Remscheider Projekte gehen leer aus

Kein Geld aus dem Fördertopf für Neuenkamp

Neben Hackenberg und Klausen ist der Sportplatz Neuenkamp einer der drei Plätze in Remscheid, wo noch auf der bei Fußballer verpönten Asche gekickt wird. Foto: Roland Keusch
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Neben Hackenberg und Klausen ist der Sportplatz Neuenkamp einer der drei Plätze in Remscheid, wo noch auf der bei Fußballer verpönten Asche gekickt wird.

Keine Förderung durch den „Investitionspakt Sportstätten 2020“.

Von Andreas Weber

Remscheid. Was sich nach einem Volltreffer in der letzten Minute einer nervenzerreißenden Grund-und Boden-Partie anhörte, entpuppte sich als verfrühter Torjubel. BV 1910 und RSV werden nicht von dem Sonderprogramm des Landes für den Sport profitieren. Es geht in die Verlängerung. Gestern kam die abschlägige Nachricht aus Düsseldorf.

CDU-Landespolitiker Jens Nettekoven verhehlte seine Enttäuschung nicht: „Nüchtern bleibt festzustellen, dass der große Wurf, den Oberbürgermeister Mast-Weisz vollmundig im August vor der Kommunalwahl angekündigt hatte, nicht gelungen ist. Für die Sportvereine und das Quartier Hohenhagen hätte ich mir einen anderen Ausgang gewünscht.“ Der Landestopf mit 47 Millionen Euro war – wie erwartet – hoffnungslos überzeichnet.

„Nur 13 Prozent der Anträge wurden berücksichtigt“, bedauert Nettekoven. Zwei Anträge in Höhe von 2,25 Millionen Euro hatte die Stadt Mitte Oktober eingereicht.

Pressekonferenz zur Landesförderung: Im August war die Hoffnung bei Burkhard Mast-Weisz (l.) und Berthold Fahl groß.

Priorität 1 besaßen die 1,5 Millionen Euro, die für Hochbauarbeiten und Modernisierung des RSV-Vereinsgeländes am Fürberg fließen sollten, weitere 750 000 Euro wären als Priorität 2 in Tiefbauarbeiten am Sportplatz Neuenkamp gesteckt worden, um die Spielstätte von Asche in Kunstrasen umzuwandeln. Der BV 1910 hätte so eine langfristige Perspektive in seiner Heimat erhalten.

Die „Manövrierunfähigkeit“, aus der Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz nach dem jahrelangen Hick-Hack um den Sportplatz, dessen Eigentümer der RSV ist, endlich raus wollte, bleibt. Alles steht wieder auf Null. Überraschend kommt die Nachricht von der „geplatzten Goldrandlösung“ (Nettekoven) nicht. RSV-Vorsitzender Hartmut Bau erklärt: „In den ersten euphorischen Äußerungen bei der Pressekonferenz im BV-10-Vereinsheim am 21. August war dies nicht herauszulesen, aber dass es einen negativen Förderbescheid geben könnte, damit musste man rechnen.“

Ein Plan B existiert nicht. Naheliegend wäre, es noch mal in Runde 2 des NRW-Sonderinvestitionsprogramms zu probieren, das 2021 weitere 31 Millionen Euro ausschüttet. Anträge dafür müssen bis 15. Januar 2021 abgegeben werden. Remscheid ist automatisch wieder dabei. Da die Ausschüttung niedriger ausfällt und 87 Prozent in Runde 1 unversorgt geblieben sind, spricht immer noch nicht viel dafür, dass es im zweiten Anlauf klappt. Hartmut Bau betonte gegenüber dem RGA, dass man nun in Gesprächen mit der Verwaltung eine Zwischenlösung anstrebe, die darauf hinausläuft, den bis Sommer 2021 laufenden Pachtvertrag mit der Stadt in Neuenkamp noch mal zu verlängern.

„Es muss jetzt eine klare Perspektive für uns geben.“
Berthold Fahl, BV 1910

Jens Nettekoven, sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion sowohl im Landtag wie im Remscheider Rat, macht der Stadt keine Vorwürfe: „An der planerischen Qualität hat es nicht gelegen, dass der Förderantrag aus Remscheid nicht zum Zuge kam. Den Ausschlag gab die deutliche Überzeichnung.“ Vielleicht, gibt er zu bedenken, wären Anträge mit einem geringeren finanziellen Volumen erfolgversprechender gewesen. Außer Frage stehe, räumt Nettekoven ein, dass die Stadt nicht in der Lage sei, ein Projekt dieser Größenordnung alleine zu stemmen. „Wir dürfen aber den Kampf um den Erhalt des Sportplatzes Neuenkamp nicht aufgeben.“ Alternative Lösungsansätze müssten gesucht werden. „Deshalb ist es vielleicht gut, dass die Botschaft aus Düsseldorf jetzt noch rechtzeitig kam, bevor wir im Rat in die Beratungen für den Haushalt einsteigen.“

Berthold Fahl, Geschäftsführer des BV 1910, sieht die Politik nach diesem Nackenschlag in der Pflicht: „Wenn der Haushalt aufgestellt wird, muss es eine klare Perspektive für unseren Verein geben. Uns ist angekündigt worden, dass am Hohenhagen ein Sportzentrum entstehen kann. An dieser Aussage werden wir die Stadt messen.“ 

Sondersitzungen: 

Die bitteren Pillen, die der Sport schlucken muss, sorgen für Handlungsdruck. „Aufgrund der vielen offenen Fragen“ beantragt die CDU Sondersitzungen des Sportausschusses und der BV Lennep in diesem Jahr. „Wir können nicht bis zu den regulären Terminen Mitte Februar warten“, erläutert Fraktionschef Markus Kötter.

Standpunkt: Ausschuss ist gefordert

Von Andreas Weber

Wohl dem, der als Kommune seine Probleme aus Landes- oder Bundestöpfen lösen kann. Doch diese sind stets überzeichnet. Viele Antragsteller bleiben auf der Strecke.

andreas.weber@rga-online.de

So ist es leider auch bei dem kniffeligen Problemfall Sportplatz Neuenkamp, bei dem die Stadt mit Zuschüssen aus Düsseldorf zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen hoffte, nun aber in die Röhre schaut. Stadt und Kämmerei müssen prüfen, woher die Lösungen kommen, für die kein Geld vorhanden ist. Der Sportausschuss hat seine Tätigkeit in der neuen Legislaturperiode noch nicht aufgenommen, wird aber von Anfang an voll gefordert. 

Heißt, er muss schleunigst zusammenkommen, damit seine Expertise in die Haushaltsberatungen einfließen kann. Die DOC-geschädigte SG Hackenberg, der immer wieder vertröstete BV 1910 und der in der Zwickmühle steckende RSV sind über die Jahre mit Versprechungen bei der Stange gehalten worden. Im Falle von SGH und BV 1910 geht es an die Existenz. Ideen müssen deshalb gefunden werden, die nicht nur darin bestehen, dass man die Mannschaften beider Clubs auf andere Sportplätze verschiebt.

Seit dem 16. Oktober wird es ernst für RSV und BV 1910. Nach dem Abgabetermin für den Förderantrag des „Investitionspaktes 2020“ heißt es warten. Beide Sportvereine verknüpfen mit dem Landesprogramm große Hoffnungen.

BV 1910 und RSV sollen von einem frisch aufgelegten Sonderinvestitionsprogramm für den Sport profitieren.

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