Interview

Vorsitzende des Jugendrats: „In unserer Amtszeit kann viel entstehen“

Fokussieren auf das, was leistbar ist: Sofia Rodriguez Eckwert. 
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Fokussieren auf das, was leistbar ist: Sofia Rodriguez Eckwert. 

Vorsitzende Sofia Rodriguez Eckwert über den 10. Jugendrat.

Von Andreas Weber

Sofia, für den 9. Jugendrat haben Sie noch nicht kandidiert, trotzdem aber die Amtsperiode von 2020 bis 2022 intensiv begleitet. Wie kam es dazu?
Sofia Rodriguez Eckwert: Das war damals eine blöde Geschichte. Ich hatte meine Bewerbung rechtzeitig abgeschickt, aber die Unterschrift meiner Eltern vergessen. Ich habe sie nachgereicht, aber es dauerte über eine Woche, bis die Unterlagen bei Gerd Dietrich-Wingender, dem damaligen Geschäftsführer des Jugendrates, mit der Post eingegangen waren. Da war der Bewerbungsschluss aber vorüber. Formell durfte ich nicht mehr teilnehmen. Als ich Gerd unter Tränen anrief, bot er mir an, mich ohne Mandat im Jugendrat einzubringen. Das habe ich getan. Und es war eine tolle Zeit für mich mit Gleichgesinnten, die politisches Interesse haben. Es war ein unkompliziertes, freundliches Miteinander, aus dem sich bis heute Freundschaften ergeben haben.
Was haben Sie aus der Schnupperphase mitgenommen?
Rodriguez Eckwert: Auf jeden Fall Selbstbewusstsein und Wissen. Ich habe viel über Kommunalpolitik gelernt und Spaß mit den anderen gehabt. Diese zwei Jahre sind schnell vergangen. Nebenbei bin ich dadurch auch deutlich organisierter geworden.
Für den Vorsitz des aktuellen Rates gab es vier Bewerber und Bewerberinnen. Was hat sie bewogen, die Federführung zu übernehmen?
Rodriguez Eckwert: Ich habe im Ratssaal gesessen und gedacht: Wäre eine coole Sache. Ich hatte nichts zu verlieren. Zuvor hatte ich mit Freunden gesprochen, die gesagt haben: Du hast Talent, mach es. Zudem hatte ich ja zwei Jahre Erfahrung, kannte die Abläufe.
Die konstituierende Sitzung hat gezeigt, dass es unter den 15 Ratsmitgliedern viele gibt, die Verantwortung übernehmen wollen. Steckt der 10. Jugendrat voller Tatendrang?
Rodriguez Eckwert: Ich würde das bestätigen. Momentan sind alle gut dabei. In unserer Amtszeit kann viel entstehen.
In Ihrer Bewerbung als Kandidatin haben Sie vorneweg den Klimaschutz und Engagement gegen Diskriminierung als Ziele genannt. Wie füllen sie diese mit Inhalt?
Rodriguez Eckwert: Beim Klimaschutz arbeiten wir mit dem Klimabündnis zusammen. Wir haben das Klima-Camp vor dem Rathaus auf die Beine gestellt, was wir wiederholen wollen. Konkret werde ich mich zum Beispiel für wiederverwendbare Plastikflaschen an Schulen einsetzen. Diskriminierung in aller Welt aufgrund von Hautfarbe, Religion und Herkunft finde ich schrecklich. Das hat sich niemand ausgesucht. Selbst ich habe sie an meiner früheren Schule erlebt, als mir gesagt wurde, dass Mädchen dümmer als Jungen sein. Dagegen anzugehen, ist mein Ziel. Ich will vermitteln, was Rassismus und Diskriminierung bedeutet.
Die Liste der Themenvorschläge, die auf dem Einführungsseminar des Jugendrates in Münster entstand, ist lang. Wo setzen Sie Schwerpunkte?
Rodriguez Eckwert:Ich persönlich würde sagen, beim Klimaschutz, bei Aktionen gegen Diskriminierung und Projekten, die Remscheid zugutekommen. Spielplatzerneuerung ist eines davon. Wir müssen nur aufpassen, dass wir nicht zu viel gleichzeitig machen und uns auf das fokussieren, was für uns leistbar ist.
Dezernent Thomas Neuhaus hat dem Rat auf den Weg gegeben: Seid unbequem, nervt Verwaltung und Kommunalpolitik auch mal. Steckt diese Ader in Ihnen?
Rodriguez Eckwert: Indem man jemand nervt, erreicht man nichts. Aber unbequem kann ich sein. Ich war immer ein Mensch, der sich nicht abhalten ließ, wenn er ein Ziel vor Augen hatte.
Im Schulausschuss haben Seyda Sahan und Kay-Hermann Thomas bei der Vorstellung der Stadtschülerschaft angekündigt, mit dem Jugendrat zu kooperieren. Das gilt zum Beispiel bei der Anschaffung von Wasserspendern in allen hiesigen Schulen.
Rodriguez Eckwert: Wir werden bis zu unserer Sitzung am 21. Juni abwarten, bei der sich die Stadtschülerschaft bei uns vorstellt. Wir können uns eine Zusammenarbeit vorstellen, wenn wir Themen haben, die wir gemeinsam anpacken können.
Spüren Sie in der eigenen Schule, der Sophie-Scholl, dass Mitschüler auf Sie zukommen mit Anregungen, Kritik und Themen für den Jugendrat?
Rodriguez Eckwert: Auf mich direkt nicht, aber die Beschwerden darüber, dass es hier keine Discos gibt und die Busfahrpläne doof sind, hört man immer wieder. Wenn ich etwas mitbekomme, greife ich das auf.
Strecken Parteien schon die Fühler nach engagiertem Nachwuchs aus?
Rodriguez Eckwert: Bei mir ist es so, dass ich kein Mitglied bei den Jusos bin, aber an deren Arbeit teilnehme. Wobei ich das sehr wohl vom Jugendrat trenne. Ich werde dort definitiv keine Parteipolitik machen.
Wie viel frisst der Jugendrat von ihrer Freizeit auf?
Rodriguez Eckwert: Tatsächlich sehr viel Zeit, aber das ist egal, weil es Spaß macht. Ich blühe einfach auf, wenn ich etwas für andere tun kann. So haben wir zum Beispiel unlängst beim Markt auf dem Rathausplatz faire Rosen verteilt zusammen mit Fairtrade Town. Und dabei in lächelnde Gesichter zu blicken, ist so ein Moment, wo man denkt: Der Aufwand lohnt sich.

Zur Person

Sofia Rodriguez Eckwert, 16 Jahre alt, lebt in Lennep, besucht die Stufe 11 der Sophie-Scholl-Gesamtschule, strebt nach dem Abitur vielleicht ein Jura-Studium an; möchte weiter in der Politik bleiben, hat als Berufswunsch scherzhaft „Bundeskanzlerin“ angegeben. Ihr Hobby ist das Tanzen; ansonsten engagiert sie sich in der OGS der KGS Franziskus.

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