einer Woche, müsse man jetzt nur noch wenige Tage auf einen Termin warten. „Wir planen die Autos auf mehrere Tage“, sagt Zipperling. Das Arbeiten sei dadurch entspannter geworden. „Wir halten durch“, fasst er zusammen.

Etwas positiver empfindet Frank Richter, Inhaber des Richter Kfz-Meisterbetriebs, die derzeitige Situation. Die Pandemie bemerke er kaum. „Die Kunden fahren zwar weniger, aber es gibt Dinge, die trotzdem gemacht werden müssen, Inspektionen oder der TÜV.“

Auch das Sommerreifengeschäft starte bald wieder. Frank Richter rechne allerdings damit, die Auswirkungen der Pandemie verspätet zu spüren. „Die Leute können sich momentan nicht dazu entschließen, einen neuen Wagen zu kaufen und lassen den alten reparieren. Aber das wird sich ändern“, sagt er.

Fahrzeuge für Dienstreisen werden weniger gebraucht

Dieses Phänomen befürchtet er branchenübergreifend. „Wenn die Arbeitnehmer ihren Job verlieren, kommen sie irgendwann nicht mehr“, sagt Frank Richter und sieht dabei besonders Restaurants und Kinos in der Gefahr. „Das wird irgendwann alle treffen.“ Was Richter allerdings schon jetzt merke, sei der Rückgang an Dienstfahrzeugen in seiner Werkstatt.

Auf Dienstreisen und Außenbesuche wird derzeit häufig verzichtet. „Ein großer Teil der Dienstfahrzeuge wird verschwinden, weil die Firmen jetzt merken, dass das Geschäftsmodell auch ohne Mitarbeiter vor Ort funktioniert“, erklärt er.

Die Lücke, die die Dienstfahrzeuge momentan hinterlassen, fülle Frank Richter auf mit Kunden, die momentan mehr Zeit haben. Kunden bräuchten den Wagen nicht sofort wieder. „Ich kann ganz anders planen. Das ist eine Ausnahme, die nicht so bleiben wird.“ Auch er empfindet die Arbeit entspannter, sei doch der Zeitdruck weg.

KfZ-Innung

Die Kreishandwerkerschaft Remscheid zählt in der Innung des Kraftfahrzeughandwerks Remscheids 62 Fachbetriebe unter ihrem Dach. Innungsobermeister ist Hans-Jürgen Auras, Hindenburgstraße 60.

Digitaler Bürgerservice: Ein Auto an- oder abmelden ist auch online möglich.

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