Kritikerin der katholischen Kirche in der Klosterkirche

Journalistin Dr. Christiane Florin wirft kritischen Blick auf die Kirche

Kritikerin der katholischen Kirche: Journalistin Dr. Christiane Florin, die in der Klosterkirche bei den September-Gesprächen einen Vortrag hielt. Foto: Doro Siewert
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Kritikerin der katholischen Kirche: Journalistin Dr. Christiane Florin, die in der Klosterkirche bei den September-Gesprächen einen Vortrag hielt.

Die Journalistin Dr. Christiane Florin hielt einen Vortrag bei den Septembergesprächen.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die diesjährigen Septembergespräche, die von der katholischen Kirche in Remscheid organisiert wurden, zeigten auf, dass sich zumindest Teile der oft kritisierten Religionsgemeinschaft in Frage stellen. Das bewies alleine die Einladung an Dr. Christiane Florin, eine der deutlichsten Kritikerinnen der katholischen Kirche, die in einem schonungslosen Referat unter dem Titel „Wie ich versuche, katholisch zu bleiben“ den Status quo beeindruckend klar aufzeigte.

„Aber wenn Sie denken, ich hätte Vorschläge, wie es weitergehen soll, dann muss ich Sie enttäuschen“, fügte die beim Deutschlandfunk und bei der Zeit tätige Journalistin für die gut 50 Besucher in der Klosterkirche hinzu.

Florins Referat war gespickt mit erinnerungswürdigen Überlegungen und Zitaten. „Die katholische Kirche ist ungerecht“, war eines davon, „aber sie ist auch sehr komisch.“ Oder „Das Image der katholischen Kirche ist mit dem Wort ‚abgestanden’ noch freundlich umschrieben.“

Sie selbst, so Florin, zähle sich zu den treuen Schafen innerhalb der Herde. Da gäbe es rechts- und linksgebürstete Schafe. „Rechtsgebürstete Schafe interessieren sich sehr für das Triebleben – von anderen Menschen.“ Die Schafe der großen katholischen Herde hätten sich viel zu lange vertrösten lassen. „Wer Gerechtigkeit herstellen will“, äußerte sich die Journalistin, „muss Machtachsen verändern. Und das wird in der Kirche einfach nicht gemacht.“ Sie frage sich oft, warum sie noch immer Mitglied der Kirche sei. „Mann bekommt schon das Mädchen raus aus der Kirche, aber die Kirche nicht raus aus dem Mädchen.“ Ihr Vortrag endete mit dem Zitat: „Geduld reimt sich auf Schuld.“ Die Fragen aus dem Publikum bestätigten die Einschätzungen Florins. Der Blick in die Zukunft der katholischen Kirche wurde von allen Diskutanten als düster und unsicher beschrieben. Eine Teilnehmerin, Theologiestudentin, gab an, dass unliebsame Priester auch bespitzelt worden seien. Sie nannte auch den Namen des sehr hohen Würdenträgers, eines ehemaligen Kölner Erzbischofs, der dies in Auftrag gegeben hätte.

Überraschend äußerte sich auch Stadtdechant Monsignore Thomas Kaster zu seiner Befindlichkeit. „Ehrlichkeit muss der Anfang eines Erneuerungsprozesses sein“, befand er. Natürlich habe auch er darüber nachgedacht, die katholische Kirche als Amtsträger zu verlassen. „Aber das ist nicht so einfach. Genauso wie der Zustand unserer Kirche. Es ist wichtig, das Argumentieren nicht aufzugeben.“

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