Stadt will Eingänge zumauern

Jakobsstollen: Eindringlinge riskieren ihr Leben

Abseits des Waldweges in Tyrol liegt der Jakobsstollen: Gestern schauten sich Manfred Kostryki (l.) und Stefan Nöh den Schaden an. Foto: Doro Siewert
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Abseits des Waldweges in Tyrol liegt der Jakobsstollen: Am Montag schauten sich Manfred Kostryki (l.) und Stefan Nöh den Schaden an.

Der stillgelegte Bergwerkstunnel im Tal des Tyrolbachs lockt immer wieder ungebetene Gäste an.

Von Andreas Weber

Remscheid. In den stillgelegten Jakobsstollen in der Ortschaft Tyrol sind zum wiederholten Male unbekannte Personen eingedrungen. Manfred Kostryki, eine der drei treibenden Kräfte des ehemaligen Bergbauprojektes, hat Anzeige bei der Polizei erstattet und will 1000 Euro Belohnung ausloben, um die Täter zu ergreifen.

Das Schloss des Eingangstores des im Wald versteckt liegenden historischen Industriezeugnisses wurde schwer beschädigt. Durch die Metalltür kamen die Eindringlinge nicht ins Innere, wohl aber seitlich oberhalb. „Das sind Abenteurer, deren Wagemut schnell gefährlich werden kann“, warnt Kostryki. Denn der 2,10 Meter hohe, begehbare und schubkarrenbreite Stollen ist nicht verkehrssicher. „Dennoch steigen immer wieder Leute ein, die dort an der Grauwacke weiterkratzen.“ 200 Meter sind über zehn Jahre vom Arbeitskreis Bergbau im Bergischen Land mit enorm viel Muskelkraft freigelegt worden.

„Das sind Abenteurer, deren Wagemut schnell gefährlich werden kann.“

Manfred Kostryki, Stollenexperte

2017 gaben die engagierten Malocher um Manfred Kostryki, Bernd Stamm und Udo Potthoff, ihr Hobby aus Altersgründen auf, mithin wurde der Stollen geschlossen. Kostryki blutete das Herz, nachdem er inklusive vorheriger Recherche 15 Jahre investiert hatte, die Kraft für die Knochenarbeit jedoch am Ende fehlte.

Der Stollen geht mehrere Hundert Jahre zurück auf den ersten Bergbau in Reinshagen, bei dem Brauneisenstein gewonnen wurde. Der Eisenerzabbau an der Stelle datiert zwischen 1765 und 1768. Der rund 500 Meter lange Tunnel, der mitten im Wald am Tyrolbach auf städtischem Grund beginnt und weiter oberhalb hinter Bornstal an der Clarenbach-Kirche endet, diente zur Entwässerung. Anfang 2002 war er als Bodendenkmal „Eichenhöfer Bergwerk – St. Jakobsstollen“ in die Remscheider Denkmalliste eingetragen worden. Nach den Vorfällen sieht Renate Falkenberg von der Unteren Denkmalbehörde dringenden Handlungsbedarf. „Wir haben es nun mit einem Gefahrenpunkt zu tun, und der muss geschlossen werden.“

Sowohl die Eingangstür wie das seitliche Loch, das zunächst nach dem jüngsten Unwetter durch eine Absackung entstanden war, müssen abgedichtet werden. Stadtförster Stefan Nöh, der im Rahmen regelmäßiger Kontrollen das Problem entdeckt hatte, dachte am Montag bei einem Ortstermin mit Kostryki und Falkenberg darüber nach, einen Sprengtrupp des THW aus Wuppertal kommen zu lassen. Das könne nicht die Lösung bei einem Bodendenkmal sein, erklärte die Mitarbeiterin der Denkmalbehörde. Falkenberg setzt auf Zumauern der neuralgischen Punkte unter Berücksichtigung der Fledermäuse, die sich am Stollen angesiedelt haben, und dem freien Ablauf des Bergwassers, der sichergestellt sein muss.

Zutritt zum Stollen hatten in der Vergangenheit nur die versierten Kumpel, von denen einer der 72-jährige Kostryki, früher selbst lange Bergmann im Ruhrgebiet, war. Einer breiten Öffentlichkeit war die wissenschaftliche Grabung nie zugänglich, heute umso weniger, als Einsturzgefahr besteht.

Warum dort Menschen ihr Leben aufs Spiel setzen, kann Kostryki nicht verstehen. „Es sind wohl immer dieselben und wie sie vorgehen, lässt darauf schließen, dass sie Ahnung vom Bergbau haben.“

Die Serie der Übergriffe ist lang. Sieben verzeichnet Manfred Kostryki insgesamt seit dem 9. Februar 2014. In regelmäßigen Abständen verschafften sich Unbekannte zum Teil mit professionellem Werkzeug Zutritt zum Unterreich, um in dem „lost place“ weiter Gestein abzutragen und Zerstörung zu hinterlassen. Schlösser wurden demoliert, die Tür beschmiert, Scharniere durchgeflext, Schachtklappen aufgebrochen, Träger mit Gewalt entfernt. „Offensichtlich haben welche den Ehrgeiz, den Stollen komplett freizulegen“, ärgert sich Manfred Kostryki. 300 Meter fehlen noch auf dem Weg nach oben.

Ingenieur Axel Ritscher zurate ziehen

Um die jetzt undichte Flanke des Jakobsstollens zu schließen, wollen die Stadt und Manfred Kostryki einen benachbarten Fachmann zurate ziehen. Denn der Remscheider Bergbauingenieur Axel Ritscher betreibt nur wenige Hundert Meter entfernt auf seinem Familiengrund den Wolfskuhler Stollen. Der Einzelkämpfer buddelt sich dort seit 18 Jahren mit Genehmigungen des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege, dem Bergamt und der Unteren Denkmalbehörde voran.

Standpunkt: Nichts für Hinz und Kunz

Von Axel Richter

axel.richter@rga.de

Verlassene Villen, verfallene Fabriken, leerstehende Krankenanstalten und gern auch ein heruntergekommenes Bordell: Im Internet wimmelt es nur so von „Lost Places“, die sich unausgelastete Abenteurer gegenseitig anempfehlen, um den „spannenden Spuren menschlicher Schicksale“ zu folgen. Auf den Hinweis, dass die meisten dieser „verlorenen Orte“ sehr wohl jemandem gehören und nicht einfach von Hinz und Kunz betreten werden dürfen, verzichten sie dabei nicht. Bleibt die Frage, ob Hinz und Kunz sich auch daran halten und der pflichtschuldig erteilte Hinweis nicht mehr als ein Feigenblatt darstellt. Diejenigen, die heute im Jakobsstollen herumbuddeln, haben jedenfalls niemanden um Erlaubnis gefragt. Diejenigen, die einst im ehemaligen Lenneper Krankenhaus herumgeisterten, auch nicht. Und für diejenigen, deretwegen die Feuerwehr heute in regelmäßigen Abständen zum alten Möbelhaus am Lenneper Bahnhof ausrücken müssen, gilt das nicht minder. Sie alle setzen nicht nur ihre Gesundheit aufs Spiel, sondern kosten den Steuerzahler auch jede Menge Geld. Deshalb: Sucht euch einfach ein anderes Hobby.

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