Wie werde ich...Jäger

Jagen geht nur mit lupenreiner Weste

Hans-Willi Kling ist erfahrener Jäger. Springerspanielhündin Hazel lernt gerade noch, was ihre Aufgaben als Jagdhund sind. Foto: Roland Keusch
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Hans-Willi Kling ist erfahrener Jäger. Springerspanielhündin Hazel lernt gerade noch, was ihre Aufgaben als Jagdhund sind.

Hans-Willi Kling erklärt, wie der Weg zum Jagdschein aussieht

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Der Wald ist ihr Revier: Auf Hochsitzen wachen Jäger über den Wald und das Wild. Doch zum Jägersein gehört mehr, als nur Tiere zu erlegen. Im Naturschutz kennen sie sich ebenfalls bestens aus. Was es braucht, um Jäger zu werden, verrät Hans-Willi Kling, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Remscheid.

Wie beginnt das Jäger dasein?

„Wer Jäger werden will, muss Interesse, Durchhaltevermögen und einen Bezug zur Natur mitbringen“, sagt Hans-Willi Kling. Der Weg bis zum Jagdschein ist nämlich ein relativ langer. Bis ein Jäger seinen Jagdschein in den Händen hält, muss er einen Jagdkurs ablegen – etwa 130 Stunden reine Theorie, plus zehn Übungsnachmittage im Schießen, plus Praxis, rechnet Kling. Die Kreisjägerschaft nimmt die angehenden Jägerinnen und Jäger mit auf die Jagd, damit sie das Handwerk erlernen. Der Kurs schließt dann mit einer schriftlichen und einer praktischen/mündlichen Prüfung ab, in der auch der Umgang mit Jagdwaffen bewiesen werden muss.

Was lerne ich im Jagdkurs?

Der Jagdkurs umfasst unter anderem Themen wie Wildbiologie, die nach Haarwild (Hasen, Rehe) und Federwild (Vögel) unterschieden wird. In der Jagdbetriebslehre lernen die angehenden Jäger den Umgang mit einem Jagdhund, lernen die Sicherheitsvorschriften kennen und das Jagdrecht. Sie lernen, wie Waffen wie Flinten oder Revolver gehandhabt und zerlegt werden. Aber auch Wald- und Landbau gehören zu den Dingen, mit denen ein Jäger sich auskennen muss. „Durch das Fichtensterben sind wir Jäger gefordert, intensiver zu bejagen, damit neue Setzlinge nicht aufgefressen werden“, erklärt Kling die Notwendigkeit, auch Wissen über Bäume und ökologische Aspekte zu besitzen.

Was passiert nach der Prüfung?

Die ersten drei Jahre begleitet ein junger Jäger einen Jagdpächter. Dann lernt er alles Wichtige, was im Kurs nur in der Theorie vermittelt wird – etwa, wie man trächtige Tiere oder das Geschlecht erkennen kann. Erst nach diesen drei Jahren darf ein Jäger sein eigenes Jagdrevier pachten.

Welche Rechte und Verpflichtungen gehen damit einher?

Der Jagdpächter hat auf seinem Revier das Recht, zu jagen. „Er hat aber auch die Pflicht, einen artenreichen Wildbestand zu erhalten“, sagt Kling – seine Abschüsse so zu planen, dass der Wildbestand auf die Land- und Forstwirtschaft abgestimmt ist und keine Gebiete leergeräumt werde. Das Wild muss er vor Seuchen schützen und in Notzeiten versorgen, beispielsweise bei extremem Frost, erklärt Kling.

Wie läuft die Jagd ab?

Coronabedingt finden zurzeit nur Einzeljagden statt. „Ein Jäger muss Geduld und ein scharfes Auge haben“, sagt Kling. Die typische Jagdzeit ist frühmorgens. Den Hochsitz bezieht Hans-Willi Kling entweder noch vor dem Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang. Denn kurz darauf sind die Tiere am aktivsten. Gruppenjagden finden als Drückjagd nach Schalenwild (Rehe, Damwild, Wildschweine) oder als Treibjagd nach Niederwild (Hasen, Kaninchen, Fasane) statt. Gejagt werden darf allerdings nicht alles. Tiere dürfen in der Schonzeit nicht geschossen werden. Ausnahmen gibt es beispielsweise wegen der Afrikanischen Schweinepest. Um ihre Ausbreitung zu verhindern, werden Wildschweine freigegeben. „Ausnahmen sind da aber tragende Muttertiere. Die dürfen nicht geschossen werden“, sagt Kling. Den Unterscheid zu erkennen, sei gar nicht so einfach. „Das muss man lernen. Genau deswegen gehen junge Jäger erst mal drei Jahre lang mit.“

Was muss ich beachten?

In fremden Revieren gehört zur Jagdausrüstung eine Revierkarte mit Hinweisen, wo sich Wege und Ortschaften befinden. „Wenn ich da nicht Bescheid weiß, gefährde ich andere“, erklärt Kling. Denn jeder Jäger ist für seinen Schuss selbst verantwortlich.

Jagdhunde helfen beim Aufstöbern von Wild. Fast jedes Stück Wild wird dann auch verwertet. „Das ist meine Achtung vor der Kreatur“, sagt Kling. Und: „Mehr Bio geht nicht.“ Jäger lernen im Jagdkurs auch, ihr Wild zu zerlegen. Übrigens: „Wer Jäger werden will, braucht eine lupenreine Weste“, weiß Kling. Selbst notorische Raser könnten schon Schwierigkeiten bekommen, einen Jagdschein zu erhalten, denn sie würden sich nicht an Regeln halten.

Welche Kosten kommen für einen Jagdkurs auf mich zu?

Für Kursgebühr und notwendige Bücher rechnet Hans-Willi Kling etwa 1000 Euro. Dazu kommen Kosten für Munition und Ausrüstung.

Hintergrund

Einmal im Jahr nimmt die Stadt Remscheid die Jagdprüfung ab, meist im April/Mai, damit Jungjäger direkt in die Saison starten können. Den Jagdkurs richtet die Kreisjägerschaft Remscheid aus.

https://t1p.de/ok2e

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