Kanalsanierung

Kanal-Tüv beugt ekliger Überraschung vor

Sascha Althaus am Spezialfahrzeug mit TV-Kamera, Hochleistungskompressor und Tank. Die Geräte helfen dem Chef der Althaus GmbH, Rohrbrüche, Lecks und eindringende Wurzeln aufzuspüren. Werden die Schäden früh erkannt, fällt die Sanierung leichter und günstiger aus. 
+
Sascha Althaus am Spezialfahrzeug mit TV-Kamera, Hochleistungskompressor und Tank. Die Geräte helfen dem Chef der Althaus GmbH, Rohrbrüche, Lecks und eindringende Wurzeln aufzuspüren. Werden die Schäden früh erkannt, fällt die Sanierung leichter und günstiger aus. 

Die Pflicht zur Überprüfung ist vom Tisch – Technische Betriebe raten: Lassen Sie dennoch Ihre Leitungen checken.

Von Axel Richter

Remscheid. Michael Zirngiebl kennt sich aus mit Kanälen und weiß deshalb aus Erfahrung: „So etwas passiert gern mal an Weihnachten.“ Ein Rückstau im Abwasserkanal verdirbt jedoch nicht nur an hohen Feiertagen die Laune.

Oliver Rösler hält im Ü-Wagen Funkkontakt zum „Kameramann“ und betrachtet die Bilder.

Der Chef der Technischen Betriebe Remscheid rät deshalb allen Hausbesitzern, die Rohre in und unterhalb ihres Gebäudes regelmäßig überprüfen zu lassen. Obwohl oder gerade, weil sie dazu nicht mehr verpflichtet sind.

Viele Jahre war erbittert darüber gestritten worden, ob private Abwasserkanäle auf Risse, Löcher und Kanten untersucht werden müssen. Am 26. Juni kassierte die schwarz-gelbe Landesregierung den von SPD und Grünen etablierten Kanal-Tüv.

Seither sind Hausbesitzer nicht mehr verpflichtet, ihre Leitungen überprüfen zu lassen. Eine verpflichtende Dichtheitsprüfung ist seither nur noch bei Neubauten, wesentlichen Änderungen und in begründeten Verdachtsfällen vorgeschrieben. Im Landtag sprachen die Grünen von einem „umweltpolitischen Armutszeugnis“. Die Union befand dagegen, Rot-Grün habe den Eigentümern lange genug „tief in die Tasche gegriffen“.

„Hier befinden wir uns eher in der Gedankenwelt von Maskenverweigerern und Veganköchen.“ 

Michael Zirngiebl, Technische Betriebe

Viele Hausbesitzer, die sich bereits mit ihren Nachbarn zusammengeschlossen hatten, um gemeinsam einen Kanalprüfer zu engagieren, zogen ihre bereits erteilten Aufträge deshalb wieder zurück. Das kam manchen Unternehmen teuer zu stehen. Sie haben viel investiert. Neue Technik angeschafft, ihre Mitarbeiter geschult. Doch jetzt bleiben die Aufträge aus.

„Die fühlen sich natürlich total veräppelt“, sagt Sascha Althaus, Chef der Althaus GmbH in Remscheid. „Und nicht wenige sind bereits wieder vom Markt verschwunden.“

Der Meister im Sanitär- und Heizungsbau führt das vor mehr als 70 Jahren gegründete Unternehmen in dritter Generation. Die Kanaltechnik ist heute das Hauptstandbein des Arbeitgebers von zehn Kollegen. „Allerdings führen wir natürlich nicht nur Kanalprüfungen durch“, sagt Sascha Althaus. Das Unternehmen reinigt, saniert, ortet, wartet Kanäle und Schächte, berät Industriebetriebe, Ingenieure, Hausverwaltungen und Kommunen.

Dass das Abwasser vieler Haushalte heute wieder durch ungeprüfte Kanäle fließen darf, lässt den Unternehmer deshalb gelassen bleiben.

Althaus-Mitarbeiter Sascha Hentsch führt die Kamera mit einem 80 Meter langen Kabel in den Kanal ein.

Zumal der Kanal-Tüv, mit dem die Überprüfung zur Pflicht wurde, auch viele schwarze Schafe auf den Plan gerufen habe, wie der Remscheider Mittelständler sagt. Althaus warnt deshalb vor Unternehmen, die zwar hohe Preise verlangen, eine Dokumentation ihrer Untersuchungsergebnisse den Kunden aber vorenthalten. „Da wird manchmal nur ein Blatt Papier mit einem Foto vorgezeigt. Das reicht natürlich nicht aus.“

Aber ist eine Fahrt mit der Kamera durch die Rohre denn überhaupt erforderlich? Ja, sagt Michael Zirngiebl von den Technischen Betrieben. Wie seine Mitarbeiter im rund 590 Kilometer langen Kanalnetz regelmäßig nach Rohrbrüchen, Lecks und Schäden suchen, rät er das auch jedem Hausbesitzer. „Man kann natürlich sagen, so etwas mache ich aus Prinzip nicht. Das ist aber nicht sinnvoll, sondern hier befinden wir uns eher in der Gedankenwelt von Maskenverweigerern und Veganköchen, die nicht an Corona glauben.“

Eine Kamerafahrt der Kanalprüfer ist nicht billig. In jedem Fall aber günstiger als die Sanierung, wenn der Schaden erst nicht mehr klein, sondern schon ein großer geworden ist, sagt der Chef der Technischen Betriebe. Zudem: Gelangen Schmutzwasser und Fäkalien ins Erdreich und Grundwasser, stellt das einen Umweltstrafbestand dar. Zur teuren Reparatur ist dann unter Umständen auch noch eine Geldstrafe fällig. Von der unangenehmen Überraschung eines Rückstaus ganz zu schweigen. „Da“, sagt Michael Zirngiebl, „sieht man manches wieder, was man eigentlich nicht wiedersehen wollte.“ Und das nicht nur an Weihnachten.

Kanalsanierung

Alle 15 bis 20 Jahre sollte der Eigentümer nach der obligatorischen Erstprüfung zur Bauabnahme seine privaten Kanäle im Haus überprüfen lassen.

Leichte Schäden lassen sich oft beheben, ohne dass die Rohre dazu ausgegraben werden müssen. Bei der Inliner-Sanierung wird zum Beispiel ein mit Harz getränkter Glasfaser- oder Filzschlauch in den beschädigten Kanalabschnitt gelegt.

Was soll das alles bloß kosten? Diese Frage treibt seit dem Start der Bau- und Sanierungsmaßnahmen im November 2018 die Anwohner der Emilienstraße um.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall: Die L 74 ist wieder frei
Neue Sirenen benötigen Zeit - Remscheid baut Warninfrastruktur neu auf
Neue Sirenen benötigen Zeit - Remscheid baut Warninfrastruktur neu auf
Neue Sirenen benötigen Zeit - Remscheid baut Warninfrastruktur neu auf
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Zehn Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 14,4
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Zehn Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 14,4
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Zehn Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 14,4

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare