Bundesweiter Warntag am 8. Dezember

Warntag: Feuerwehr fragt: Wer hört die Sirene?

Die roten Kreise zeigen den Wirkungskreis der neuen Sirenen, die kleinen Kreise den Einsatzort der mobilen Geräte.
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Die roten Kreise zeigen den Wirkungskreis der neuen Sirenen, die kleinen Kreise den Einsatzort der mobilen Geräte.
  • Axel Richter
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Am Donnerstag, 8. Dezember, ist Warntag: Remscheid hat vier neue Lautsprecher erhalten – Sie stehen beim Test im Mittelpunkt.

Remscheid. Ob die neuen Sirenen aufheulen, weiß auch die Feuerwehr nicht. Bislang gab es keine Gelegenheit, sie zu testen. Dem Alarmtag sehen die Katastrophenschützer deshalb ebenso spannend entgegen wie schätzungsweise viele Bürgerinnen und Bürger. Am Donnerstag um 11 Uhr soll sich zeigen, ob Bund, Land und Stadt die Remscheider zuverlässig vor einer Katastrophe warnen können.

Im Fokus des Tests stehen vier stationäre Sirenen, die buchstäblich in letzter Minute auf Remscheider Dächern installiert wurden. Und zwar auf dem Dach der Grundschule Moltkestraße in Hasten, auf dem Dach der Stadtsparkasse an der oberen Alleestraße, auf dem Dach des Berufskollegs Technik an der Neuenkamper Straße und auf der Hauptwache der Feuerwehrwehr im Gewerbegebiet Ueberfeld.

Eigentlich sollten längst mehr Sirenen installiert sein. 25, um genau zu sein. 80 Prozent der Fläche Remscheids könnte dann mit dem Alarmton abgedeckt und mehr als 90 Prozent der Bevölkerung erreicht werden.

„Viel hilft viel. Doch in der Nacht hilft nur die Sirene.“

Guido Eul-Jordan, Feuerwehr

Doch Sirenen, zum Ende des Kalten Krieges reihenweise abgebaut und verschrottet, sind heute auch bei anderen Kommunen gefragt, und die Lieferprobleme der Hersteller betreffen auch die Feuerwehr. Mit anderen Worten: Mehr als vier neue Sirenen gibt es aktuell nicht. Erst Ende Februar, hofft Sascha Ploch, bei der Berufsfeuerwehr zuständig für den Katastrophenschutz, „können wir die letzten Sirenen aufs Dach kriegen“.

Doch auch mit der Installation der Geräte ist es so eine Sache. Zum Beispiel soll eine Sirene auf das Dach des Finanzamtes in Lennep. Das bekommt aber auch eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung - und die Sirene wirft Schatten. „Einfach draufschrauben geht also nicht“, sagt Remscheids Rechts- und Feuerwehrdezernentin Barbara Reul-Nocke (CDU) und spricht von einer „intensiven Schräubchenkunde“.

Ausgelöst wird der Sirenenalarm in Zukunft von zentraler Stelle. Am Donnerstag rücken die Feuerwehrmänner aber noch vor Ort aus, um den Alarm auszulösen. Die vier neuen Geräte sind noch nicht in der Leitstelle aufgeschaltet.

Zudem rücken am Donnerstag acht mobile Warngeräte in die Stadtteile aus, um dort, ebenfalls pünktlich um 11 Uhr, Alarm zu geben. Bei zurückliegenden Tests zeigte sich allerdings, dass der an- und abschwellende Sirenenton nicht überall zu hören war. Trotz der 110 Dezibel, die von den Geräten ausgehen, was in etwa der Lautstärke einer Motorsäge entspricht.

Auch für Donnerstag rechnet die Feuerwehr damit, dass nicht alles glatt geht. Schließlich dient der Warntag auch dazu, Schwachstellen zu erkennen. „Es ist deshalb nicht schlimm, wenn Dinge dabei herauskommen, die wir heute noch nicht wissen“, sagt Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan.

Für ihn ist und bleibt die Sirene das Wichtigste aller Warnmittel. Trotz der Apps Nina und Katwarn. Und trotz Cell Broadcast, das ebenfalls am Warntag von den Bundesbehörden ausgelöst wird und per Handy warnt, selbst wenn weder Internet noch Telefonnetz vorhanden sind. „Viel hilft viel“, sagt Guido Eul-Jordan: „Doch in der Nacht hilft kein Handy, da hilft nur die Sirene.“ Ob und wo sie am Donnerstag zu hören sein werden, misst die Feuerwehr mit eigenen Geräten. Und ist darüber hinaus dankbar für jeden Hinweis aus der Bevölkerung.

Warntag

Am Donnerstag testen Bund, Länder und Kommunen ihre Warnsysteme. Die Übung beginnt um 11 Uhr und soll bis 11.45 Uhr abgeschlossen sein. In Remscheid geht es vor allem um vier neue Sirenen. Die Übung beginnt mit einem langgezogenen Dauerton für Entwarnung. Es folgt auf- und abschwellender Heulton. Am Schluss steht wieder der Dauerton.

Standpunkt von Axel Richter: Weckfunktion

axel.richter@rga.de

Wer im Kalten Krieg aufgewachsen ist, bekam den Heulton jede Woche mit. Immer samstags in der Mittagszeit ertönte das enervierende Auf und Ab und älteren Menschen, die noch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges erlebt hatten, ging das Geräusch durch Mark und Bein.

Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts verschwanden die alten, aber zuverlässigen Motorsirenen, die in ihrer Form an einen Champignon erinnerten, von den Dächern. Das Geld, das ihre Wartung kostete, schien anderswo besser angelegt zu sein.

Mit dem samstäglichen Heulton verschwand jedoch zugleich die wiederkehrende Erinnerung daran, dass ein Unglück jederzeit möglich und die Normalität unseres Alltags alles andere als sicher ist. Leicht kann unser Leben aus dem Takt geraten. Und das umso mehr, je technisierter es ist. Es ist deshalb richtig, dass die Sirenen auf die Dächer zurückkehren. Sie haben Weckfunktion. Zur Schlafenszeit, aber auch was unser Bewusstsein für Gefahren angeht.

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