Warten auf Deutsch-Sprachkurse

Jobsuche ist für Ukrainer nicht leicht

Yulia Surkova spricht auch mit ihrem Sohn Mark (5 Jahre) immer mehr Deutsch, damit sie gemeinsam schneller lernen.
+
Yulia Surkova spricht auch mit ihrem Sohn Mark (5 Jahre) immer mehr Deutsch, damit sie gemeinsam schneller lernen.

Mittlerweile leben 958 Geflüchtete in Remscheid.

Von Michelle Jünger

Remscheid. Mittlerweile leben 958 Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, in Remscheid. Städtisch untergebracht sind noch 515, davon leben 83 in der Erstunterbringung am Hölterfeld. Der Rest ist privat untergekommen oder hat bereits eine Wohnung angemietet.

Mindestens 850 der hier lebenden Geflüchteten beziehen Leistungen über das Jobcenter und sind arbeitssuchend gemeldet. Der Arbeitssuche stünden die Sprachbarriere und die Frage nach der Kinderbetreuung während der Arbeitszeit im Weg, berichtet unter anderem Petra Köser, die mit dem Verein Bergisch Land Hand in Hand viele Hilfsangebote für ukrainische Geflüchtete organisiert.

„Viele bekommen derzeit frühestens einen Sprachkurs ab November“, sagt Köser. Das müsse dringend mehr werden. Die Stadt ist jedoch mit dem momentanen Stand des Angebotes zufrieden, so Viola Juric, Pressesprecherin der Stadt Remscheid. „Jetzt läuft soweit alles, auch die Sprachkurse.“

„Viele bekommen derzeit frühestens einen Sprachkurs ab November.“

Petra Köser, Bergisch Land Hand in Hand e.V.

Noch fehlten die Sprachkenntnisse aber und Behördengänge seien ohne diese schwierig, bestätigt auch Roman Alytko. Der Ukrainer kann bereits Deutsch, er hat bis Anfang der 2000er Jahre in Deutschland die Schule besucht. Das mache es ihm einfacher, aber die meisten anderen könnten nur mit Dolmetscher zum Jobcenter. „Außerdem dauert hier alles länger mit Terminen und Briefen“, fügt er hinzu. In der Ukraine sei beinahe alles digital geregelt worden und jederzeit verfügbar gewesen. Nun warte er auf seine Arbeitserlaubnis, dann möchte er wie in Kharkiv eine Kfz-Werkstatt eröffnen oder zumindest in dem Bereich arbeiten. Allerdings wisse er noch nicht, ob seine Qualifikation hier anerkannt wird. Die meisten Abschlüsse können hier in Deutschland aber problemlos anerkannt werden, sagt Sevinc Brilling, Fachdienstleiterin für Integration Migration der Stadt Remscheid. „Das öffnet natürlich die Türen für Lehrerinnen und Lehrer oder Erzieherinnen und Erzieher“, merkt sie an. Im Raum stehe derzeit die Eröffnung rein ukrainischer Kita-Gruppen oder Schulklassen. Für bessere Integration hoffe sie aber auf gemischte Unterbringung, der Spracherwerb sie daher unerlässlich.

33-jährige Englischlehrerin möchte eine Sprachschule aufmachen

Yulia Surkova, die seit April mit ihrem fünfjährigen Sohn in Remscheid weilt, hat auch noch keinen Job, ist vor allem aber dankbar für die vielen Angebote, die es in Deutschland gebe. Zunächst flüchtete sie nach Spanien, dort habe es kaum Hilfe gegeben, sagt sie.

Ukraine: Vereine sollten Hilfe beantragen

Die 33-Jährige ist Englischlehrerin, sie führte etwa sieben Jahre eine eigene Sprachschule in Kiev. Sie kann sich auch vorstellen, hier an einer Sprachschule zu arbeiten oder eine eigene aufzumachen, vor allem, weil ihr Zeitplan dann flexibler sei. „Ich war fast zehn Jahre selbstständig, der Stundenplan einer staatlichen Schule passt nicht zu meinem Leben“, sagt sie.

Denn das sei durch ihren Sohn Mark bestimmt. Der sei bereits gut in Remscheid angekommen. Er gehe in den Kindergarten, könne Klavierunterricht nehmen und auch Sport machen. „Sein Leben will ich nicht verpassen.“ Sie besucht derweil schon ihren ersten Sprachkurs. „Wenn der im Februar beendet ist, habe ich Sprachniveau B1“, sagt Yulia Surkova. Danach traue sie sich zu einen Job anzugehen, da sie ohne Deutschkenntnisse wenig Sinn darin sieht.

Kinder betreuung

In Kindertagesstätten sind - Stand: 9. August - mittlerweile 93 Kinder unter sechs Jahren untergebracht. Die Grundschulen besuchen 119 ukrainische Kinder, 25 wurden am Donnerstag neu eingeschult. Die weiterführenden Schule besuchen 156 geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Energie: Der Lagebericht löst Unbehagen aus
Energie: Der Lagebericht löst Unbehagen aus
Energie: Der Lagebericht löst Unbehagen aus
Familiencafé vereint die Generationen
Familiencafé vereint die Generationen
Familiencafé vereint die Generationen
Gassen oder Krause: SPD hat am Samstag gewählt
Gassen oder Krause: SPD hat am Samstag gewählt
Gassen oder Krause: SPD hat am Samstag gewählt
Einkaufen im Süden: Aldi-Areal wird zur einzigen Option
Einkaufen im Süden: Aldi-Areal wird zur einzigen Option
Einkaufen im Süden: Aldi-Areal wird zur einzigen Option

Kommentare