Rosenmontag bleibt unterrichtsfrei

Karneval: Schulen behalten Ferientage bei

Karneval fällt in diesem Jahr aus. Frei haben die Schüler durch die beweglichen Ferientage dennoch. Foto: cb/kab
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Karneval fällt in diesem Jahr aus. Frei haben die Schüler durch die beweglichen Ferientage dennoch.

Lehrer und Schüler erhalten Zeit zum „Durchschnaufen“.

Von Katharina Birkenbeul und Andreas Weber

Remscheid. Fallen ohne Karneval die beweglichen Ferientage der Schulen weg oder werden sie verlegt, wie öffentlich heftig diskutiert wurde? Ohne närrisches Treiben kein schulfrei – das hört sich nachvollziehbar an, zumal Arbeitgeber manchen Eltern dieses Jahr den Brauchtumstag gestrichen haben.

Das Schulministerium bezog gestern auf eine RGA-Anfrage Stellung: „Es wäre wünschenswert, dass die beweglichen Ferientage in dieser Zeit auf andere Tage verschoben werden. Eine solche Verlegung der beweglichen Ferientage wäre aber durch die Schulkonferenz im Einvernehmen mit dem Schulträger abzustimmen. Da es in der Ferienordnung heißt, dass die Ferientage den Schulen ‘zur Verfügung stehen’, wäre es rechtlich vertretbar, als Schule auf einen oder mehrere der beweglichen Ferientage zu verzichten.“

Die Schulen halten indes an ihren Terminen fest. Aus gutem Grund, findet Heike Wiegand, Leiterin der Nelson-Mandela-Schule. Zum einen habe die Schulkonferenz der Sekundarschule die beweglichen Feiertage Ende des vergangenen Schuljahres festgelegt, damit Eltern langfristig Kurzurlaube planen können. An der Nelson-Mandela sind dies der 12., 15. und 16. Februar. Zwar sei überlegt worden, die Tage zu verschieben, dies wäre aber gegenüber Eltern, die sich etwas vorgenommen haben, nicht fair.

Zum anderen, argumentiert Wiegand, befänden sich die Schulen in einer enorm herausfordernden Zeit durch den erhöhten Aufwand, der sich aus dem Distanzlernen ergibt. „Ein, zwei Tage Durchschnaufen“ täten den Pädagogen deshalb gut. Dabei werden die beweglichen Tage an der Nelson-Mandela, wie bei vielen anderen Schulen dienstlich genutzt. „Wir benötigen als Kollegium die drei Tage zur Organisation der neuen Bestimmungen, die sich nach dem 14. Februar für Schulen ergeben werden“, meint Wiegand.

Auch das Leibniz rückt nicht vom 12. und 15. Februar ab. „Ich bin für Planungssicherheit“, betont Schulleiter Thomas Giebisch: „Hin- und Herspringen bringt uns nicht weiter.“ Der Unterricht habe sich unter den veränderten Bedingungen ja auch eingespielt.

Schließlich biete das Leibniz seit dem 10. Dezember weitgehend störungsfrei den „bestmöglichen Distanzunterricht“ (Giebisch) mit einem kompletten Stundenplan an. In der Oberstufe läuft dieser zu hundert Prozent als Video-Konferenz mit Lehrern aus dem Home Office, in den Stufen darunter sei das Verhältnis 2/3 Videokonferenzen plus 1/3 Aufgaben für Zuhause, die in die Cloud gestellt würden.

„Ich bin für Planungssicherheit.“
Thomas Giebisch, Leibniz-Leiter

„Bisher haben wir nichts aus dem Schulministerium gehört, demnach bleiben die beweglichen Feiertage, wo sie sind“, erklärte Kai Küchemann, Leiter des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs, gestern Morgen. Auch die Schulleiterin der Grundschule Hackenberg Regina Schröder würde eine Streichung oder Verlegung nicht befürworten. Das liege auch daran, dass die OGS in Hackenberg nicht öffnen könnte, weil die Mitarbeiter an dem Tag angesammelte Überstunden abbauen müssten. Die Lehrer würden am Rosenmontag dennoch arbeiten, Pläne und Strukturen für Präsenz- oder Distanzunterricht erstellen. „Das sind Aufgaben, die sich zum Normalbetrieb hinzugesellen“, meint Regina Schröder.

