Jugendarbeit

Jennifer (23): „Ohne Streetworker wüsste ich nicht, wo ich wäre“

Jennifer am Eingang zur Grünanlage Kuckuck. Sie trifft sich in der Pandemie mit ihren Freunden immer nur draußen. Foto: Melissa Wienzek
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Jennifer am Eingang zur Grünanlage Kuckuck. Sie trifft sich in der Pandemie mit ihren Freunden immer nur draußen.
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Remscheiderin lobt Marcel Gratza und Amelie Sophie Preyss.

Remscheid. Sie hatte damals „ein bisschen Ärger mit dem Gericht“. Weil sie nicht wusste, wie sie das Problem lösen sollte, wandte sich Jennifer (heute 23) hilfesuchend an einen Streetworker. Er konnte jedoch nicht helfen, weil er nicht zuständig war – vermittelte die junge Remscheiderin aber an Marcel Gratza und Amelie Sophie Preyss, die beiden Streetworker der Stadt Remscheid. Das war Jennifers Glück. „Sie haben mir geholfen, mich unterstützt.“ Und konnten das Problem schließlich klären.

Den RGA-Artikel über Streetwork in Coronazeiten hat Jennifer daher auch aufmerksam gelesen. „Marcel und Amelie loben uns junge Leute darin, dass wir uns an die Corona-Regeln halten – aber keiner sagt, was sie für eine tolle Arbeit machen“, lobt die gebürtige Langenfelderin, die seit ein paar Jahren in Remscheid lebt. „Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand mit so viel Herzblut dabei ist.“

Als sie Marcel Gratza und Amelie Sophie Preyss das erste Mal zum persönlichen Gespräch an der Haddenbacher Straße traf, hatte sie direkt einen Draht zu den beiden, erzählt sie. „Sie standen draußen – und sahen überhaupt nicht aus wie Spießer, sondern waren total locker“, gibt sie ganz offen zu. Egal, ob Probleme in der Familie, mit Freunden, mit der Arbeit oder bei Fragen zu Anträgen – „Marcel und Amelie nehmen sich immer sehr viel Zeit für uns“, sagt Jennifer. „Ich wüsste gar nicht, wo ich ohne sie wäre. Oder wo ich sonst hin sollte.“

Mittlerweile schicke sie auch ihre Freunde zu den beiden Streetworkern. Denn die sagten immer: „Wir kriegen das hin.“ Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 27, die Marcel Gratza und Amelie Sophie Preyss beraten, haben dadurch nicht nur einen Ansprechpartner, sondern fühlen sich auch verstanden. „Natürlich sagen sie auch, wenn mal was nicht so gut war. Aber sie sagen auch: Es ist deine Entscheidung, aber wir helfen dir dabei.“ Vor allem das Aufzeigen einer Perspektive ist für die jungen Remscheider wichtig.

Auch dabei konnten die beiden helfen. Jennifer, die derzeit auf Jobsuche ist, hatte bereits zwei Bewerbungsgespräche. „Sie haben mir bei der Bewerbung geholfen.“ Nach dem Realschulabschluss hat Jennifer ein Jahr lang auf dem Bau gearbeitet. Jetzt würde sie gerne als Verkäuferin bei Obi oder Bauhaus arbeiten.

Sie selbst kann die Aussage der Streetworker, dass sich die Jugendlichen an die Corona-Regeln halten, bestätigen. „Wenn ich mich mit meinen Freunden treffe, treffe ich mich nicht mit zehn Leuten. Wir sind außerdem immer draußen an der frischen Luft und treffen uns nie drinnen – um auch Omas und Eltern zu schützen“, sagt die 23-Jährige, die auch jetzt eine Mund-Nasen-Maske um das Handgelenk trägt. Man sei sehr vorsichtig, keiner umarme sich mehr, man begrüße sich nur noch mit der „Ghetto-Faust“.

Sonst seien sie gerne Fußball oder Basketball spielen gegangen, schwimmen, ins Kino oder in den Kultshock. Das fällt in Pandemiezeiten alles flach. Es fehlen Treffpunkte. „Und die Ausgangssperre um 21 Uhr ist für uns natürlich total blöd. Aber wir wollen auch keinen auf den Deckel kriegen vom Ordnungsamt.“ Also halte man sich daran. Für den Ausgleich habe sie zum Glück einen kleinen Garten, den sie mit Kumpel Daniel pflege. Auch den hatten ihr die Streetworker verschafft. „Dafür bin ich echt dankbar.“

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