Meine erste Platte

Kai Mosner: „Die beste Akustik gibt es auf dem Klo“

Kai Mosner ist nach 20 Jahren kreativer Pause wieder als DJ unterwegs. Foto: Roland Keusch
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Kai Mosner ist nach 20 Jahren kreativer Pause wieder als DJ unterwegs.

Kai Mosner war Knight-Rider-Fan, deshalb war „Looking for freedom“ von David Hasselhoff für ihn Pflicht.

Von Peter Klohs

Remscheid. „Meine erste Platte?“ fragt Kai Mosner und schiebt ein „Ach Gott“ nach. Etwas peinlich berührt gibt er dann zu, dass er seine erste Vinyl-Single im Kaufhof an der Alleestraße gekauft hat: „Looking for freedom“ von David Hasselhoff. „Muss man sich heute ja fast schon für schämen“, findet Mosner. Aber der IT-Systemkaufmann mit eigenem Ladengeschäft auf der Alleestraße kann eine Erklärung dafür anbieten. „Als kleiner Stöpsel war man doch damals Fan von Knight Rider, da war der Kauf der Platte von Hasselhoff quasi Pflicht. Die habe ich mir auch sofort aufs Tape gezogen. Ich war damals viel zu Fuß unterwegs und hatte immer den Walkman dabei.“

Kai Mosner, Jahrgang 1980, ist am Kremenholl groß geworden. Seine Großeltern besaßen eine Gastronomie, wo der kleine Kai die erste Berührung mit Musik erlebte. „Aber zu Beginn der 90er Jahre, im Zeitalter von MTV, da ging es richtig los mit mir und der Musik.“ Seine Mutter hörte Matthias Reim, rauf und runter. „Seitdem kann ich den nicht mehr hören“, gibt Mosner zu.

Im gleichen Haus wie Kai lebte auch sein Onkel, der alle Musik auf Vinyl besaß. „Und wenn er weg war, zur Arbeit oder so, dann bin ich in sein Zimmer geschlichen und habe auf dem Plattenspieler all diese tolle Musik gehört. Das war meine erste Begegnung mit Langspielplatten, mit Vinyl.“

In den 90ern fand in seinem Umfeld ein Umschwung statt: Einige Freunde wandten sich den Boybands zu, andere dem Hip-Hop, wieder andere beteten Nirwana an, manche Michael Jackson. „Und ich habe den Eurodance für mich entdeckt“, schildert Mosner seine musikalische Entwicklung. „Masterboy, Culture Beat, Captain Hollywood, die haben mich fasziniert. Mein Taschengeld erhielt ich immer am Samstagmorgen um 10 Uhr. Um spätestens halb elf war das Geld weg. Angelegt in CD-Singles, auf denen meistens drei Stücke waren. Ich glaube, der Musikladen im Allee-Center hieß Telepoint“, erinnert er sich.

Die kreative Pause dauerte 20 Jahre

Kai Mosner erkannte früh, dass er auch selbst Musik machen wollte. Zu Anfang legte er für Bekannte oder auf Schulfeiern auf. Er steckte sein Lehrlingsgehalt in einen Computer, um ein eigenes Musik-Programm zu entwickeln.

Aber die kreative Pause, die er einlegte, wurde lang. Nach 20 Jahren hat Mosner 2019 wieder mit der Musik angefangen: Ferryn & Moses, ein dynmisches DJ-Duo entstand. „Ich bin auch solo unterwegs“, erzählt Mosner, „und meine Sets sind schon härter als unsere Duo-Auftritte. Ich mache eigene Mixe, die man dem Melodic House zurechnen kann. Und durchaus auch lange Songs. Die Ansicht, dass ein guter Song nach zweieinhalb Minuten enden muss, ist Unsinn. Warum soll ein guter Song nicht zehn Minuten dauern?“

Sein Musikverständnis hat sich deutlich ausgeweitet. Er entdeckte die Klasse von Queen, die Rock-Qualitäten von Bruce Springsteen, das Raue von Nirwana. „Stimmen berühren mich“, gesteht der IT-Systemkaufmann. „Ich muss die Musik fühlen können, und das geschieht sehr oft über die Stimme.“

Auf die aktuelle Musik-Szene angesprochen, wird er bei einem Thema emotional. „Die aktuelle Rap-Szene ist zum Teil gefährlich. Da werden Drogen verherrlicht, da rappen die Musiker so was wie ‚Nimm dies oder das und du kannst deine Gedanken vergessen’. Sorry, liebe Kollegen, das ist keine Musik. Das ist Verführung von Jugendlichen. Wer als Teenie dafür sensibel ist, der nimmt sich da schnell etwas von an. Meine Tochter ist in dem Alter. Und die Sprache verroht zudem.“ Mosner gibt Beispiele von gerappten Texten, die an dieser Stelle nicht druckreif sind.

Einen Tipp hat er noch parat: „Für Menschen, die ihre eigene Stimme mal ungeschminkt und ungepitcht singen hören wollen: Die beste Akustik gibt es auf dem Klo.“

Hintergrund

Kai Mosner, der 2021 den Bürgerpreis erhalten hat, ist musikalisch breit aufgestellt. Trotzdem gibt es Musikstile, die er nicht gerne hört oder auch nicht ertragen kann. Dazu gehören die extrem harten Musikarten: Acid-Techno, Black- oder Death Metal. Auch einen Großteil der als Deutsch-Rap bezeichneten Musik hält Kai Mosner für verzichtbar. Klassik hört er eher selten. Die Stimmen der Remscheider Sängerinnen Bianca Rosa Clever und Pia-Sophie Remmel findet er hingegen „toll und bemerkenswert. Die gefallen mir.“

Musik muss Projektmanagerin Nicole Haas in Stimmung bringen.

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