Auch das Rögy rüttelt nicht am karnevalsfrei. Freitag und Montag genießen die Gymnasiasten zwei freie Tage. Eine Verschiebung kommt für Schulleiter Thomas Benkert nicht in Frage. „Distanzunterricht ist anstrengend und zeitlich aufwendig. Sowohl Lehrer wie Schüler können die beweglichen Ferientage zum Durchschnaufen gebrauchen.“ Bei vier Unterrichtseinheiten vor den Bildschirmen pro Tag hätten die Schüler viel zu tun. Benkert teilt daher die Bedenken gegen weiteren Unterrichtsausfall nicht. „Letztendlich wäre eine Verlegung nur eine Verschiebung des Problems. Ob die Tage um Karneval frei sind oder zu einem anderen Datum spielt keine Rolle.“ Eine Veränderung gibt es vor Aschermittwoch dennoch. Wie am Leibniz fällt der Ausgleichstag für den Tag der offenen Tür, der nicht stattfand, am Dienstag weg. Dafür wird der pädagogische Tag vom Mittwoch vorverlegt. „Das bedeutet, dass Veilchendienstag zwar kein Distanzunterricht stattfindet, aber es ist ein Studientag, an dem die Schüler zuhause lernen“, betont Benkert. Die Rögy-Lehrer haben an diesem Tag eine Fortbildung zum Distanz-Unterricht. „Und die Weiterbildung kommt den Schülern schlussendlich zu Gute.“

In der Katholischen Grundschule Franziskus (Lennep/Lüttringhausen) wurden an die kommissarische Schulleiterin Nicola Lochefeld bislang keine Elternklagen wegen der Nutzung der beweglichen Ferientage herangetragen. Deshalb bleibt es an der KGS beim 15./16. Februar. Wie viele andere Schulen hat Franziskus die übrigen beweglichen Ferientage auf die Freitage nach Christi Himmelfahrt (14. Mai) und Fronleichnam (4. Juni) gelegt.

Bewegliche Tage

Pro Schuljahr stehen NRW-Schulen drei (2021/22 und 2022/23) bis vier (2020/21 und 2023/24) bewegliche Ferientage zu. Wann entscheidet die Schulkonferenz in Absprache mit dem Schulträger. Mindestens ein Tag muss Festen und Bräuchen vor Ort (Karneval) entsprechend festgelegt werden.

Standpunkt: Auf Erfahrung vertrauen

Von Katharina Birkenbeul

Bei den meisten Schulen sind normalerweise ein bis zwei der beweglichen Feiertage rund um Karneval angesiedelt. So auch in diesem Jahr, obwohl Karneval gar nicht stattfindet. Bisher ist allerdings nicht vorgesehen, diese auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben oder gar ganz ausfallen zu lassen.

katharina.birkenbeul@b-boll.de

Die Remscheider Schulen sind sich einig, dass sie davon auch keinen Gebrauch machen werden, obwohl es von der Landesregierung freigestellt wäre. Und das entgegen der Stimmen, die aufkommen und behaupten, dass sowieso schon sehr viel Unterricht ausgefallen sei und es deshalb nicht schaden könne, an den beweglichen Feiertagen Unterricht zu machen. 

Bei der Entscheidung, dass die freien Tage dennoch sinnvoll sind, sollte aber ein jeder auf die Erfahrung der Lehrer vertrauen, denn im Endeffekt können diese am ehesten einschätzen, was den Schülern gut tut. Auch im Distanzunterricht haben sich Schüler eine Pause verdient. 

Zumba findet weiter statt – aber online. Die Tanzgruppe der Welle ist traurig, dass dieses Jahr kein Rosenmontagsumzug stattfinden kann.

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