Jugendamt

15 Kinder mussten 2021 ihre Familie verlassen

Abteilungsleiter Thomas Küchler kümmert sich mit seinem Team um Familien, die große Probleme haben.
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Abteilungsleiter Thomas Küchler kümmert sich mit seinem Team um Familien, die große Probleme haben.
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Das Remscheider Jugendamt kümmert sich momentan um 720 Problemfälle. Die Zahl der Inobhutnahmen ist zuletzt gesunken.

Von Frank Michalczak

Remscheid. 720 Mädchen und Jungen gewährt das Remscheider Jugendamt derzeit auf ganz unterschiedliche Art Unterstützung. Die einen werden in Tagesgruppen betreut, weil die Eltern im Alltag überfordert sind. Die anderen leben vorübergehend in Heimen, in Pflegefamilien oder schließen Bekanntschaft mit Sozialhelfern, die für Struktur in den Elternhäusern sorgen. 410 Unterbringungen in Heimen und Pflegefamilien stehen ambulante Hilfen in 270 Familien mit diversen Problemlagen gegenüber.

Die Fallzahlen seien seit etlichen Jahren eher steigend, „wenngleich dies in einer Wellenbewegung erfolgt“, wie der zuständige Abteilungsleiter Thomas Küchler von der Stadtverwaltung berichtet. „Dass es mehr Fälle gibt, mag daran liegen, dass die Sensibilität in der Bevölkerung größer geworden ist.“ Immer weniger Menschen schauen weg, wenn es ganz offensichtlich Probleme in Familien gibt, die in der Nachbarschaft leben.

So geht das Jugendamt bei Verdacht auf Gewalt vor

Hinweise erhält die Behörde aber immer wieder auch aus Schulen und Kindergärten. „Selbst während der zwischenzeitlichen Schließung in der Pandemie ist der Kontakt zu uns nicht verloren gegangen“, berichtet Küchler. Wenn zum Beispiel Lehrer beim digitalen Unterricht starke Verhaltsauffälligkeiten festgestellt hätten oder Jugendliche dem Homeschooling permanent fernblieben, gaben sie der Behörde Hinweise.

Die Zahl der sogenannten Inobhutnahmen durch das Jugendamt ist zuletzt deutlich zurückgegangen. 2021 zählte Abteilungsleiter Küchler 15 Fälle, bei dem sein Team Kinder gegen den Willen ihrer Väter und Mütter aus den Elternhäusern holen musste. Voraussetzung dafür sei, dass akute Gefahren abgewendet werden müssen – zum Beispiel wegen Gewalt, Missbrauchs, extremer Verwahrlosung. 2020 gab es 18 Fälle, 2019 sogar 41.

Ob dieser Rückgang mit der Pandemie zusammenhängt, in der dann doch nicht so viele akute Probleme auffielen, sei pure Spekulation. „Es ist ein Denkmodell, das sich weder bestätigen noch verneinen lässt“, erklärt Küchler. Und: Längst nicht alle Fälle, mit dem sein Team konfrontiert wird, betreffen Remscheider Elternhäuser. „Wir werden auch immer wieder von Behörden um Amtshilfe gebeten, die für Mädchen und Jungen in der Kinderschutzambulanz zuständig sind.“ In der Einrichtung an der Burger Straße finden Kinder aus weiten Teilen Nordrhein-Westfalens Hilfe.

Hinweise auf Kindeswohlgefährdung nimmt die Behörde während der Geschäftszeiten unter Tel. 16 39 44 entgegen. Ansonsten ist auch die Polizei zuständig, Tel. (02 02) 2 48-0.

Standpunkt von Frank Michalczak: Nicht wegschauen

frank.michalczak@rga.de

Über 700 Mädchen und Jungen haben laut Statistik in Remscheid so große Probleme in ihren Elternhäusern, dass sie Hilfe vom Jugendamt in Anspruch nehmen müssen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.

Dabei ist die Unterbringung in ein Heim gegen den Willen von Mutter und Vater längst nicht das Instrument, das die Behördenmitarbeiter hauptsächlich wählen, um Notsituationen zu beheben. Sie müssen diesen Schritt aber dann einleiten, wenn eine akute Gefährdung des Kindes vorliegt. Um dies einschätzen zu können, sind Hinweise nötig.

Umso wichtiger ist es, aufmerksam zu sein und darauf zu achten, was sich in der Nachbarschaft abspielt. Es gibt vielfältige Hilfen für die Betroffenen - insbesondere bei Überforderung im Alltag. Ein offenes Gespräch kann dem ein oder anderen Elternteil ganz sicher den Anstoß geben, Unterstützung zu nutzen, die das Amt gewährt. Auch das bedeutet aber: nicht wegschauen, sondern handeln.

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