Weggang

Kantor verlässt die evangelische Kirchengemeinde Lennep

Kantor Johannes Geßner an seinem Arbeitsplatz in der Lenneper Stadtkirche, den er Ende Februar 2022 verlässt. Foto: Peter Klohs
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Kantor Johannes Geßner an seinem Arbeitsplatz in der Lenneper Stadtkirche, den er Ende Februar 2022 verlässt.

Johannes Geßner übernimmt eine Stelle in Leer.

Von Peter Klohs

Remscheid. Seit dem 1. September 2013 ist Johannes Geßner Kantor in der evangelischen Stadtkirche in Lennep – und wird es bis zum 28. Februar 2022 bleiben. Nach acht Jahren und fünf Monaten wird dann seine Tätigkeit in Remscheid enden. Geßner wird ab dem 1. März des kommenden Jahres als Kirchenmusikdirektor in der Lutherkiche im ostfriesischen Leer beschäftigt sein.

„Der Titel Kirchenmusikdirektor hat in den verschiedenen Landeskirchen eine unterschiedliche Bedeutung“, sagt der Kreiskantor. „Hier in NRW ist es ein Ehrentitel. In Niedersachsen, dort, wo ich tätig sein werde, ist es eine Berufsbezeichnung.“

Für den 1983 im hessischen Marburg geborenen Kirchenmusiker war früh klar, dass er hauptberuflich Musik machen wollte. „Was kann ich machen, um davon leben zu können?“ fragte er sich und kam bei seinen Überlegungen auf drei mögliche Lösungen. „Die erste Lösung war: Bundeswehr. „Angebote gab es schon“, berichtet Geßner, „und durch meine Bundeswehrzeit als Musiker im Heeresmusikkorps in Kassel wusste ich, was mich da erwarten würde.“

Kantor: „In der Kirchenmusik ist die musikalische Vielfalt am größten“

Der zweite Gedanke war: Schulmusik. Aber damit konnte sich Geßner nicht anfreunden. Blieb noch die Kirchenmusik. „In der Kirchenmusik ist die musikalische Vielfalt am größten, und in der Regel kann man als Kantor spielen, was man für richtig hält.“ Das gab den Ausschlag für ein Studium der A- und B-Kirchenmusik, das Johannes Geßner in Herford absolvierte. Wertvolle musikalische Kenntnisse erhielt er durch ein Studium der Orgelimprovisation an der Berliner Universität der Künste. Drei Jahre lang war er als Kantor in Pasewalk beschäftigt, doch die Tätigkeit im ländlich geprägten Mecklenburg-Vorpommern füllte ihn auf Dauer nicht aus.

„Es gibt eine Zeitung für evangelische Kirchenmusik in ganz Deutschland“, berichtet der Musiker, „und in dieser stehen die kompletten Stellenangebote. Dort fand ich die Stelle in Remscheid-Lennep.“

Gründe für die Trennung sind vielschichtig

Die Gründe für seine Trennung von der Lenneper Kirchengemeinde sind vielschichtig, und Geßner mag auch nicht zu deutlich werden. Klar scheint zu sein, dass er in manchen kirchenmusikalischen Angelegenheiten von der Gemeinde enttäuscht ist. Die finanzielle Lage der Gemeinde ist nicht rosig. Die Orgel in der Stadtkirche müsste seit Jahren renoviert werden. Die arbeitsrechtliche Haltung der Gemeindeleitung in der Coronakrise hat Johannes Geßner zermürbt und ratlos zurückgelassen. „Aber ich möchte nicht nachtreten“, sagt der Kreiskantor. „Die Dinge sind so, wie sie sind. Ich möchte nicht mit einem Punkt gehen, sondern mit einem Ausrufezeichen. Das Beste kommt zum Schluss.“

Damit spielt er auf die Pläne an, die er in den ihm verbleibenden sieben Monaten zu realisieren hofft. Dazu zählt eine Aufführung des Oratoriums „Noah“ des aus Bremen stammenden Komponisten Christoph Kirchberg. „Das ist eine tolle Musik“, ist Geßner begeistert. „So eine Art Filmmusik trifft Mendelssohn.“ Zusätzlich ist geplant, das Kammerorchester der Gemeinde mit dem Resi-Dance Orchester, das auf Musik der 20er Jahre spezialisiert ist, auftreten zu lassen. „Vielleicht spiele ich auch noch ein Orgelkonzert“, überlegt er und fügt hinzu: „Das wäre dann das vierte in acht Jahren.“

Geßner betrachtet die lange Zeit zwischen seiner Kündigung und dem Ende seiner Arbeit als Vorteil für beide Seiten. „Ich möchte die musikalischen Angelegenheiten ordentlich übergeben können. Und dazu ist nun genügend Zeit.“ Geßner vermutet, dass seiner Frau Hae Min der Weggang aus Lennep schwerer fallen wird als ihm. „Sie hat ja Gesangsschüler hier. Diesen Stamm wird man sich komplett neu aufbauen müssen. Natürlich werden wir unsere Freunde, die Chorsängerinnen und Chorsänger und die bergische Landschaft vermissen.“ Aber wie sagte der Kirchenmusiker treffend: „Die Dinge sind so, wie sie sind.“

Hintergrund

An seiner zukünftigen Arbeitsstelle in Leer würde der Kirchenmusikdirektor Johannes Geßner gerne einen ostfriesischen Oratorienchor gründen. „Und dazu noch einen christlichen Pop-Chor, der weltliche Musik in die Kirche tragen kann.“ Denn Geßner ist sicher: „Wenn ich Menschen in die Kirche bringen will, dann muss ich Musik spielen, die die Menschen auch hören wollen.“ Einen bisher unerfüllten Traum trägt Johannes Geßner noch mit sich. „Ich wäre gerne als Komponist ein bisschen besser bekannt.“

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