Lutherkirche

Kantor verabschiedet sich mit Orgelklängen

Jörg Martin Kirschnereit (65) an seiner Wirkungsstätte: der Orgel in der Lutherkirche. Foto: Roland Keusch
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Jörg Martin Kirschnereit (65) an seiner Wirkungsstätte: der Orgel in der Lutherkirche.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Jörg Martin Kirschnereit wechselt am 1. August in den Ruhestand – 1994 trat er seinen Dienst in der Lutherkirche an

Remscheid. Die über 3600 Orgelpfeifen, die ihn während seiner Laufbahn als Kantor stets begleitet haben, erklingen nun noch einmal – für Jörg Martin Kirschnereit ist es Zeit, Abschied von „seiner“ Fünf-Meter-Orgel und „seiner“ Lutherkirche zu nehmen. 1994 trat er seinen Dienst als Kantor der Luther-Kirchengemeinde an, die 2018 mit der Johannes-Kirchengemeinde zur Evangelischen Auferstehungs-Kirchengemeinde verschmolzen ist. Im Oktober ist der gebürtige Dorstener 65 geworden – am 31. Juli ist sein letzter

Arbeitstag. Klanglos will er aber nicht in den Ruhestand gehen: Jörg Martin Kirschnereit verabschiedet sich – wie könnte es für einen Kantor anders sein – mit einer Konzert-Reihe. Der Auftakt für „Time to say good bye“ findet am Samstag, 15. Mai, statt. Bis Ende Juni sollen weitere Veranstaltungen folgen (siehe Kasten), sofern es die Inzidenz zulässt.

Ihm sei es immer wichtig gewesen, mit den Gemeindemitgliedern gemeinsam zu musizieren, betont der Kantor. „Wenn man die Gelegenheit hat, mit Chor und Solisten Musik aufzuführen und dadurch eine Atmosphäre zu schaffen, ist das einfach schön.“ So geschehen bei den musikalischen Abendgottesdiensten, die Kirschnereit direkt nach seinem Antritt 1994 initiiert hatte. Daher freut er sich, dass nun zwei der vier Veranstaltungen musikalische Abendgottesdienste sind. Sein letztes Orgelkonzert spielt er am 30. Mai. „Und dann hoffe ich auf den 26. Juni.“ Bei seinem Abschiedskonzert mit Beteiligung der Bergischen Symphoniker möchte der 65-Jährige oratorische Chorwerke zum Thema „Bewahrung der Schöpfung“ zur Aufführung bringen.

Jörg Martin Kirschnereit baute in Remscheid die Jugendchorarbeit auf

Jörg Martin Kirschnereit wurde 1955 in Dorsten geboren. Weil sein Vater Pfarrer war, zog die Familie öfters um. So auch nach Namibia. Dort hat Jörg Martin Kirschnereit übrigens mit 16 das Orgelspiel erlernt, Klavier spielte er bereits, seit er 9 Jahre alt war. Er studierte an der Musikhochschule in Detmold Kirchenmusik (A-Examen) und Instrumentalpädagogik im Fach Klavier. Von 1983 bis 1994 war Kirschnereit Kantor an der Auferstehungsgemeinde in Bremen, ehe er nach Remscheid wechselte. Hier war er für die musikalische Früherziehung zuständig, leitete die „Lucky SingeRS“, den Kinderchor der Evangelischen Kirchengemeinden Remscheids, den Evangelischen Posaunenchor und die Heinrich-Schütz-Kantorei. Von 2000 bis 2010 baute er zudem eine Jugendchorarbeit auf. Seine drei Kinder begleiteten ihn in seinen Gruppen. „Sie waren mir eine große Hilfe.“ Sein Sohn habe bis zum Abi keine Probe verpasst. Seine älteste Tochter singt heute im Kammerchor Hückeswagen.

Zu den Höhepunkten seiner Laufbahn zählt Kirschnereit die Aufführung der h-moll-Messe von Johann Sebastian Bach 2008, die mehrere Jahrzehnte zuvor und seitdem in Remscheid nicht mehr aufgeführt wurde, die große Matthäus-Passion 2014 mit dem Kammerchor Hückeswagen, das Bach-Weihnachtsoratorium. Ohnehin ist der Kantor begeistert von diesem Komponisten. „Das ganze Spektrum menschlicher Emotionen wird hier in Musik gefasst.“

Die Musik wird den Kantor weiter begleiten

Zudem setzte sich Kirschnereit für die Sanierung der Lutherkirchen-Orgel aus dem Jahr 1971 ein. 2005 wurde sie für einen Betrag knapp unter 100 000 Euro überarbeitet. „Damals ist sie noch mal ein neues Instrument geworden“, sagt er. Aus 38 Registern wurden 47, zudem erhielt das imposante Instrument eine digitale Registrieranlage. Diese kann sich nun 4000 Kombinationen merken – die Orgel hat nun symphonische Qualitäten.

Seinem Nachfolger wünscht Jörg Martin Kirschnereit „die Möglichkeit, anzuknüpfen und die Gemeindemitglieder mitzunehmen“. Wer es wird, steht noch nicht fest. Und wie geht es für ihn weiter? „Für den September habe ich eine Einladung nach Ilmenau an die Evangelische Stadtkirche mit einer Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor.“ Ansonsten möchte er lesen, Musik hören, wandern, Fahrrad fahren und sich im Lions Club engagieren. Die Musik wird ihn aber auch weiter begleiten: In der Wohnung des Ehepaars am Stadtpark gibt es schließlich ein Klavier.

„Time to say good bye“: Die Abschieds-Konzerte

Samstag, 15. Mai, 18 Uhr: Musikalischer Abendgottesdienst der Ev. Auferstehungs-Kirchengemeinde. Carola Enke-Gregull (Blockflöte), Andreas Gregull (Trompete) und Jörg Martin Kirschnereit (Orgel) spielen barocke Arien von Henry Purcell, Pietro Alessandro Scarlatti und Georg Friedrich Händel. Online abrufbar: www.auferstehungs-kgm.de/online-gottesdienste.

Sonntag, 30. Mai, 18 Uhr: Hier spielt Kirschnereit sein letztes Orgelkonzert. „Werke, die mir sehr am Herzen liegen, die ich aber noch nie in der Lutherkirche gespielt habe“: Präludium und Fuge in e-Moll, BWV 548 sowie Louis Vierne: 1. Symphonie in d-Moll, op. 21. Für den Fall, dass es nicht stattfinden kann, wird das Konzert nachgeholt am Sonntag, 18. Juli, 18 Uhr.

Samstag, 5. Juni, 18 Uhr: Musikalischer Abendgottesdienst, Werke für Violine und Cembalo/Orgel von Willem de Fesch, J. S. Bach und F. Schubert. Violine: Viola Fey, Cembalo/Orgel: Jörg Martin Kirschnereit.

Samstag, 26. Juni, 18 Uhr: Abschiedskonzert mit Bachs Ouverture in h-moll und der Kantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ sowie Arien aus F. Mendelssohn „Lobgesang“ und G. F. Händels „Messias“. Sopran: Veronika Madler, Alt: Heike Bader, Tenor: Robert Reichinek, Bass: Stephan Storck (Bergische Symphoniker), Leitung: Jörg Martin Kirschnereit. Veranstalter ist der Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden in Alt-Remscheid.

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